16.08.2012

Erfolgreiche Frauen

Cornelia Harder

Cornelia Harder über Bauchgefühl, Niederlagen und Risiko.
Erfolgreiche Frauen: Cornelia Harder

Frau Harder, was beschäftigt Sie im Moment?

Heute beschäftigt mich, was mich eigentlich jeden Tag beschäftigt: das Kundenbusiness. Das Spannende an meinem Job ist, dass ich für viele attraktive Kunden und deren Marken täglich neue Aufgaben in der Kommunikation lösen darf. Kein Tag gleicht dem anderen und es wird nie langweilig. Zudem freuen wir uns, dass wir in den letzten zwei Monaten mehrere neue Kunden gewonnen haben und derzeit auch an einigen Pitches beteiligt sind. Wir sind gut unterwegs, spüren einen starken Schub nach vorne.

Sie haben in Cannes zwei Löwen abgeräumt. Haben Sie damit gerechnet?

Es hat sich abgezeichnet, da die Arbeiten bereits bei verschiedenen anderen internationalen Awards ausgezeichnet worden sind. Wirklich damit gerechnet haben wir aber trotzdem nicht. Dementsprechend war die Freude über die Löwen sehr gross.

Waren Sie bei der Verleihung vor Ort?

Nein. Wir sind bescheiden zuhause geblieben. Wir haben keine Zeit, uns eine Woche in Cannes gemütlich an die Sonne zu legen (lacht).

Bis jetzt wurde Draftfcb/Lowe nicht unbedingt als Kreativagentur wahrgenommen. Wird sich dies nun ändern?

Das hat sich im letzten Halbjahr schon geändert. Unser erklärtes Ziel ist es, im Kreativranking zu den führenden Agenturen zu gehören. Im Herbst haben wir Dennis Lück als neuen Creative Director engagiert. Seither können wir die Kreativität und das Tempo an den Tag legen, das ich mir wünsche. Wir haben in der Schweiz sowie International bereits gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich bin überzeugt, dass wir noch grosse Sprünge nach vorne machen werden.

Was ist Ihr persönlicher Zugang zur Kreativität?

Kreativität ist unsere Source of Business. Ohne kreative Ideen, kein kommerzieller Erfolg. Obwohl ich mit betriebswirtschaftlichem Background die Verantwortung für die Agentur habe, bin ich sehr oft Sparringpartner für den Creative Director.

Kürzlich haben Sie die Kreation zusätzlich mit 3 Personen verstärkt. Es scheint Ihnen ernst zu sein…

Ja. Wir setzen auf die Konstellation von frischen und hungrigen Talenten, die keine Trennung zwischen On- und Offline macht. Deshalb haben wir in letzter Zeit einige junge Leute aus dem In- und Ausland mit unterschiedlichster Ausbildung an Bord geholt. Ich lege Wert darauf, dass das Team multikulturell und "open minded“ ist, dass wir "Diversity“ tatsächlich aktiv in unserer täglichen Arbeit leben und somit viel überraschendere Lösungen anbieten können. Ebenfalls wichtig ist die Zusammenarbeit mit unserem weltweiten Netzwerk; momentan arbeiten wir beispielsweise an einem Projekt gemeinsam mit unseren spanischen Kollegen aus Madrid..

Auf was achten Sie, wenn Sie ein Vorstellungsgespräch führen?

Klar setze ich Eignung und Professionalität voraus. Dazu braucht es aber keinen Muster-CV. Ich wähle meine Mitarbeitenden nicht nach einem engen Kandidaten-Profil aus. Viel wichtiger ist mir, dass jemand bezüglich Speed und Spirit zu uns passt. Ich muss Neugierde, Biss und Freude spüren. Zudem müssen verschiedene Personen in einem Team menschlich gut zusammenpassen. Eine gute Chemie untereinander und gegenseitiges Vertrauen sind der beste Nährboden für kreative Höhenflüge.

Haben Sie ein gutes Bauchgefühl?

Ja, ich denke schon. Das hat auch sehr viel mit Erfahrung zu tun. Ich habe schon so viele Vorstellungsgespräche geführt. Mit den Jahren entwickelt man eine gute Menschenkenntnis und ein Gespür dafür, wer in die Agentur und zu unseren Ambitionen passt.

Auf was für eine Chefin treffen die neuen Mitarbeiter?

Auf eine Teamplayerin und einen Coach. Ich bin gerne nah bei meinen Mitarbeitenden . Ich bin keine Schreibtisch-Täterin, sondern will zusammen mit dem Team Bestleistungen erbringen. Ich sehe meine Rolle ähnlich wie die eines Coaches im Sport. Ich habe früher selbst intensiv Volleyball gespielt und weiss, dass für ein Team ein guter Captain und Coach matchentscheidend sein kann. Genauso wichtig sind aber die einzelnen Spieler: Nur wenn jeder seine klar definierte Aufgabe gut macht, Verantwortung übernimmt und gleichzeitig auf die Mitspieler achtet, kann die Mannschaft Topleistungen erzielen.

Als Chefin tragen Sie schlussendlich die Verantwortung. Wie gehen Sie mit Druck um?

