ProSiebenSat.1-Chef Max Conze und sein Finanzchef Rainer Beaujean müssen nach einem Coronavirus-Fall im Konzern von zu Hause aus arbeiten und haben die geplante Bilanz-Pressekonferenz in Unterföhring abgesagt. Sie werden die Zahlen am Donnerstag per Webcast im Internet präsentieren, wie eine Sprecherin sagte. Ein Mitarbeiter in Düsseldorf habe sich mit dem Virus infiziert. Seine Kontaktpersonen und deren Kontakte in Unterföhring – insgesamt rund 200 Menschen – arbeiteten deshalb seit einer Woche vorsorglich im Homeoffice, darunter auch Conze und Beaujean (persoenlich.com berichtete).
Das US-Onlinenetzwerk Twitter hat wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus seine Mitarbeiter weltweit dazu aufgerufen, von zu Hause aus zu arbeiten. Auch Google in Dublin liess am Dienstag 8000 Beschäftigte vorsichtshalber zu Hause arbeiten, nachdem sich bei einem Mitarbeiter grippeähnliche Symptome zeigten. Nicht betroffen von dieser Massnahme ist das Google-Büro in Zürich, obwohl auch dort ein Mitarbeiter positiv getestet wurde.
Wie aber organisieren sich Firmen überhaupt, wenn sie die Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten lassen? persoenlich.com hat nachgefragt:
«Die Mitarbeitenden der TX Group haben generell die Möglichkeit, im Homeoffice beziehungsweise Mobile Office zu arbeiten – nach Vereinbarung mit ihrem direkten Vorgesetzten und sofern die Voraussetzungen in der Organisationseinheit und insbesondere der persönlichen beruflichen Tätigkeit gegeben sind», so Patrick Matthey, Leiter Kommunikation der TX Group, auf Anfrage von persoenlich.com. Das Unternehmen stelle den Mitarbeitenden einen Laptop zur Verfügung, gearbeitet werde gruppenweit mit den cloudbasierten Google-Office-Lösungen. Zudem werde Slack als offizieller interner Kommunikationskanal genutzt. «Damit möchten wir unseren Mitarbeitenden die Gelegenheit geben, ihren Job besser mit ihrer individuellen Lebensführung zu vereinbaren», so Matthey. Die Mitarbeitenden müssten im Homeoffice grundsätzlich dieselbe Arbeitsleistung erbringen können wie an ihrem beruflichen Arbeitsplatz. «Im Zusammenhang mit den Coronavirus-Massnahmen sind wir diesbezüglich aktuell natürlich flexibler, denn an erster Stelle steht stets die Gesundheit der Mitarbeitenden.»
Mobile Office existiere bei Swiss Life am Standort Schweiz seit einigen Jahren und werde regelmässig genutzt. Die entsprechende Infrastruktur sei vorhanden und werde genutzt. «Swiss Life nutzt ‹Microsoft Teams› als zentrale Anwendung für die Aspekte der digitalen Zusammenarbeit», so Tatjana Stamm, Manager Group Communications. «Im Zusammenhang mit den Präventionsmassnahmen in Bezug auf das Coronavirus sind weiterführende Massnahmen wie verordnetes Home- oder Split-Office für Teams denkbar.» Die Taskforce rund um das Coronavirus beurteile die Situation laufend neu und werde wenn nötig über weiterführende Massnahmen entscheiden.
«Split Operation» heisst die Massnahme seit dieser Woche bei der Credit Suisse. Alle Teams, die für das Funktionieren der Grossbank kritisch sind, werden aufgeteilt, wie finews.ch berichtet. Dies soll die Gefahr vermindern, dass das Coronavirus ganze Bereiche der Bank lahmlege. «Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeitenden und Kunden haben für uns höchste Priorität», sagt Credit-Suisse-Sprecher Ronnie Y. Petermann zu persoenlich.com. In Zusammenhang mit der Verbreitung von Coronavirus habe die Bank in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der nationalen und internationalen Gesundheitsbehörden sowie der Regulatoren frühzeitig verschiedene Gesundheits- und Sicherheitsmassnahmen in den Büros und Geschäftsstellen eingeleitet. «Diese Massnahmen beinhalten unter anderem in spezifischen Fällen Selbst-Quarantäne unserer Mitarbeitenden, neue Reiserichtlinien, die örtliche Aufteilung von Teams an verschiedenen Arbeitsorten zur Eindämmung eines Ansteckungsrisikos, sowie erhöhte Sauberkeits- und Hygienevorschriften und Körpertemperaturmessungen an unseren Standorten», so Petermann. Credit Suisse setzt bei der digitalen länderübergreifenden Interaktion in erster Linie auf Skype for Business.
Homeoffice ist unabhängig des Coronavirus auch bei der Agentur Farner bereits Alltag. «Bei Farner haben wir Jahresarbeitszeit sowie eine Homeoffice-Regelung, die es den Mitarbeitenden erlaubt, Zeit und Ort ihrer Arbeitsleistung zu gestalten», sagt Roman Geiser, CEO & Managing Partner, auf Anfrage. «Mobiles Arbeiten gehört zum Alltag im Beratungsgeschäft, und wir sind der Meinung, dass Qualität und Effizienz der erbrachten Leistungen wichtiger sind als der Ort, an dem eine Leistung erbracht wird.» Vorgesetzte und Mitarbeitenden würden Homeoffice fallweise und direkt miteinander abstimmen, je nach den Anforderungen der Kunden und des Teams. Aber auch bei Farner gelte wie überall: Die Agentur halte sich strikt an die BAG-Weisungen und informiere das Team, sobald es hierbei eine neue Empfehlung oder Weisung gebe.
Coop will sich nicht zu Details über die Arbeit im Homeoffice äussern. Auch wenn ein Grossteil der Mitarbeitenden im Verkauf, in der Logistik und in der Produktion arbeitet, dürfte die Arbeit von zu Hause aus dennoch bei einigen Backoffice-Teams ein Thema sein. Coop sagt nur soviel: «Wir haben schon seit vielen Jahren einen Pandemieplan und sind in engem Austausch mit den Behörden. Dabei haben die Sicherstellung der Grundversorgung und der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oberste Priorität», so Coop-Sprecherin Andrea Bergmann.
Den angefragten Firmen wurden folgende Fragen gestellt: Wird Homeoffice bereits vermehrt umgesetzt als normalerweise? Wie konkret organisieren Sie Homeoffice? Welche Tools benutzen Sie? Welche Herausforderungen gibt es?
Teilweise mit Material von Keystone-SDA.