"Wir wollen in Zukunft mehr Flagge zeigen"

PR Suisse - Peter Eberhard, der neue Präsident von PR Suisse, im Interview.

Peter Eberhard ist neuer Präsident von PR Suisse (persoenlich.com berichtet). Mit neuen Ideen und Engagement will er den Verband nach einem schwierigen Jahr wieder nach vorne bringen. Hauptberuflich betreibt er eine PR-Agentur in Oetwil am See. persoenlich.com hat sich mit Eberhard im Anschluss an seine Wahl ins neue Amt unterhalten.
 
Herr Eberhard, herzliche Gratulation zu Ihrer Wahl als Präsident von PR Suisse. Dieser Posten war im letzten Jahr vakant. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?
pr suisse mit seinen über 1600 Mitgliedern ist die einzige gesamtschweizerische Dachorganisation der PR-Branche. Sie erstreckt sich über das ganze Land mit sieben Regionalgesellschaften, die vor Ort verankert sind und ihren Mitgliedern ein attraktives Jahresprogramm bieten. Als einzige Branchenorganisation umfassen wir sowohl Vertreter von Agenturen als auch von Unternehmen und Organisationen. Damit dürfen wir für uns den Status eines gesamtschweizerisch legitimierten, repräsentativen Sprechers und Interessenvertreters der gesamten PR-Branche in Anspruch nehmen. Und mit dem jetzigen Schulterschluss mit dem SPRI hat sich unsere Position mit Blick auf Aus- und Weiterbildungsfragen nochmals verstärkt. Ich finde es attraktiv, beide Organisationen als Präsident vertreten zu dürfen.
 
Was sind die Ziele von PR Suisse?
Ich will jetzt nicht die Statuten herunterrasseln, möchte aber daraus zwei für mich wichtige Punkte hervorheben: die Unterstützung einer qualitativ einwandfreien Aus- und Weiterbildung und die Förderung der Wahrnehmung und Akzeptanz der Public Relations. Damit sind wir auch gleich bei der Doppelfunktion eines Branchenverbands. Zum einen gilt es, für die Mitglieder direkt nachvollziehbare Leistungen mit einem klaren Nutzen zu erbringen, eben zum Beispiel in der Weiterbildung (SPRI-Lehrgänge, Tätigkeit der Prüfungskommission). Hier haben wir gewisse weitere Ideen, die wir in den nächsten Monaten konkretisieren wollen. Der zweite Leistungsbereich, also die Förderung der Wahrnehmung und Akzeptanz der Public Relations, ist naturgemäss schwieriger zu vermitteln, da der Nutzen nicht unmittelbar gemessen werden kann. Ich persönlich halte diesen Aspekt aber für mindestens so wichtig. Auch hier werden wir versuchen, in Zukunft mehr Flagge zu zeigen, sei dies publizistisch, im Rahmen von Veranstaltungen und generell im Gespräch mit den für die PR relevanten gesellschaftlichen Gruppen.
 
Auch das SPRI soll reaktiviert werden. Wo legen Sie die Schwerpunkte?
Das SPRI war zu keinem Zeitpunkt inaktiv. Obwohl der eigene operative Schulbetrieb geschlossen wurde, sind sämtliche SPRI-Lehrgänge dank unseren Partnerschaften mit der KV-Bildungsgruppe Schweiz, der HWZ, HEG Fribourg und SEC Lausanne nahtlos weitergeführt worden. Auch unsere populäre Stellenbörse – die einzige Plattform, die exklusiv PR- und Kommunikationsjobs vermittelt – wird weiterhin erfolgreich betrieben. Grundsätzlich sehe ich pr suisse als operativen Teil und das SPRI als unseren ideellen "Tresor" für Aus- und Weiterbildungsfragen, dessen Knowhow wir unseren Partnern zur Verfügung stellen. Viele Organisationen sind so aufgestellt, dass sie nebst der operativen Einheit das materielle und geistige Eigentum in einer separaten Organisation, vorzugsweise einer Stiftung, ansiedeln. Deshalb ist unsere neue Organisation, zumal in Personalunion besetzt, durchaus zeitgemäss.

Welchen Stellenwert hat das SPRI momentan noch?
Wir dürfen feststellen, dass das Qualitätslabel SPRI geschätzt wird. So wird beispielsweise die KV-Gruppe das Angebot unsere eidgenössischen Lehrgänge PR-Berater, PR-Fachleute und PR-Praktiker im Rahmen ihres schulischen Netzwerks demnächst auf weitere Kantone ausdehnen und das auch gezielt bewerben. Darüber hinaus werden wir das Gespräch mit allen Bildungspartnern aktiv pflegen. Dabei sind wir uns bewusst, dass die Weiterbildungslandschaft – nicht nur in den PR – vor grossen Herausforderungen steht. Die Tendenz zu kürzeren bzw. akademischer orientierten Lehrgängen ist unübersehbar. Da müssen Lösungen gefunden werden, damit qualitativ hochstehende Lehrgänge wie etwa der PR-Berater des SPRI wettbewerbsfähig bleiben.
 
