"Unsere Agentur will nicht nur beraten, sondern vor allem auch umsetzen"

- Drei Alphatiere der Medienbranche gründen gemeinsam mit Maya Repele die Kommunikationsagentur G.M.R.Z.: Mit an Bord sind der frühere Cash- und AZ-Chefredaktor Markus Gisler (Bild), der ehemalige Bilanz-Chefredaktor Medard Meier sowie Andreas Z'Graggen, der bis vor Kurzem der Redaktion der Berner Zeitung vorstand. Im Interview mit "persoenlich.com" spricht Gisler über die Ziele der neuen Firma und sagt, weshalb er seinen Einstieg in die PR-Branche nicht als Ausstieg aus dem Journalisms versteht.

Herr Gisler, Sie gründen zusammen mit zwei weiteren ehemaligen Chefredaktoren eine PR-Agentur. Sind da Konflikte nicht vorprogrammiert?

Nein. Wir haben uns die Sache reiflich überlegt und sehen überhaupt kein Konfliktpotential. Wir mögen und ergänzen uns gut. Zudem haben wir in unserer Partnerin Maya Repele eine Top-Schiedsrichterin.

Wie kam es zur Gründung?

Wir sind schon länger miteinander befreundet. Medard Meier und Andreas Z’Graggen kennen sich von ihrer gemeinsamen Zeit bei der Bilanz. Und die Gründung besitzt insofern eine gewisse Logik, da Medard Meier und ich seit gut eineinhalb Jahren selbstständig in einem ähnlichen Bereich arbeiten. Uns erschien es spannend, unser Knowhow zu kombinieren, zumal Andreas Z’Graggen sein Arbeitsverhältnis bei der Berner Zeitung auf Ende Jahr hin beendet. Und Maya Repele, die von den AZ-Medien kommt und über einen MBA-Abschluss verfügt, hat ihr halbes Leben lang als Projektleiterin gewirkt. Unsere Agentur will also nicht nur beraten, sondern vor allem auch umsetzen.

Was heisst dies konkret?

Im Bereich Corporate Publishing besitzt Medard Meier schon seit Längerem einen Auftrag der IWC. Er verantwortet und produziert als Chefredaktor das Watch Magazin. Das heisst, das gesamte Heft steht unter seiner Verantwortung. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Firma arbeiten wird. So betreuen wir derzeit ein Beratungs- und Changemanagement-Projekt einer grösseren Verbandszeitung. Auch hier stehen wir nicht nur beratend bei, sondern betreuen die Zeitung abschliessend.

Ihre Initiale erscheint im Agenturnamen Gisler.Meier.Repele.Z'Graggen zuerst. Heisst dies auch, dass Sie die Leitung der Firma inne haben?

Nein, keineswegs, die Reihenfolge ist alphabetisch. Wir wollen auch keine Agentur gründen, bei der wir künftig zwanzig oder mehr Personen vorstehen. Es ist vielmehr unser Ziel, klein zu bleiben und als Netzwerk zu arbeiten.

Wird sich ihre Agentur auf das Publishing konzentrieren?

Nein, dies ist nur eines von insgesamt drei Standbeinen der Agentur. Daneben bieten wir auch Kommunikationsberatung im Highend-Segment und Relationship Management an. Wir alle können auf ein grosses Netzwerk zurückgreifen -- und das wollen wir nutzen.

Sie und Herr Z’Graggen besitzen bislang noch kaum Erfahrung in der PR-Branche. Befähigt die Karriere eines Journalisten zu einem Einstieg in die PR-Branche?

Selbstverständlich. Der Journalist verfügt über mehr Text-Erfahrung als der PR-Fachmann und weiss besser, wie ein Text geschrieben sein muss, damit die Medien auf eine PR-Mitteilung reagieren und sie ins Blatt aufnehmen. Das ist doch ein ausserordentlicher Vorteil. Die meisten grossen Namen der PR-Branche sind im Übrigen ursprünglich Journalisten: Denken Sie nur an Sacha Wigdorovits, Jörg Neef oder Alois Hirzel.

Was reizt Sie an der PR-Arbeit?

Ich persönlich werde nicht in erster Linie klassische PR-Arbeit verrichten, sondern mich vor allem aufs Schreiben konzentrieren. Für unsere Agentur gilt: Wir sind weniger an klassischer PR interessiert, sondern suchen grosse Projekte, die wir gemeinsam bestreiten können und die besondere Lösungen erfordern. Das alltägliche PR-Geschäft verstehen andere viel besser als wir.

Ist Ihr Einstieg in die PR-Branche zugleich als Abschied aus dem Journalismus zu verstehen?

Nein, eben nicht. Dazu bin ich einfach zu gerne Journalist. Alle meine Aufgaben in der Firma -- auch für die neue Agentur -- haben mit Journalismus zu tun, nicht aber mit PR.

Sie sind bekannt als einer, der die Wirtschaftswelt mit kritischem Blick verfolgt. Fällt es Ihnen nicht schwer, als Schreiber von Auftragstexten die Betrachtungsweise des Auftraggebers einnehmen zu müssen?

Nehmen wir das Beispiel der Verbandszeitung, die ich vorhin erwähnt habe: Meine Aufgabe ist eine ausschliesslich journalistische: Nämlich eine gute Zeitung zu produzieren. Es geht um die Auswahl der Inhalte, um die Gestaltung und die Art und Weise des Journalismus. Von meiner Arbeit bei Cash oder der Aargauer Zeitung unterscheidet sie sich nicht.

Mit der Agenturgründung wechseln sie die Seite, bleiben aber gleichzeitig Wirtschaftskolumnist. Geht das beides zusammen?

Mir ist diese Problematik bewusst. Um es hier klar zu sagen: Ich würde nie einen Auftrag annehmen, der in Konflikt mit meiner Tätigkeit als Kolumnist steht.

Abschlussfrage: Könnten Sie sich vorstellen, wieder als Chefredaktor einer Zeitung vorzustehen?

Man soll nie etwas ausschliessen. Aber wir haben uns nicht zufällig entschieden, eine Firma zu gründen. Der Aufbau der Agentur ist nun das Ziel. Wieder Chefredaktor zu werden, dagegen nicht.