"Vom Journalismus kann man nie genug haben"

- Interview mit Christoph Grenacher.

Christoph Grenacher wurde Anfang Februar als Chefredaktor des "SonntagsBlick" durch Marc Walder abgelöst. Man wollte für ihn bei Ringier neue Aufgaben finden. Doch nun hat sich Grenacher für den Schritt in die Selbständigkeit entschieden und gründet die Kommunikationsagentur mediaform. "Nun nutze ich andere Formen, Mittel und Wege, um Botschaften und Inhalte zu transportieren", erklärt er im Gespräch mit "persoenlich.com". Das Interview:

Christoph Grenacher, wann und wie ist der Entscheid gereift, eine eigene Kommunikationsagentur zu gründen?

Kommunikation interessiert mich – und zwar in allen Formen. Nach 30 Jahren Journalismus arbeite ich nun in einer anderen Formen des kommunikativen Dialogs. Und nach jahrzehntelangem Lohnbezug war der Schritt zur Ich-AG überfällig.

Hatten Sie nach ihrem wohl nicht ganz freiwilligen Abgang beim "SonntagsBlick" die Nase vom Journalismus voll?

Vom Journalismus kann man nie genug haben und Kommunikation hat ja auch mit Journalismus zu tun. Nun nutze ich andere Formen, Mittel und Wege, um Botschaften und Inhalte zu transportieren.

Das klingt sehr diplomatisch. Ist die Ablösung als SoBli-Chefredaktor an Ihnen wirklich so spurlos vorbeigegangen?

Ein Ende ist immer absehbar -- und bietet mit einer einzigen Ausnahme immer die Chance zu einem Neubeginn. Ich habe 30 Jahre lang intensiv, gerne und erfolgreich für Medienhäuser gearbeitet. Jetzt starte ich als Selbständiger zu einer neuen Reise, auf die ich mich freue.

Als Ringier Sie durch Marc Walder ersetzte, hiess es, Sie würden innerhalb des Medienhauses neue publizistische Aufgaben übernehmen. Eine leere Versprechung?

Bei Trennungen ist es üblich, dass man zuerst noch nach Möglichkeiten für eine weitere Zusammenarbeit sucht. Es ist aber immer einfacher den roten Teppich auszurollen, als ihn nachher wieder einzurollen.

Hat es Sie damals überrascht, dass Ringier Sie nicht mehr als Chefredaktor wollte?

Nein, das nicht. Während meiner Zeit beim "SonntagsBlick" konnte ich eine gute Mannschaft aufbauen, inhaltlich mit Journalismus punkten -- und der Titel hat sich nach sinkenden Leserzahlen stabilisiert. Wer im Mediengeschäft tätig ist, weiss, wie es laufen kann. Es ist legitim, dass ein Verlag versucht, eine Zeitung mit neuen Kräften einen weiteren Schritt nach vorne zu bringen. Das muss nicht heissen, dass man vorher den Job schlecht gemacht hat.

Sie nehmen Ihre neue Beratertätigkeit anfangs 2008 in Zürich auf. Gehen Sie als Ein-Mann-Unternehmen an den Start?

Beim Start werde ich mein einziger Mitarbeiter sein. Ich kann aber auf ein Netzwerk von vielen guten Leuten zurückgreifen. Zurzeit bin ich noch auf der Suche nach Büroräumlichkeiten in Zürich.

Wurden Sie schon mit Mandaten betraut?

Ja, das ist bereits einiges am Laufen. Ich biete eine breite Palette von Dienstleistungen an, und derzeit bin ich primär in drei Geschäftsfeldern aktiv: Im Bereich der PR und der klassischen Werbung arbeite ich aktuell für ein Konsumgüterunternehmen, im Bereich der internen und externen Kommunikation erarbeite ich für mehrere Firmen und Organisationen Kommunikationsstrategien, Umsetzungsmassnahmen und Krisenkommunikationsszenarien. Schliesslich bin ich noch im Medienbereich tätig, bei der Kreation, Konzeption und Realisierung neuer Print-Produkte und crossmedialer Objekte einerseits und dem Redaktionscoaching und Redaktionsmanagement für diverse Unternehmen anderseits.

Was müsste man Ihnen anbieten, dass Sie wieder auf die Journalistenseite wechseln würden?

Im Moment ist das, was ich nun mache extrem faszinierend und herausfordernd -- und ich wüsste nicht, was mich mehr locken könnte. Ich durfte in den Medien viel lernen, extrem viel erleben, -- aber jetzt schätze ich es, mit verschiedensten Teams zusammen zu arbeiten, nach Beendigung eines Projekts wieder loslassen zu können und mich neuen Dingen zuzuwenden.

(Interview: Stefan Wyss)