Frau Hardegger-Wickli, Sie beschäftigen über 20 Redaktorinnen als Freelancerinnen, ausschliesslich Frauen. Welchen Vorteil hat das?
Die Freelancerinnen oder die Frauen? Dank den Freelancerinnen können wir die Arbeitsmenge optimal steuern. Und nur mit Frauen zusammenzuarbeiten, ist keine Frage des Vor- oder Nachteils. Wir wollen den Frauen einen Vorteil bieten: Sie sollen Familie und Job kombinieren können.
Texten Frauen anders als Männer?
Diese Frage stellte sich uns nie. Dass wir uns für die Frauen entschieden, hat nichts mit dem Schreibstil, sondern mit meiner Vorgeschichte und dem Engagement zu tun.
Werden Männer strikte abgewiesen. Oder melden sich männliche Bewerber gar nicht erst?
Dass wir uns richtig verstehen: etextera ist weder männerfeindlich noch ein Emanzenclub. Wir versuchen, unsere Philosophie so konsequent wie möglich umzusetzen. Das heisst: Frauen schreiben für unsere Kunden. Sollte sich dennoch mal ein "Männerthema" anbieten: da lässt sich bestimmt ein Redaktor ausfindig machen (lacht).
Obwohl die Journalismus- und Kommunikationsbranche generell für flexible Arbeitszeitmodelle bekannt ist, konnten Sie Ihren früheren Job (als Marketing- und Kommunikationsmanagerin) nicht mit Familie verbinden. Warum?
Job und Familie sind grundsätzlich zu vereinbaren wenn man einen entsprechenden Aufwand betreibt. Bei mir war dieser Aufwand ziemlich gross, habe ich doch zwischen 60 und 70 Prozent phasenweise sogar mehr gearbeitet. Als meine beiden Kinder schlussendlich in den Kindergarten und die in Schule kamen, wurde die Logistik noch komplizierter: Kinder bereit machen und abliefern und dann ins Geschäft hetzen. Dasselbe Spiel am Abend. Lief ein Zahnrädchen aus dem Takt sprich: wurden ein Kind oder die Grossmutter krank oder der Stundenplan geändert brach die ganze Logistik zusammen. Gespräche mit anderen Müttern zeigten mir: So ergeht es vielen Frauen. Daraus ist etextera entstanden: Wir wollen gut qualifizierten Frauen eine Arbeit bieten, die sie von zu Hause aus erledigen und so Job und Familie vereinbaren können.
Sie haben zwei Kinder im Alter von 6 und 10 Jahren. Mit einem eigenen Geschäft wurde der Aufwand nicht geringer, oder doch?
Jein. Ich habe heute viel weniger Aufwand, was die Logistik rund um die Kinder und den Job angeht. Dafür arbeite ich eher mehr. Aber anders und zu anderen Zeiten. Ich bin flexibler muss auch flexibler sein. Aber das stört mich nicht, ganz im Gegenteil. Und zufriedener bin ich erst noch.
Sie versuchten, in einem bereits sehr gut besetzten Markt mit vielen kleinen Unternehmen Fuss zu fassen. Wie erlebten Sie das erste Jahr nach der Gründung?
Mehr als positiv. etextera ist sehr gut gestartet und dies zu Beginn sogar ohne Werbung. Unsere Geschäftsidee kam sehr gut an. Schnell gewannen wir namhafte Firmen als Kunden. Das ist auch für die Zukunft hilfreich.
Wie konnten Sie das nötige Kapital beschaffen?
Wir hatten das Glück, dass wir ohne grosse Investitionen starten konnten. Die Infrastruktur war mehrheitlich vorhanden. Nachdem wir gleich zu Beginn grosse Aufträge erhielten, generierten wir daraus wieder Mittel für neue Investitionen und Werbung.
Gute Qualität zu bieten, behaupten alle. Was macht Texte aus Ihrer Agentur speziell?
Alle unsere Texte sind von Frauenhand geschrieben. Das ist keine stilistische, sondern eine ideelle Geschichte. Denn etextera engagiert sich dafür, dass Frauen einen anspruchsvollen Job sowie die Familie unter einen Hut bringen. Dieses Konzept kommt übrigens nicht nur bei Frauen gut an und ist für diverse Kunden ein PR-Faktor. Und: etextera ist mehr als eine Textagentur. Wir gehen genau auf die Bedürfnisse des Kunden ein, die oftmals über den Text hinausgehen. So übernimmt etextera auch vollständige oder partielle Kommunikationsprojekte.
"Vollständige oder partielle Kommunikationsprojekte", sagen Sie. Können Sie hier ein Beispiel geben?
Ja. Unser Angebot ist immer auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt. So erarbeiteten wir beispielsweise für das Start-up-Unternehmen SkateRun zusammen mit dessen Geschäftsleitung von der Kommunikationsstrategie bis hin zu den einzelnen Massnahmen alles. Im Rahmen eines anderen Auftrags übernahmen wir für eine Broschüre der BLS Konzeption und Text. Übersetzung, Layout, Korrektorat und Druck geschahen BLS-intern oder koordinierte das Unternehmen selber.
Welche Massnahmen ergriffen Sie, um auf sich aufmerksam zu machen?
Selbstverständlich bin ich nicht darum herum gekommen, ein Kommunikationskonzept zu verfassen und mir genau zu überlegen, wer meine Zielgruppe ist und wie ich diese am besten anspreche. Dabei spielen Business-Netzwerke eine wichtige Rolle. Und was nicht zu unterschätzen ist: das grosse Kontaktnetz meines Mannes, der in der Kommunikation arbeitet und somit viele potenzielle Kunden kennt.
Wo sehen Sie extetera in fünf Jahren?
Unser Ziel ist es, mit etextera in den deutschsprachigen Ländern vertreten zu sein, in der Schweiz haben wir bis dahin die Marktführerschaft. Dies umzusetzen scheint in fünf Jahren realistisch.
Wollen Sie etextera auch weiterführen, wenn Ihre Kinder nicht mehr so viel Betreuung brauchen oder wollen Sie später Ihre Karriere bei einem anderen Unternehmen fortsetzen?
Wieder angestellt zu sein, kann ich mir momentan nicht vorstellen. Wir sind überzeugt, dass wir mit etextera auf der richtigen Schiene fahren. Deshalb sehe ich keinen Grund, wieder eine Stelle zu suchen.