Das Image der Schweiz im Ausland ist seit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative angekratzt: Erste Firmen erwägen Stellen ins Ausland zu verlegen und schieben Investitionen auf, viele Ausländer fühlen sich nicht mehr willkommen. Wie kann man für das Ja-Votum Verständnis schaffen im Ausland? Zuständig für die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland ist "Präsenz Schweiz". Die Organisation setzt die Strategie des Bundesrates für die Landeskommunikation der Schweiz um. Was unternimmt man hier, um das Image der Schweiz zu pflegen? persoenlich.com hat "Präsenz Schweiz"-Chef Nicolas Bideau, der zurzeit in Sotschi weilt, nach seiner Einschätzung gefragt:
Nach dem Abstimmungswochenende vom 9. Februar, was denken Sie: Inwiefern schadet das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative der Marke Schweiz?
Die Annahme der "Masseneinwanderungsinitiative" führte zu einem grossen Medienecho im Ausland. Dabei gab es sowohl sachbezogene Analysen als auch verschiedene kritisch-kommentierende Artikel. Ob und wie das Image der Schweiz durch das Abstimmungsresultat längerfristig tangiert wird, kann zurzeit nicht abgeschätzt werden.
Gegenüber der NZZ sagten Sie, dass Präsenz Schweiz in der Art und Weise der Landeswerbung keine Anpassungen vornehmen wird. Wäre eine proaktive Kommunikation nicht gerade jetzt, wo der Schweiz Abschottung vorgeworfen wird, von Vorteil? Gemäss der vom Bundesrat verabschiedeten Strategie der Landeskommunikation 2012 - 2015 wird ein differenziertes Bild der Schweiz und ihrer Stärken aufgezeigt - hinsichtlich traditionellen Produkten und innovativen Errungenschaften - wie zurzeit im House of Switzerland in Sotschi. Dazu gehören auch Veranstaltungen zum politischen System der Schweiz oder die Beziehungspflege zu den Nachbarländern und zur EU. Mit der Vermittlung dieses gesamtheitlichen Bildes kann das traditionell gute Image unseres Landes am effizientesten unterstützt und gepflegt werden.
Deutschland dürfte eines der Länder sein, die derzeit in Ihrem Hauptfokus liegen. Inwiefern ist Präsenz Schweiz dort aktiv?
Die Schweizer Vertretungen in Deutschland sind für die Massnahmen der Landeskommunikation vor Ort zuständig und werden dabei von Präsenz Schweiz unterstützt. In ihren Aktionen und Veranstaltungen richten auch sie sich nach der Strategie der Landeskommunikation und zeigen Schweizer Stärken wie zum Beispiel ihre Innovationskapazität auf. So wurde etwa für die Mitglieder des Ausschusses für Verkehr und Infrastruktur des Landtags Baden-Württemberg eine Informationsreise zum Thema Verkehr mit Besichtigung der NEAT-Baustelle durchgeführt.
Kritisiert wird auch, dass vor allem Befürworter der SVP-Initiative in deutschen Talkshows auftreten. Inwiefern nimmt Präsenz Schweiz Einfluss darauf, welche Personen in solchen Shows auftreten?
Präsenz Schweiz nimmt keinen Einfluss auf den Auftritt von Privatpersonen oder Politikern in ausländischen Talkshows.
Aber wäre es in der jetzigen Situation nicht nötig, dafür zu sorgen, dass Bundesräte oder Botschafter in den ausländischen Leitmedien auftreten und in Interviews für Verständnis sorgen?
Bundesrat und Botschafter sind auf dem diplomatischen Parkett aktiv. So sind in nächster Zeit Besuche des Bundesrates in den europäischen Hauptstädten und ein Besuch von Staatssekretär Yves Rossier in Brüssel vorgesehen.
Fragen: Seraina Etter, Bild: Keystone/Laurent Gillieron