Herr Weber, herzliche Gratulation! Mit 35 Jahren als CEO eine 50-köpfige Agentur führen zu können (persoenlich.com berichtete): Geht damit ein Traum in Erfüllung oder was bedeutet dieser Schritt für Sie?
Mattias Weber: Vielen Dank. Es ist eine grosse Verantwortung die man übernimmt und ich fühle mich selbstverständlich geehrt, dass man mir dieses Vertrauen ausgesprochen hat. Ich freue mich darauf, Teil eines tollen Teams zu sein und einen Beitrag zum weiteren Erfolg des Unternehmens leisten zu dürfen.
Wie kam es dazu?
Weber: Nach meinem Weggang vor fünf Jahren von Nose blieben Walter und ich im Kontakt. Wir haben uns immer wieder über die Zukunft unserer Branche unterhalten darüber diskutiert, wie die Branding-Agentur von morgen aussehen muss. Als Walter auf mich zukam, sah ich eine grosse Chance darin, die grösste Markenagentur der Schweiz in die nächste Generation zu führen und nachhaltig aufzustellen. Die breite intedisziplinäre Aufstellung von Nose, verbunden mit der Absicht, den Fokus auf die strategische Beratung von Marken zu legen, gaben den Ausschlag.
Warum haben Sie sich für Mattias Weber entschieden?
Stulzer: Nach seinem Weggang bei Nose hat Mattias auf beeindruckende Art und Weise aus der damaligen regionalen Corporate-Design-Agentur Hotz&Hotz einen Player gemacht, der als Markenagentur ernst genommen wird. Jetzt spielt Hotz in der obersten Liga der sechs oder sieben führenden Schweizer Markenagenturen. Mattias’ Leistung hat uns enorm beeindruckt. Einen solchen Mann wollen wir nun bei uns haben.
Sie, Herr Stulzer, haben kürzlich auf Ihrem Blog über das Arbeitsverständnis der "Millenials" geschrieben. Nun stellen Sie einen Vertreter dieser Kohorte als CEO ein. Sie glauben also an die Fähigkeiten dieser Generation?
Stulzer: Ja, absolut! Wir brauchen neue Leute, die alles noch integraler betrachten und auch die richtigen Mitarbeiter anziehen. Wir können unsere langfristige Strategie nur glaubwürdig vermitteln und umsetzen, wenn wir uns auch auf der Führungsebene zukunftsfähig aufstellen.
Als "Millenial" müsste Ihnen, Herr Weber, dieser CEO-Job bei Nose besonders sinnvoll erscheinen...
Weber: Das ist absolut der Fall. Marken sind die stärksten kommerziellen und kulturellen Kräfte unserer Zeit. In einer Welt der ständigen Veränderung müssen Unternehmen vor allem von Innen heraus wachsen und sich entwickeln. Sie müssen ihren eigenen Weg gehen, um das angelegte Potential zu schöpfen, eine starke Kultur aufzubauen und Menschen an sich zu binden. Die Marke ebnet dazu den Weg. An diesen Themen zu arbeiten, ist enorm sinnstiftend.
Und wie wollen Sie eine ausgeglichene Work-Life-Balance erhalten?
Weber: Ich halte wenig von diesem Begriff, da er eine Trennung zwischen Arbeit und Leben impliziert. Grundsätzlich haben wir ein Leben, in welchem die Arbeit neben anderen Aspekten ein wichtiges Element ist. Die Möglichkeit sein eigenes Talent und Aspiration einzubringen und etwas aufzubauen, ist für mich eine sehr erfüllende Aufgabe.
Herr Weber, was wollen Sie denn zu Stande bringen, was Walter Stulzer nicht schaffte?
Weber: Nose hat dadurch, wie sie derzeit aufgestellt ist, die exzellente Ausgangslage den Weg als eine der führenden Schweizer Markenagenturen weiterzugehen, - in der Schweiz aber auch im näheren Ausland. Mein Fokus wird dabei sein, die Agentur mehr auf strategische Themen auszurichten in dem wir Unternehmen helfen wollen, neues Geschäft und Kompetenzen aufzubauen, innovativer zu werden, Kultur zu verändern oder nachhaltig zu wachsen.
Wie positioniert sich Nose künftig?
