12.08.2011

"Heute gönnen wir Werber uns nur noch am Freitag einen Wodka Gimlet zum Zmorge"

Drei Mal in Folge räumte die Werber-TV-Soap "Mad Men" sowohl bei den Emmy-, als auch bei den Golden-Globe-Awards den Preis für die beste Dramaserie ab. Am Montag startet die Kult-Serie nun auch im Schweizer Fernsehen. persoenlich.com wollte von den Schweizer Werbern wissen, wer in ihrer Agentur die Rolle des Star-Kreativen Don Draper spielt, und ob es in den Goldenen Sechziger Jahren tatsächlich so viel cooler war, in der Werbebranche zu arbeiten. Die Umfrage:
"Heute gönnen wir Werber uns nur noch am Freitag einen Wodka Gimlet zum Zmorge"

Thomas Städeli, CEO Wirz

Leider ist SF ein bisschen sehr hinter der Zeit. Ich schaue mir die Serie seit der Ausstrahlung in den USA online oder aber ab DVD an. Der Unterhaltungswert und speziell auch die Machart sind ja echte Benchmarks. Obwohl man als Mann des aktuellen Jahrzehnts den Herrn Draper in Bezug auf seine Lockerheit und seinen Umgang doch ab und zu beneidet, bin ich froh, dass nicht er die Kreation bei Wirz führt. Denn dann wären die Berater nach wie vor nur dafür zuständig, dass die Pappen von A nach B getragen werden und sauber verrechnet wird. Ganz abgesehen davon, dass Petra Dreyfus bei uns garantiert nicht in der Geschäftsleitung wäre... Bei uns gibt es keinen Don Draper und es hat diesen auch nie gegeben. Das Starprinzip ist alles andere als Wirz-like, bei Wirz zählt einzig und alleine das Team.

Leider ist SF ein bisschen sehr hinter der Zeit. Ich schaue mir die Serie seit der Ausstrahlung in den USA online oder aber ab DVD an. Der Unterhaltungswert und speziell auch die Machart sind ja echte Benchmarks. Obwohl man als Mann des aktuellen Jahrzehnts den Herrn Draper in Bezug auf seine Lockerheit und seinen Umgang doch ab und zu beneidet, bin ich froh, dass nicht er die Kreation bei Wirz führt. Denn dann wären die Berater nach wie vor nur dafür zuständig, dass die Pappen von A nach B getragen werden und sauber verrechnet wird. Ganz abgesehen davon, dass Petra Dreyfus bei uns garantiert nicht in der Geschäftsleitung wäre... Bei uns gibt es keinen Don Draper und es hat diesen auch nie gegeben. Das Starprinzip ist alles andere als Wirz-like, bei Wirz zählt einzig und alleine das Team.

Regula Fecker, Partnerin Rod Kommunikation

Die 60er waren durchaus vergleichbar mit heute. Damals war TV der letzte Schrei, heute sinds die sozialen Medien. Die Gesellschaft war nach den biederen 50ern in einem fundamentalen Wandel und wir machen im Schnellzugtempo den Schritt in die Digitalisierung. Der grösste Unterschied ist, dass wir uns heute in den Agenturen nur noch am Freitag einen Wodka Gimlet zum Zmorge gönnen. Eine Augenweide mit unvergleichlichem Stil, Sex Appeal und unglaublichem Charisma ist zweifelsohne David Schärer. Er redet einfach mehr als Don Draper. Junior-Konzepter Angelo Mabellini ist unsere Peggy Olson.

Uwe Schlupp, Managing Partner KSB

Die erste Staffel Mad Men hab ich bereits auf DVD gesehen, werde aber sicher ab und zu auch mal wieder im TV reinschauen. Ich will mich dem Jammern, dass früher alles besser war, nicht anschliessen. Den ganzen Tag Whisky in der Agentur zu trinken, wäre mir auf die Dauer zu anstrengend. Don Draper ist ja eindeutig ein Kreativer, also fällt Christoph Bürge und das KSB-Beratungsteam schon mal weg. Und ein guter Kreativer ist Don Draper auch. Auch wenn er die neue VW-Werbung nicht erfindet, das macht bekanntlich DDB, erkennt er doch deren revolutionäre Kraft. Also werde ich mich mit Dani Krieg und den anderen KSB-Kreativen noch etwas streiten, wer die Rolle bei uns einnehmen darf. Wobei wir auf Don Drapers Lebenswandel wahrscheinlich alle nicht besonders neidisch sind.