Wie schätzen Sie die Situation der PR-Agenturen in der Schweiz ein?
Das hängt neben allgemeinen Markttrends von der Orientierung der einzelnen Agenturen nach Spezialdisziplinen und Branchen ab. Eine allgemeine Tendenz scheint die Zunahme des Projektgeschäfts zulasten der dauerhaften Basismandate zu sein. Darauf hat soeben der BPRA in der Kommentierung der Jahresstatistik 2012 seiner Mitglieder hingewiesen. Ich interpretiere das auch so, dass die Kommunikationsabteilungen auf Kundenseite in den letzten Jahren personell und vor allem auch hinsichtlich Kompetenz aufgerüstet haben. Da müssen die Agenturen Schritt halten, wenn sie für strategische Beratung beigezogen werden wollen. Ein weiterer Trend deutet auf einen wachsenden Stellenwert der digitalen Kommunikation bzw. der Social Media hin. Ich erlaube mir hier allerdings die Bemerkung, dass es letztlich immer um glaubwürdige Inhalte und nicht um technische Instrumente geht. Die Diskussion um diese neuen Tools kommt mir manchmal etwas nebengleisig vor, aber vielleicht ist das ja auch eine Generationenfrage. Wie auch immer: Über alles hinweg gesehen gehe ich davon aus, dass sich Unternehmen und Organisationen der Bedeutung einer professionellen Kommunikation immer mehr bewusst werden. Denn die Realität in Wirtschaft und Gesellschaft zeigt ihnen vor, wie schnell man Vertrauen verlieren und was das kosten kann. Von daher bin ich für das Agenturgeschäft insgesamt und langfristig optimistisch gestimmt.
 
Wo sehen Sie Verbesserungspotential?
Man kann und muss immer besser werden (wollen), aber lassen wir die Gemeinplätze. Ob Agentur oder "integriert": Wenn man jenseits der Werkbank-Jobs mit Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat einen Dialog auf Augenhöhe will, und das muss doch ein Anliegen unseres Berufsstands sein, dann müssen wir auch die Voraussetzungen dafür mitbringen. Und da ist die beste Basis immer noch eine gute Erstausbildung, die einen befähigt, die Gesamtzusammenhänge in Wirtschaft und Gesellschaft zu analysieren und daraus die richtigen Schlussfolgerungen für die Kommunikation zu ziehen. In der anschliessenden Kommunikations-Weiterbildung geht es um die fachspezifische Vertiefung und das Erlernen des Handwerks. Wobei dies letztlich wie bei einer klassischen Berufslehre am besten halt immer noch in der Praxis auf der Agentur oder im Unternehmen geschieht. Je nach Ziel und Ausbildungsstand des Weiterzubildenden haben längere, tiefer schürfende Lehrgänge neben Kurzlehrgängen zu Spezialfragen ihre Berechtigung. 
 
Innerhalb von PR Suisse haben die Regionalverbände ein starkes Gewicht. Wie bringen Sie diese alle unter einen Hut?
Die Arbeitsteilung ist im Grundsatz klar. Die sieben Regionalgesellschaften pflegen in ihrem Einzugsgebiet ein lokal abgestütztes Eigenleben und bieten ihren Mitgliedern attraktive Jahresprogramme samt den damit verbundenen persönlichen  Kontaktmöglichkeiten an. Es wäre völlig verkehrt, an dieser Basisorientierung etwas ändern zu wollen. Die Aufgabe von PR Suisse als landesweite Klammer ist die übergeordnete Aus- und Weiterbildung und die Vertretung in Fragen, welche die gesamte Branche angehen. 

Wie sind die Regionalgesellschaften im Dachverband vertreten?
 Alle Regionalgesellschaften sind zwingend im Vorstand von pr suisse vertreten. Da wird auch mal klar und deutlich diskutiert. Aber so, wie ich meine künftigen Kolleginnen und Kollegen in den letzten – und ich kann Ihnen sagen intensiven – Wochen erlebt habe, mache ich mir keine Sorgen. Wir werden im Interesse der gemeinsamen Sache stets zu einem Entscheid kommen, den alle gemeinsam mittragen.

Was ist Ihre erste Amtshandlung?
Die hat bereits stattgefunden. Am Schluss der gestrigen Generalversammlung, also nach meiner Wahl, habe ich einen Ausblick zu unseren Absichten und Plänen gegeben. Jetzt geht es darum, in den kommenden Monaten den Tatbeweis anzutreten. Nicht mit einem Big Bang, sondern mit seriöser, kontinuierlicher Arbeit, von der ich mir wünsche, dass die Mitglieder sagen: Gut, gibt es PR Suisse. 

Interview: Matthias Ackeret