Roman Geiser wird neuer CEO

Farner - "Ein Powerbrand, der mich seit jeher interessierte."

Herr Geiser, Sie übernehmen im Herbst die operative Führung von Farner (persoenlich.com berichtete). Wie kam es dazu?

Farner ist ein respektierter Powerbrand mit einem hervorragenden Team und deshalb eine Unternehmung - ja gar eine Schweizer Institution - die mich seit jeher interessierte. Christian König und ich kennen uns seit vielen Jahren und sind befreundet. So wusste ich, dass bei Farner Veränderungen anstehen. Und Christian König wusste, dass ich für eine echte unternehmerische Herausforderung durchaus ansprechbar wäre. Am Ende des Tages war es letztlich eine Güterabwägung zwischen zwei Fragen. Will ich meine internationale Karriere als Agenturmanager im Netzwerkdienst fortsetzen oder will ich eine unternehmerische Perspektive eröffnen? Ich habe mich für die unternehmerische Perspektive entschieden.

Was reizt Sie daran, Unternehmer zu werden?

Ich hatte grandiose Jahre bei Burson-Marsteller und bin dankbar für die Erfahrungen in einer internationalen Netzwerkagentur. Ich bin aber überzeugt, dass auch das Modell der grossen inhabergeführten Agentur mit internationaler Ausrichtung Zukunft hat. In allen grossen europäischen Ländern gibt es marktführende Spitzenagenturen, die nicht Omnicom oder WPP gehören. So wie Farner in der Schweiz eben. Kurze Entscheidungswege, wenig Bürokratie und Reporting, agiles Marktverhalten, Kundenfokus sind alles Elemente, die unabhängige Agenturen auszeichnen. Was mich aber besonders reizt an der neuen Aufgabe, ist die Nähe zu Kunden und Mitarbeitern. Ich freue mich darauf, weniger im Flugzeug zu sitzen und mit einem frischen Team an spannenden Kommunikationslösungen für Kunden zu brainen.

Als COO EMEA waren Sie viel unterwegs. Wird Ihnen das Reisen und das Internationale nicht fehlen?

Farner ist eine etablierte Schweizer Marke, die aber weit über die Landesgrenze hinausstrahlt. Entsprechend arbeitet die Agentur heute schon international. Ich werde diesen Akzent aber sicher noch verstärken wollen. Das Potential für internationale Arbeit ist auch in der Schweiz riesig. Entsprechend ist Farner ein Spiegelbild der Schweizer Wirtschaft, welche hier starke Wurzeln hat, aber das Geschäft international betreibt. Zum Reisen: Dass ich in Zukunft meinen eigenen Kühlschrank oder die Schweizer Gastronomie ebenso gut kenne wie das Angebot in der Swiss-Lounge ist keine schlechte Perspektive.

Was ist spannend am Schweizer PR-Markt?

Komplexe Aufgabenstellungen, anspruchsvolle Kunden und weltmarktführende Branchen, mit Wurzeln in der Innovation sind spannend. Wie Pharma, Nahrungsmittel, Energie und Finanzwirtschaft. Und dann im Politgeschäft das einzigartige System der direkten Demokratie, welches spannende Aufgabenstellungen an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit bietet. In sehr vielen dieser Bereiche hat Farner interessante Portfolios und Expertise.

Immer mehr Schweizer Werbeagenturen eröffnen sogenannte PR-Units. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Als Kommunikations- und PR-Mann freue ich mich, dass dieses Geschäft als zukunftsträchtig beurteilt wird. Der Schlüssel liegt für mich aber nicht in der Disziplin alleine, sondern in der Fähigkeit integrierte Kommunikationslösungen zu erarbeiten, welche auf Inhalt basieren. Gute Agenturen sind entsprechend auf Content fokussiert. Sie bringen Netzwerke zusammen. Sie sind befähigt, bereichsübergreifend zu arbeiten und sie haben verstanden, dass soziale Medien nicht ein add-on sind, sondern zentraler Bestandteil guter Kommunikationslösungen.

Wie ist eine moderne PR-Agentur aufgestellt?

Eigentlich einfach: Gute schnelldenkende Köpfe mit Kundenfokus. Digitale Medien als Kernkompetenz. Wissensbasierte Beratung. Vernetzt und integriert. Kompetenz entlang von spezifischen Branchen oder spezifischen Kommunikationsdisziplinen. Und vor allem ein Team das gut zusammenarbeitet, Spass an der Sache hat und lachen kann.

Sie sind amtierender Präsident des BPRA. Welche Themen beschäftigen derzeit die Branche?

Die jährliche Befragung der Mitglieder zeigt, dass Social Media als ein Wachstumsbereich indentifiziert ist. Ich glaube auch, dass PR-Agenturen gut gerüstet sind für diese Aufgabe. Content, Relevanz, Inhalt und Dialog sind zentral in der digitalen Kommunikation. An sich alles Befähigungen von guten PR-Agenturen. Was auch beschäftigt ist das Talentmanagement. Beratung steht und fällt mit guten Leuten. Diese für die Disziplin und für eine bestimmte Agentur zu begeistern wird je länger je wichtiger.

Wie wollen Sie bei Farner die "Talente managen"?

Die neue Generation von Beratern und Spitzenkräften der Kommunikation arbeitet nicht einfach für eine Firma, nur weil diese marktführend oder respektiert ist. Zurecht eingefordert werden ein lebendiges Umfeld, Training, Förderung, persönliche Lernkurven, regelmässiges Feedback und Vorleben des Managements. Ausserdem arbeitet die Beratungsbranche viel und mit hohem Rhythmus. Das geht über längere Zeit nur, wenn der Humor nicht zu kurz kommt.

Bis vor kurzem waren Sie VR-Präsident von Burson-Marsteller (Schweiz) sowie Vizepräsident der Young & Rubicam Holding (Schweiz). Welche VR-Mandate behalten Sie zusätzlich zu Ihrer neuen Funktion?

Ich werde mich voll und ganz auf meine Aufgabe als CEO von Farner konzentrieren. Ich pflege selbstverständlich weiterhin meine Netzwerke und engagiere mich in gesellschaftlichen oder politischen Fragen, die mich interessieren. Der Fokus liegt aber klar bei meinen Kunden und meinem neuen Team.

Was packen Sie im Herbst als erstes an bei Farner?

Ich werde zuhören, die Teams kennenlernen wollen und sehr schnell in die Kundenarbeit eintauchen.

Interview per Mail: Corinne Bauer.