Die erste Staffel Mad Men hab ich bereits auf DVD gesehen, werde aber sicher ab und zu auch mal wieder im TV reinschauen. Ich will mich dem Jammern, dass früher alles besser war, nicht anschliessen. Den ganzen Tag Whisky in der Agentur zu trinken, wäre mir auf die Dauer zu anstrengend. Don Draper ist ja eindeutig ein Kreativer, also fällt Christoph Bürge und das KSB-Beratungsteam schon mal weg. Und ein guter Kreativer ist Don Draper auch. Auch wenn er die neue VW-Werbung nicht erfindet, das macht bekanntlich DDB, erkennt er doch deren revolutionäre Kraft. Also werde ich mich mit Dani Krieg und den anderen KSB-Kreativen noch etwas streiten, wer die Rolle bei uns einnehmen darf. Wobei wir auf Don Drapers Lebenswandel wahrscheinlich alle nicht besonders neidisch sind.

Frank Bodin, Chairman & CEO Euro RSCG Group

Ich habe Ausschnitte von "Mad Men" bereits gesehen. Auch wenn die Serie herzlich wenig mit der Realität der Werbung im 21. Jahrhundert zu tun hat, so finde ich es trotzdem wunderbar, wenn nebst Ärzte-, Polizisten-, Piloten-, Gerichtsmedizinerserien usw. endlich auch eine Werberserie zu sehen ist. Einerseits ist Werbung im Image-Ranking der Berufe eher am hinteren Ende anzutreffen, doch auf der anderen Seite fasziniert unsere Branche bis heute durch ihre Mischung aus Kalkül und Kreativität - eine Magie, die fasziniert.

Curdin Janett, CEO Publicis Communications

Mad Men ist natürlich ein Thema. Die Serie ist wunderbar gemacht und lässt unsere Youngsters von einer Vergangenheit träumen die es so wohl nie gab. Von uns haben vermutlich die meisten die jetzt auch auf SF ausgestrahlten Folgen schon gesehen - der eine oder die andere werden aber als Wiederholungstäter etwas zur Reichweite beitragen. Selber bin ich ganz froh, jetzt in der Branche zu sein - wir haben auch heute den interessantesten Job den ich mir vorstellen kann. Ein Don Draper wäre wohl nicht mehr ganz zeitgemäss. Auch wenn ich Sätze wie "I hate to break it to you but there is no big lie. There is no system. The universe is indifferent" durchaus gerne mal an einer Präsentation hören würde.

Mad Men ist natürlich ein Thema. Die Serie ist wunderbar gemacht und lässt unsere Youngsters von einer Vergangenheit träumen die es so wohl nie gab. Von uns haben vermutlich die meisten die jetzt auch auf SF ausgestrahlten Folgen schon gesehen - der eine oder die andere werden aber als Wiederholungstäter etwas zur Reichweite beitragen. Selber bin ich ganz froh, jetzt in der Branche zu sein - wir haben auch heute den interessantesten Job den ich mir vorstellen kann. Ein Don Draper wäre wohl nicht mehr ganz zeitgemäss. Auch wenn ich Sätze wie "I hate to break it to you but there is no big lie. There is no system. The universe is indifferent" durchaus gerne mal an einer Präsentation hören würde.

Markus Ruf, Creative Director Ruf Lanz

Mein Kollege Serge Höltschi, der in Los Angeles lebt, hat mir vor einigen Jahren eine dicke DVD-Kollektion von Mad Men geschickt. Köstliche Unterhaltung, deren Wahrheitsgehalt ich nicht beurteilen kann, weil ich in den Sechziger Jahren erst zur Absatzsteigerung von Pampers beigetragen habe. Vermutlich neigen wir aber zur Verklärung der Vergangenheit: Als ich Mitte der Achtziger Jahre in die Werbung eingestiegen bin, haben alle gesagt: Die Siebziger hättest du erleben sollen! In den Neunzigern haben dann alle von den wilden Achtziger geschwärmt. Und heute kriegen manche schon einen wehmütigen Blick, wenn sie von den App-freien Neunzigern erzählen. Ich fand's eigentlich zu jeder Zeit spannend.

