Aufgrund zahlreicher Führungswechsel in den oberen Management-Etagen der Schweizer Wirtschaft hat Harry Holzheu, Unternehmensberater für Führungskommunikation, den Erfolg der Chef-Kommunikation in sieben Punkten zusammengefasst:
1. Eine richtige Rede in der Sitzung bringt mehr
"Sitzungen sind sicher notwendig. Erfahrungsgemäss dauern sie jedoch meistens zu lang. Der Hauptgrund ist, dass es an Disziplin mangelt. Zu oft leitet niemand die Sitzung wirklich. Jeder ergreift das Wort, wann er will und redet so lange er will. Zudem fühlen sich die meisten TeilnehmerInnen vom jeweiligen Thema nicht angesprochen, sind nicht interessiert und betrachten den längsten Teil der Sitzung als Zeitverlust. Sie können das ändern, wenn Sie als Chef eine Sitzung strukturieren und zu einem wichtigen Thema eine zündende Rede vorbereiten. Sie halten Ihre Rede (nicht länger als 10 Minuten!), anschliessend kann das Thema diskutiert werden. So sind alle mit einbezogen, können sich äussern und Sie kommen zu Beschlüssen mit viel weniger Zeitaufwand. Wichtig ist, dass Sie sich während der Dauer Ihrer Rede nicht unterbrechen lassen! Gerade darin besteht einer der Hauptvorteile: Sie können alle Ihre Argumente platzieren und viele Fragen beantworten sich im voraus selbst. Damit verkürzt sich die anschliessende Diskussion wesentlich.
2. Bereiten Sie eine Rede anders vor
Halten Sie mehr Überzeugungsreden anstatt einfach zu informieren, Punkte zu präsentieren und zu begründen. Fragen Sie sich ganz zuerst: 'Was will ich verändern? Was sollen die Zuhörer anders machen als vorher? Was für eine Einstellungs- oder Verhaltensänderung will ich auslösen?'. Damit wird Ihre Rede spannender und Sie bewegen damit etwas. Möglicherweise provozieren Sie die ZuhörerInnen. Das schadet nichts, es bringt Leben und Bewegung in Ihr Team. Zugleich können Sie damit andere Meinungen früher gewinnen und vermeiden spätere Gegenreaktionen, die alles nur weiter verzögern würden.
3. Reden Sie frei
Auch bei komplexen Themen ist es wirkungsvoller, frei zu reden. Zahlen, Darstellungen und Begründungen können Sie schriftlich vorbereiten und im Voraus abgeben. Haben Sie keine Angst, dass die Teilnehmer in diesen Unterlagen blättern und Ihnen nicht zuhören. Wenn Sie frei reden, ist die Aufmerksam viel grösser und alle hören Ihnen gespannt zu, weil sich die ZuhörerInnen in Ihren 'Fabrikationsprozess' einbezogen fühlen. Machen Sie sich nichts aus etwelchen Versprechern oder Denkpausen, solche kleine rhetorische Fehlleistungen sind der Beweis, dass Sie Ihre Rede jetzt und hier frei halten. Das ist immer sehr spannend. Die Unterlagen können als Grundlage für die anschliessende Diskussion dienen.
4. Treten Sie öffentlich auf
Sie tragen als Chef die Verantwortung, Ihre Firma nach Aussen richtig darzustellen und zu repräsentieren. Schweigende Chefs leben gefährlich. Sie sind bald austauschbar, denn heute will man Chefs, die sich für ihr Unternehmen einsetzen und das nach Aussen auch zeigen. Kommunizieren Sie Ihre Ziele, Ihre Visionen und vertreten Sie Ihre Marke gegenüber der Öffentlichkeit. Der Chef wird immer mehr identifiziert mit der Firma, er ist die Firma.
5. Nehmen Sie Stellung
Wenn es Gründe dafür gibt, Stellung zu beziehen zu Vorgängen, die Ihre Firma betreffen, sind Sie als Chef gefordert. In letzter Zeit konnte man beobachten, dass sogar bei ganz gravierenden Vorfällen der Chef sich nicht gemeldet hat. Da wurden zwei Mitglieder des oberen Kaders von einem frustrierten Mitarbeiter erschossen und der Chef war unauffindbar. Der Kommunikationschef liess ausrichten, der Chef sei momentan nicht zu erreichen. So etwas ist ein Skandal, oder wird wenigstens als solcher empfunden. Sie als Chef sind verantwortlich für alles, was in Ihrem Unternehmen passiert, und müssen dafür immer auch sofort Stellung beziehen. Wenn nötig, können Sie sich jeweils vorher beraten lassen, aber es wird erwartet, dass Sie als Chef persönlich auftreten.
6. Sprechen Sie Gefühle aus
Wenn etwas weniger Angenehmes passiert ist, erwartet die Öffentlichkeit von Ihnen nicht nur eine rationale Stellungnahme, sondern möchte auch wissen, wie Sie sich persönlich dazu stellen. Dasselbe gilt auch für die Mitarbeitenden, wenn Sie z.B. unangenehme Beschlüsse fassen müssen. Da wäre angebracht, wenn man zusätzlich zu Ihren Begründungen etwa von Ihnen hören würde: 'Ich bin schockiert' oder 'Das bedaure ich sehr' oder etwa: 'das gibt mir persönlich zu denken'. Wenn Sie einen besonders positiven Bericht über erzielte Erfolge abgeben können, wäre angebracht, etwa anzufügen: 'Ich bin stolz auf unser Team' oder 'Das gibt mir ein gutes Gefühl' oder etwa: 'Das ist mir sehr wichtig'. Emotionale Intelligenz zeichnet sich auch dadurch aus, dass Sie als Chef auch Ihre eigenen Gefühle erkennen und jeweils aussprechen. Damit kommunizieren Sie zusätzlich auf der emotionalen Ebene und haben viel mehr Einfluss auf andere Menschen.
7. Bleiben Sie authentisch
Versuchen Sie niemals, andere zu imitieren oder ihre Art und Ausdrucksweise zu übernehmen, auch wenn diese noch so erfolgreich sind. Die Versuchung ist gross, Gepflogenheiten von Stars aufzunehmen. Das führt aber zu einer Verfremdung und Herabminderung Ihrer eigenen Persönlichkeit und kann sogar lächerlich wirken. Pflegen Sie Ihre eigene Persönlichkeitsmarke. Auch wenn Sie kein 'Showman' sind, können Sie auf eine einfache, schlichte Art eine sehr starke Wirkung erzielen. Natürlich bleiben heisst glaubwürdig sein. Sie sind am erfolgreichsten, wenn Sie authentisch bleiben, und zwar in jeder erdenklichen Situation."