Weber: Unternehmen sind heute unter enormen Druck: Preis- und Effizienzdruck, globaler Wettbewerb, Veränderung von Geschäftsmodellen durch die Digitalisierung oder Mangel an spezialisierten Arbeitskräften sind nur einige Schlagworte. Das hat einen ständigen Veränderungsdruck zu Folge. Die Klarheit über die eigene Identität und dem Versprechen am Markt wird dabei immer geringer. Austauschbare Marken ohne Relevanz in vielen Branchen zeugen davon.
Wir glauben daran, dass Unternehmen künftig einen Partner suchen, der sie in diesen Themen unterstützt – mit ganzheitlichen Lösungen die das Geschäft voranbringen und vom Kunden verstanden werden. Dazu muss Businessverständnis, Organisationsentwicklung, Produktentwicklung und die Kommunikation zu ganzheitlichen Lösungen verbunden werden. Ein solcher Partner möchte Nose künftig als strategische Markenagentur sein.
Stulzer: Wir versuchen deshalb, alle Berührungspunkte, die ein Kunde mit einer Marke hat – seien es nun die Produkte, die digitalen Kanäle, Mitarbeitende, ein Verkaufsraum oder ein Stand an einer Messe – zu orchestrieren. Wenn die SBB zum Beispiel für 980 Millionen Franken einen neuen Zug kauft, bedeutet dies 1,5 Milliarden Stunden Markenerlebnis für die Kunden. Diese Zeit ist relevant, denn so lange sitzen die SBB-Kunden im Wagen und erleben "unterwegs zuhause" oder nicht. Hier wird Marke produziert. Während Werbeagenturen erzählen, was eine Marke macht, setzen wir an denjenigen Punkten an, wo eine Marke gemacht wird. Hierbei sind wir die einzigen, die diese Disziplinen inhouse vorhanden haben, im Gegensatz zu vielen anderen Markenagenturen, die mit externen Spezialisten zusammenarbeiten.
Welche Spezialisten beschäftigen Sie inhouse?
Stulzer: Bei uns sitzen nicht nur Strategie-Berater, Texter und Designer sondern auch Interaction Designer, Innenarchitekten, Produktedesigner oder Kommunikationgestalter. Wir sind in der Lage, auf allen Touch Points eine stimmige Geschichte zu kreieren. So erzählt das Produktedesign dann eben die genau gleiche Geschichte, wie ein Mitarbeiter im Verkaufslokal oder auf der Unternehmenswebseite.
Weber: Künftig werden wir zusätzlich vermehrt Experten aus Bereichen wie Data-Analytics, Organisationsentwicklung, Psychologie und Innovationsberatung beschäftigten, damit wir die Komplexität der heutigen Unternehmen ganzheitlich abbilden können.
Rahmenbedingungen lassen sich oftmals schwer ändern. Wenn ein Unternehmen viele langjährige, erfahrene Mitarbeiter hat, ist es unmöglich, die Marke als jung und innovativ erscheinen zu lassen.
Stulzer: Genau deshalb sollte man als Agentur die Positionierung zusammen mit dem Unternehmen aus der Strategie und den unternehmerischen Möglichkeiten heraus entwickeln und nicht nur auf die Mitbewerber und die oft kurzsichtigen Kunden schielen. Swiss ist ein gutes Beispiel: Eigentlich kann sich der heutige Durchschnittsfluggast den Luxus, den er beim Flug erwartet, gar nie leisten. Und Swiss, die ohne Querfinanzierung am Markt bestehen muss, kann diesen auch nicht kostendeckend produzieren. Die Marke zu positionieren und zu führen heisst deshalb einen Qualitätsbegriff zu etablieren, der sich aus der Schweizer Herkunft und der überschaubaren Grösse heraus begründet und sich nicht am nahen oder fernen Osten orientiert.
Sie wollen im Ausland noch intensiver tätig sein. Was heisst das?
Weber: Wir haben zwar viele Projekte im Ausland – etwa weil wir Arbeiten für Lufthansa, Mercedes oder General Motors weltweit begleiten. Doch wir betreuen diese Unternehmen noch nicht umfassend als gesamte Marke. Unser Ziel ist es, nicht nur Schweizer Marken in der Schweiz zu betreuen, sondern dies auch in Österreich und Deutschland zu tun.
Interview: Edith Hollenstein, Bilder: zVg