Klar, jeder CEO trägt Verantwortung gegenüber seinen Investoren. Wir haben sehr genaue Vorgaben, und strikte Kontrollen für die jährliche Zielerreichung , wie jedes andere börsenkotierte Unternehmen auch. Die hohe Erfolgserwartung ist nicht immer einfach zu erfüllen, macht mir aber grundsätzlich Spass. Ich spanne auch hier gerne den Bogen zum Leistungssport: Wettkämpfe und die Herausforderung, Höchstleistungen zu erbringen, gefallen mir und sind für mich auch eine besondere Motivation.

Was ärgert Sie so richtig?

Es stört mich, wenn bei einem Pitch Unternehmen den Wert unserer Arbeit nicht wertschätzen und dementsprechend wenig oder gar nicht honorieren wollen.. Ich versuche dann jeweils faire Rahmenbedingungen auszuhandeln, falls dies nicht möglich ist, nimmt die Agentur nicht teil.

Wie schalten Sie ab?

Es braucht natürlich ein gutes privates Umfeld, wo man sich regenerieren kann. Für mich ist zudem immer noch sportliche Betätigung als Ausgleich sehr wichtig. Inzwischen bin ich von Volleyball auf Tennis umgestiegen. Dieser Sport ist nicht nur physisch sondern auch mental anspruchsvoll. Er lernt mich an Matches die richtige Dosis von Kraft, Technik und Cleverness einzusetzen. Insbesondere am Wochenende brauche ich den Sport und die Natur, um am Montag wieder fit für die Agentur zu sein. Das gilt auch für das ganze Team. Unter der Woche arbeiten wir viel und geben richtig Gas. Dafür hat sich dann auch jeder ein wirklich freies Wochenende verdient und soll sich erholen können und nicht ständig an die Arbeit denken müssen.

Sie sind eine erfolgreiche Unternehmerin. Hat sich dies schon in Ihrer Kindheit abgezeichnet?

Das ist schwierig zu beantworten. Gewisse Charaktereigenschaften, die man in Führungspositionen benötigt, haben sich bei mir vermutlich durch eine strenge Erziehung und intensiven Sport noch stärker ausgeprägt. Ausdauer, etwas durchziehen, auch bei einer Niederlage wieder schnell aufzustehen und für einen Sieg weiter kämpfen sind Dinge, die ich schon früh gelernt und trainiert habe.

Nehmen Sie Niederlagen persönlich?

Wenn man ambitioniert ist, ist jede Niederlage ärgerlich. Ich siege lieber, aber ich habe auch schon viel aus einem Misserfolg gelernt.

Was haben Ihre Eltern gearbeitet?

Mein Vater war während seiner gesamten beruflichen Laufbahn als selbständiger Generalagent einer grossen Versicherungsgesellschaft tätig.

Und Ihre Mutter?

Sie war Hausfrau und Mutter. Die Rollen waren bei uns ganz klassisch verteilt: Der Vater brachte das Geld nach Hause, die Mutter besorgte den Haushalt. Dies hat mich sicherlich auch geprägt und angetrieben: Ich wollte möglichst rasch unabhängig, eigenverantwortlich und selbstbestimmt sein. Bei meiner Schwester war das ähnlich, sie ist ebenfalls eine erfolgreiche Geschäftsfrau.

Ihr Lebenspartner, David Honegger, ist ebenfalls ein erfolgreicher Werber mit einer eigenen Agentur. Vorteil oder Nachteil?

Ganz eindeutig ein Vorteil. Er versteht, dass ich keinen 9to5-Job habe - einen Job, bei dem man manchmal etwas absorbiert ist und auch mal nicht so viel Zeit füreinander hat. Wir teilen die Neugierde, was in der Wirtschaft generell und in der Kommunikationsbranche im Besonderen läuft und pflegen einen regen intellektuellen Austausch.

Haben Sie auch schon daran gedacht, gemeinsam eine Agentur zu gründen?

Wir realisierten in der Vergangenheit schon gemeinsame Projekte. Eine Agentur zu gründen wäre aufgrund unserer komplementären Fähigkeiten und Stärken sicher eine Möglichkeit gewesen. Wir denken aber, dass es schlauer ist, die Risiken aufzuteilen als alle Eier in den selben Korb zu werfen (lacht).

Ihr Partner hat bereits vier Kinder. Wollten Sie nie eigene Kinder?

Die Frage stellte sich nie wirklich. Ich habe mir nie viel Gedanken darüber gemacht, hatte auch keinen Stress mit der vielzitierten biologischen Uhr. Ich machte meine Ausbildung, hatte interessante Jobs, dann kam eine Weiterbildung nach der anderen und ich wollte das Gelernte wieder in die Praxis umsetzen und so weiter. Ich bin zufrieden, wie mein Leben bisher verlaufen ist, weil ich viele erfolgreiche Etappen erlebte und beruflich wie privat erfüllt und glücklich bin. Nun habe ich einen Partner, der gleich vier Kinder hat. Ich denke das reicht (lacht).

Was ist ihr nächstes Ziel?

Ich möchte mit Draftfcb/Lowe die nächste Stufe des Erfolges erreichen. Das heisst: Qualitatives und quantitatives Wachstum mit erfolgreichen zufriedenen Kunden und glücklichen Mitarbeitenden.

Und privat?

Unser Hausbau ist in den letzten Zügen. Ich freue mich sehr, wenn da endlich alles fertig ist und ich den Baumanagement-Job an den Nagel hängen kann (lacht).

Interview: Corinne Bauer.



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