Petar Dakovic, Managing Director Saatchi & Saatchi Zürich

Ich habe mir bisher lediglich einige Folgen der ersten Staffel auf DVD gegönnt. Ein Zeitsprung in die Sechziger wäre bestimmt ganz interessant. Allerdings würde es mir nicht leicht fallen, vor lauter Nebelschwaden und Drinks einen klaren Gedanken fassen zu können. Offensichtlich ganz im Gegensatz zu den Protagonisten von damals Don Draper passt vom Persönlichkeitsbild her durchaus auch in unsere Zeit. Insofern steckt in jedem von uns ein kleiner Don Draper.

Ich habe mir bisher lediglich einige Folgen der ersten Staffel auf DVD gegönnt. Ein Zeitsprung in die Sechziger wäre bestimmt ganz interessant. Allerdings würde es mir nicht leicht fallen, vor lauter Nebelschwaden und Drinks einen klaren Gedanken fassen zu können. Offensichtlich ganz im Gegensatz zu den Protagonisten von damals Don Draper passt vom Persönlichkeitsbild her durchaus auch in unsere Zeit. Insofern steckt in jedem von uns ein kleiner Don Draper.

Markus Gut, CCO Y&R Switzerland

Shame on me… Ich bin wahrscheinlich der einzige Werber, der Mad Men noch nie gesehen hat. Dafür kann ich aber einige Filme vom diesjährigen Filmfestival Locarno wärmstens empfehlen!

Daniel Matter, Geschäftsleitung Matter & Gretener

Ich besitze die gesamte Serie als DVD-Kollektion. Ein Geschenk meines Sohnes, der mich damit trösten wollte, dass ich ja eigentlich ein cooler Typ mit einem coolen Job bin, hätte sein können. Weder mein Sohn noch ich haben die Werbung in den 60ern erlebt. Aber vermutlich war es wie die gesamte damalige Zeit: Cool. Und dann die Wertschätzung, die Honorierung, der Stellenwert, die Stimmung, das Umfeld. Das war besser und hat dazu beigetragen, Besseres machen zu können. Es war eben der Anfang, die Werbung rannte den Marathon und die Zunge hing ihr noch nicht heraus. Meine Mutter war keine Prostituierte, ich habe nie als Autoverkäufer gearbeitet, trage keine perfekt geschnittenen Anzüge, rauche nicht, sehe mittelmässig aus und was den Umgang mit Frauen betrifft, stelle ich mich ziemlich ungeschickt an. Mit Don Draper teile ich nicht viel. Ausser eben die Liebe zur Werbung.

Ich besitze die gesamte Serie als DVD-Kollektion. Ein Geschenk meines Sohnes, der mich damit trösten wollte, dass ich ja eigentlich ein cooler Typ mit einem coolen Job bin, hätte sein können. Weder mein Sohn noch ich haben die Werbung in den 60ern erlebt. Aber vermutlich war es wie die gesamte damalige Zeit: Cool. Und dann die Wertschätzung, die Honorierung, der Stellenwert, die Stimmung, das Umfeld. Das war besser und hat dazu beigetragen, Besseres machen zu können. Es war eben der Anfang, die Werbung rannte den Marathon und die Zunge hing ihr noch nicht heraus. Meine Mutter war keine Prostituierte, ich habe nie als Autoverkäufer gearbeitet, trage keine perfekt geschnittenen Anzüge, rauche nicht, sehe mittelmässig aus und was den Umgang mit Frauen betrifft, stelle ich mich ziemlich ungeschickt an. Mit Don Draper teile ich nicht viel. Ausser eben die Liebe zur Werbung.

Umfrage: Corinne Bauer


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