Der Lobbyisten-Fall rund um Nationalrätin Christa Markwalder wirft hohe Wellen. Nun äussert sich auch "Tagi"-Chefredaktor Res Strehle zum Vorfall. In einem Kommentar in der Printausgabe vom Dienstag fordert er die PR-Branche dazu auf, "sich endlich strenge Regeln zu geben und sie zu überwachen". Ein Standesgremium wie der Presserat für die Medien, das die Einhaltung der Regeln anmahne, sei ihr dringlich zu empfehlen.
Marie-Louise Baumann ist ausgetreten
Doch: Zumindest bei der Schweizerischen Public Affairs Gesellschaft (SPAG) gibt es bereits sowohl ein unabhängiges Kontrollorgan, als auch entsprechende Standesregeln. Eine Standeskommission beurteilt Fälle, bei denen sich Lobbyisten nicht korrekt verhalten haben. "Diese Praxis einzuführen, war uns ein zentrales Anliegen. Unsere Ergebnisse werden wir selbstverständlich auch öffentlich machen", sagt Kommissions-Präsident Thomas Sägesser auf Anfrage von persoenlich.com. Der Meinung von Res Strehle widerspricht er deshalb: "Seiner Forderung sind wir eigentlich schon längst nachgekommen".
Verstösst ein Lobbyist gegen einen Kodex des SPAG, kann das Sanktionen nach sich ziehen: "In groben Fällen kann es sogar zum Ausschluss von Mitgliedern kommen", so Sägesser. Dies käme für den Lobbyisten einem grossen Imageverlust gleich. Auch die Rolle von Marie-Louise Baumann in der Kasachstan-Affäre wird die Standeskommission untersuchen: "Wir werden uns auch mit dem aktuellen Fall befassen und ihn zum Anlass für eine Präzisierung nehmen", so Sägesser. Marie-Louise Baumann gehört der SPAG jedoch nicht mehr an.
Lobbyisten als Vorbild für PR-Branche
Die SPAG ist bisher der einzige Verband, welcher das Verhalten von Lobbyisten überprüft. Präsident Stefan Kilchenmann hofft, in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle übernehmen zu können. Es sei wichtig, dass auch die PR-Branche nachziehe. Trotzdem decke die SPAG bereits einen beachtlichen Teil der Lobbyisten im Bundeshaus ab, so Kilchenmann.
An der kommenden GV wird die Standeskommission zum ersten Mal über die neue Praxis berichten. Sie wurde nämlich erst an der letzten Versammlung eingeführt. "Mit dieser Entscheidung sind wir einem internationalen Trend nachgekommen", so Kilchenmann. Denn auch im Ausland werde Transparenz immer wichtiger. (nb)