19.10.2009

Mit dem Bley-Hammer

«Eine grosse Zeitung braucht ein grosses Format», predigte der deutsche Pressezar Axel Springer. Nimmt man dieses Axiom als Leitmaxime, so hat sich der «Blick» im Tabloidformat während der letzten fünf Jahre selbst amputiert. Das Resultat: seit 2004 rund 60000 Leser weniger und ein Einbruch des Inseratevolumens um fast die Hälfte. Doch damit soll jetzt Schluss sein: exakt zu seinem 50. Geburtstag präsentiert sich der «Blick» in alter Grösse und nach der Devise «Vorwärts in die Vergangenheit». Mit dem Grosse-Bley-Hammer und einer Sensibilität, die das Minarett-Inserat fast schon als idyllisch erscheinen lässt, will man alte Leserschichten zurückgewinnen. Kann dies gut gehen? Vielleicht ja. Schlussendlich – so hat man an der Dufourstrasse in Zürich erkannt – ist es die letzte und auch einzige Überlebensstrategie, folgt doch der Boulevard ausschliesslich der normativen Kraft der drei B: Busen, Blut und Büsi. Das ist das eine. Blättert man den neuen «Blick» durch, so besticht er durch ein weiches Layout, das mehr an die Gratispostille eines Grossdetaillisten als an die «Bild-Zeitung», die Mutter aller Boulevardblätter, erinnert. Die Vorgabe «knallharter Kern in weicher Schale» als neues Erfolgsrezept? Möglicherweise ja, gelten die Schweizer doch als viel harmoniesüchtiger als ihre deutschen Nachbarn. Symptomatisch die Reaktion des deutschen Ad-interim-Chefredaktors Ralph Grosse-Bley, wonach es nicht sein könne, dass die Schweizer Gesellschaft ausschliesslich aus ehemaligen Missen bestehe. Auch richtig. Doch zur Schweizer Boulevardrealität gehören noch zwei weitere B, auf die man aus Ringierinternen Gründen verzichtet hat: Borer und Blocher. Sollten die Zahlen trotz allem weiter sinken, gäbe es noch ein letztes B: Bingo!


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