Herr Rupp, das Madonna-Konzert ist einer der grössten Musik-Events, den die Schweiz je gesehen hat. Gilt das auch für die Presse- und Promotionsarbeit?
Nein, das kann man nicht auf diese Art hochrechnen. Bei weniger populären Künstlern fällt oft mehr Promotionsarbeit an, um die Leute zu locken. Bei einer Madonna müssen sie nur kommunizieren, dass sie kommt, dann ist der Mist schon fast geführt. Wir haben mit einer einzigen Pressekonferenz 60'000 Tickets verkauft.
Das Publikum hat sich also auf die Tickets gestürzt. Haben sich auch die Sponsoren in Scharen gemeldet?
Die Grösse der Veranstaltung bringt hohe Kosten mit sich -- auch für einen Sponsor. Als Partner bei einem Madonna-Konzert dabei zu sein ist natürlich sehr reizvoll, was uns die Suche sicher erleichtert hat.
Sie waren also nach der Pressekonferenz arbeitslos?
Vielleicht ist bei anderen Veranstaltungen tatsächlich etwas mehr Fachkompetenz für die Promotion gefragt. Eine Show in dieser Dimension bringt aber entsprechend anspruchsvolle mediale Aufgaben mit sich. Die Auflagen der Tourproduktion und des Künstlermanagements sind sehr streng. Trotzdem versuchen wir einen Weg zu finden, den Medien viel zu ermöglichen. Schliesslich ist die Berichterstattung im Vorfeld für uns sehr wichtig.
Das heisst, Sie müssen jeden Schritt vom Madonna-Team absegnen lassen?
Ja, das ist so. Oft meinen die Medien, ich sei der Entscheidungsträger. Über diese Macht verfüge ich aber nicht, ich kann nur Anträge stellen. Geht es um Interviews, Aufnahmerechte oder Medienveranstaltungen rund um die Tour unterliegen wir den Auflagen des Künstlermanagements. Wir würden den Medien manchmal gerne mehr bieten, sind aber gezwungen, die Vorgaben umzusetzen. Leider werden dann trotzdem wir von den Medien oft für schwierige Arbeitsbedingungen verantwortlich gemacht.
Wo fühlen sich die Medien eingeschränkt?
Wir haben vielen Journalisten bei der Akkreditierung eine Absage erteilen müssen, da wir nur eine sehr beschränkte Anzahl Medienplätze freigeben dürfen. Die Presse muss zudem die Konzerttickets selber bezahlen. Im Ausland ist das schon lange die Regel, in der Schweiz wird es aber nicht gerne gesehen. Und Künstlerinterviews waren bis jetzt keine möglich.
Superstars haben oft Sonderwünsche. Gilt das auch für Journalisten?
Absolut. Und das darf auch so sein. Jeder will eine exklusive Story aufbauen. Wir prüfen dann, ob der Wunsch erfüllt werden kann. Wenn eine gute Idee kommt und wir diese umsetzen können, ist uns auch geholfen.
Welches waren spezielle Medienanfragen, die Sie ablehnen mussten?
Ein Journalist versucht mich immer noch davon zu überzeugen, ihm ein Foto in der Künstlergarderobe kurz vor Madonnas Ankunft zu ermöglichen. Da kann ich nur immer wieder nein sagen, wenn ich meinen Job behalten will. Ein weiteres Beispiel: Ein Online-Medium wollte permanenten Zugang zur Produktion, um im Stundentakt mit einer Foto-Story berichten zu können.
Zurück zu den Auflagen: Haben Sie Madonna fragen müssen, ob Sie den Journalisten beim Medienrundgang ihre persönliche Toilette in der Garderobe zeigen dürfen?
Schön wäre es, wenn ich direkt mit Madonna sprechen könnte (lacht). Denkt man in Kreisen, diskutiere ich im besten Fall mit dem dritten Kreis um die Künstlerin herum. Aber tatsächlich mussten wir den heutigen Medienanlass und jeden Programmpunkt -- auch die Garderobenbesichtigung -- absegnen lassen.
Werden Sie Madonna noch persönlich sehen?
Es wäre ein falsches Verständnis, wenn man glaubt, dass wir ständig direkt mit den Künstlern Kontakt haben. In 9 von 10 Fällen sehen wir die Musiker nur, wenn sie auf der Bühne stehen oder im Backstage-Bereich kurz vor oder nach dem Konzert.
Werden Sie überhaupt etwas vom Konzert mitbekommen?
Mit Glück werde ich von der zweistündigen Show eine halbe Stunde sehen.
(Interview: Stefan Wyss)