25.04.2012

Erfolgreiche Frauen

Als 29-Jährige gründete Regula Fecker mit ihren Kumpels Oliver Fennel und David Schärer die Agentur Rod Kommunikation. Zwei Jahre später wurde sie zur "Werberin des Jahres 2010" gekürt. Seit Anfang dieses Jahres sitzt die Strategin zudem im SRG-Verwaltungsrat. Über ihre Express-Karriere, Raubvögel im Zürich Zoo und Schlüsselpersonen ihres Lebens, spricht sie im dritten Teil unserer Serie "Erfolgreiche Frauen":
Erfolgreiche Frauen

Frau Fecker, aktuell steht ihre Agentur Rod mit der SBB-Kampagne im Fokus. Zuerst herrschte Jubel, dann gabs Kritik wegen dem Vorwurf der Abkupferung. Wie geht man damit um?

Wer das Privileg hat, für exponierte Marken arbeiten zu dürfen, ist selber exponiert. Das weiss ich mittlerweile sehr wohl. Lob wie Kritik nehme ich ernst, aber nicht mehr persönlich. Im Fall der SBB-Kampagne freue ich mich einfach enorm darüber, dass vielen Menschen vor Wohlgefühl ein Kloss im Hals steckt, wenn sie den Spot zum ersten Mal sehen. Oder ein zweites Mal. Oder ein drittes Mal.

Mit dem Gewinn des "Werber des Jahres" vor zwei Jahren stehen Sie vermehrt in der Öffentlichkeit. Fühlen Sie sich als Strategin, die sonst eher im Hintergrund die Strippen zieht, wohl im Scheinwerferlicht?

Ich habe das Scheinwerferlicht nicht gesucht, es hat mich für meinen Geschmack etwas zu früh gefunden. Damit hab ich gelernt umzugehen, es macht mir nichts aus, exponiert zu sein. Aber am Ende des Tages fühle ich mich noch immer am wohlsten, wenn ich mich in meinen Datenbergen verkriechen kann, wenn ich Menschen beobachten oder einen Kunden in Bezug auf ein Problem nervig löchern darf.

Sie waren in 33 Jahren erst die sechste Frau, die den Titel "Werber des Jahres" entgegen nehmen durfte. Woran liegt das?

Der Titel wurde in den Achziger Jahren ins Leben gerufen. Damals waren Frauen sicher noch keine Leaderinnen -- ob in der Werbung oder anderswo. Jetzt verändert sich die Situation nicht schleichend, sondern galoppierend. Ich denke, dass deshalb in nächster Zeit sicher öfter Frauen den "Werber des Jahres" gewinnen werden.

Mussten Sie für Ihre steile Karriere auf privater Ebene auf vieles verzichten?

Ja sicher, das musste ich. Alles andere wäre gelogen. Ich war nicht auf jeder Party die erste, die kam und auch nicht die letzte, die ging. Und ich war auch nicht auf jeder Party. Die leeren Stunden in meinem Leben waren limitiert -- denn nebst der vielen Arbeit habe ich oft noch Projekte von Freunden, Verwandten und Bekannten in meiner Freizeit unterstützt. Weil es mich aber glücklich macht, anderen zu helfen, hat sich das für mich nie wie Verzicht angefühlt, sondern Bereicherung.

Beruflich planen Sie als Strategin sehr viel. Planen Sie auch in Ihrer Freizeit viel, oder sind Sie dann ein Chaot?

Diplomatisch ausgedrückt gehe ich in jedem Lebensbereich strategisch vor. Ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich kann aber auch ein richtiger Chaot sein, vor allem, was Logistik und Termine angeht.

Wie äussert sich dies?

Fragen Sie meine Freunde und Familie!

Gibt es Charakterzüge, die Sie bereits als Kind hatten, welche heute immer noch stark präsent sind?

Also strategisch-denkend war ich damals sicher noch nicht (lacht). Ich traute mir den Strategie-Part auch lange überhaupt nicht zu. Ich war aber schon immer ein Frühstarter. Seit ich denken kann hab ich gewisse Dinge vor allen anderen gemacht. Beispielsweise war ich die erste meiner Klasse, die einen Ferienjob hatte.

Was war denn ihr erster Ferienjob?

Ich hab in den Sommerferien für einene Fünfliber pro Tag im Zoo Zürich die Tiere im Kleintierzoo gepflegt und die Eulen und Raubvögel mit toten Bibeli und Mäusen gefüttert. Seither weiss ich, dass man einer Eule nicht in die Augen sehen sollte, wenn man sich in ihrem Revier befindet. Unverzichtbare Lektionen fürs Leben (lacht). Auf diesen Ferienjob sollten noch viele weitere, noch Skurrilere folgen. Ich bin mir für sehr wenig zu schade.

Seit fünf Jahren führen Sie zusammen mit drei Partnern die Agentur. Was ist Ihre Position im Team als einzige Frau?

Ich bin das Ping und die anderen das Pong. Oft gebe ich einen ersten Anstoss, habe einen ersten strategischen Gedanken, Mechanismus oder Satz, den die anderen dann aufnehmen und weiterentwickeln.

Rod hat mittlerweile 18 Mitarbeiter. Was sind Ihre Führungsprinzipien?

Als Führungsperson muss ich von meinen erarbeiteten Ideen oder Lösungen selber überzeugt sein, dass ich diese mit anderen umsetzen oder weitergeben kann. Ich versuche daher immer Vorarbeit zu leisten, nachzugrübeln, bis etwas wirklich sitzt, bevor ich mit Vorschlägen zum Team gehe. Dabei versuche ich den Mitarbeitern einen möglichst grossen Spielraum einzuräumen. Es ist mir wichtig, dass alle sich frei fühlen und ihre Kreativität optimal einsetzen können.

Wie auf ihrer Homepage zu vernehmen ist, sagt Mike Shiva über Sie: "Sie kann sich am besten entfalten, wenn Sie bestimmen darf". Hat er Recht?

Ja. Er hat doch immer recht (lacht). Ich muss mich aber ein bisschen verteidigen: Wie bereits gesagt, beschäftige ich mich jeweils lange, bevor ich dies allen mitteile, mit einer Idee. Ich spreche sie erst aus, wenn ich entschieden habe, dass sie reif dafür ist. Bis dann hab ich alle Tauglichkeitsprüfungen in meinem Kopf gemacht. Und weiss instinktiv, dass sie auch funktioniert. Logisch, dass ich mich dann dafür einsetze, dass wir diesen Weg gehen. Wenn ich mir einer Sache sicher bin, kann ich durchaus dominant auftreten. Wobei ich mir längst nicht immer jeder Sache sicher bin. Aber wenn doch, dann drückt ab und zu mein Sternzeichen Widder, Aszendent Widder durch.

Mike Shiva hat Sie mit Hilfe seiner Tarot-Karten richtig eingeschätzt. Glauben Sie an übersinnliche Fähigkeiten?

Ich nehme solche Dinge nicht allzu ernst, würde mich aber trotzdem als spirituelle Person bezeichnen.

Glauben Sie an Schicksal?

Biography is not destiny -- ich glaube, wir haben es alle selber in der Hand, unsere eigene Geschichte zu schreiben.

Können Sie sich an einen Schlüsselmoment erinnern, in dem Ihre Weichen zur grossen Werbekarriere gestellt wurden?

Es gab in meinem Leben nicht Schlüsselmomente, sondern Schlüsselpersonen, die meinen Weg geprägt haben.

Wer?

Oh, das sind sehr viele! Carlos Friedrich, der erste Stratege, mit dem ich arbeiten durfte. Er zeigte mir, wie man aus einem Datenhaufen eine Idee ausgräbt. Dominique von Matt, der mich lehrte, wie man kugelsicher argumentiert. David Hackworthy, mein Chef bei TBWA/CHIAT/DAY New York, der mich aus dem Büro jagte mit den Worten, dass ein Stratege "da draussen, mitten im Leben“ sein müsse, nicht am Compi. Und dann natürlich David Schärer und Oliver Fennel, die verrückt genug waren, sich gemeinsam ins "Abenteuer Rod" zu stürzen und daran zu glauben, dass wir das schon packen, zusammen. Viele Menschen können Weichensteller sein, man muss sich nur trauen, sich mit Haut und Haaren auf sie und ihre Lehren einzulassen.

Gibt es momentan auch eine Schlüsselperson in Ihrem Leben?

Ja, zum Glück! Und was für eine!

Sie waren nicht nur bei TBWA in New York, sondern haben auch die Miami Ad School als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Wie amerikanisiert sind Sie?

Ich hoffe sehr stark. Wir Schweizer denken oft klein, pragmatisch, realistisch. In den USA lernt man, in grösseren Dimensionen zu denken. Viele finden das nervtötende Dampfplauderei -- ich liebe es. Die motivierende Kraft der richtigen Worte.

Seit diesem Jahr sitzen Sie im Verwaltungsrat der SRG. Was hat Sie an dieser neuen Aufgabe gereizt?

Es ist das grösste Medienunternehmen der Schweiz, das in den elektronischen Medien tätig ist. Wie die SRG in die Zukunft gehen wird, prägt das Leben von uns allen. Die Aufgabe bietet mir viel Spielraum, mich einzubringen und gibt mir andererseits die Möglichkeit, am Puls zu bleiben.

Wo hält der Feckerexpress als nächstes?

Da, wo es einen schönen Bahnhof, nette Menschen und ein Problem zu lösen hat.

Und auf der persönlichen Schiene?

Ich würde gerne den Hochsee-Segelschein machen. Ich bin seit jeher ein Kind des Wassers. Man hat eine besondere Perspektive auf das Leben, wenn man sich da draussen, auf dem Wasser befindet. Man sieht Dinge, für die man an Land keine Augen hat: Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge, wie ein Gewitter vorbeizieht. Und immer wieder Regenbogen, Regenbogen, Regenbogen. Die Natur ist so gewaltig, dass es einen die Sprache verschlägt. Und das tut mir und vielen anderen manchmal sehr gut, wenn ich ein paar Stunden die Klappe halte

Interview: Corinne Bauer.



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