05.06.2012

Erfolgreiche Frauen

Nadine Borter

Interview mit der Inhaberin von Contexta.
Erfolgreiche Frauen: Nadine Borter

Als Inhaberin der Werbeagentur Contexta führt Nadine Borter 60 Mitarbeiter, daneben kümmert sie sich um ihre kleine Tochter: "Zwei Fulltime-Jobs", wie die "Werberin des Jahres 2011" selber sagt. Im siebten Teil der persoenlich.com-Serie "Erfolgreiche Frauen" spricht sie über Enttäuschungen und das Glück ihrer Karriere, sowie den Verlust der Mandate von Swisscom und SBB. Zum Interview:

Was beschäftigt Sie im Moment?

Wie können wir in der Contexta jeden Tag neue starke Kampagnen entwickeln und wie gelingt es uns, die Kunden noch besser zu verstehen. Hier liegt meine grosse Herausforderung mit meinem Team.

Mit SBB und Swisscom hat die Agentur zwei wichtige Mandate verloren. Wie gehen Sie mit solchen Niederlagen um?

SBB und Swisscom haben wir als Kunden nicht verloren. Wir betreuen weiterhin die beiden Geschäftsbereiche KMU und Grossunternehmen der Swisscom. Wir durften die Plattform von Rod für die Freizeitkampagne weiterentwickeln. Und bei der SBB betreuen wir wie bis anhin die Freizeitkampagne und den Bereich Geschäftskunden. Natürlich: Verlieren ist nie schön, es gehört aber zum Business. Man investiert viel Knowhow und Energie in einen Pitch und ist natürlich enttäuscht, wenn man nicht gewinnt. Wir sind froh, dass wir für beide Kunden, wenn auch in etwas kleinerem Rahmen, weiterhin tätig sein dürfen. Ganze Etat-Verluste wären schlimmer, denn solche haben sofort personelle Konsequenzen in einer Agentur. Wir sind stolz, dass es uns gut gelingt, über Jahre ein starker Vertrauenspartner zu sein.

Sie führen 60 Mitarbeiter. Wie motivieren Sie diese nach solch negativen Entscheiden?

Nach einer Präsentation besprechen wir jeweils, was gut war und was wir hätten besser machen können. Ich spreche offen an, was nicht gelungen ist. Unsere Haltung ist aber die, jeweils schnell wieder vom Neuen zu sprechen und in die Zukunft zu schauen. Wichtig ist dann natürlich, dieselben Fehler nicht zweimal zu machen.

Nach welchen weiteren Führungsprinzipien leiten Sie Ihre Mitarbeiter?

Ich führe intuitiv, aber klar.

Das heisst konkret?

Ich versuche auf den Mitarbeiter individuell und auf eine Situation konkret einzugehen. Dabei passe ich mich auch gerne selbst ein bisschen an. Gleichzeitig versuche ich aber immer, mich klar zu äussern, klare Entscheidungen zu treffen und bei Bedarf auch klare Hilfestellungen zu geben. Ich versuche, die Teams möglichst mit viel Eigenverantwortung arbeiten zu lassen. Vor allem die Kreation braucht Spielraum. Es besteht die Gefahr, dass man kreative Ideen zu früh erstickt. Manchmal braucht es aber auch Entscheidungen. Dann ziere ich mich nicht, sondern entscheide. Sonst bleibt man in der Orientierungslosigkeit stecken.

Wie motivieren Sie sich selbst?

Eigentlich ähnlich wie das Team. Grundsätzlich habe ich grosse Freude an dem, was ich tue. Wenn mal etwas nicht so klappt, bin ich in einer ersten Phase sehr selbstkritisch und analysiere, was falsch gelaufen ist und wie man dies und jenes hätte besser lösen können. Ich frage mich, was ich an einer Situation ändern und aus ihr lernen kann. Dann schaue ich aber ziemlich schnell wieder nach vorne. Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern. Es bringt weder mir noch dem Team etwas, wenn man Negatives hundertmal wieder aufkocht und durchkaut.

Nehmen Sie negative Entscheide manchmal auch persönlich?

Mit der Zeit lernt man, sich klar abzugrenzen. Ich habe eine gesunde Portion Ehrgeiz. Wenn etwas nicht so verläuft, wie ich es mir gewünscht hätte, bin ich natürlich auch persönlich enttäuscht. Ich empfinde aber deshalb negative Entscheide nicht als persönliche Angriffe.

Wie wichtig sind Ihnen positive Rückmeldungen oder Preise wie zum Beispiel der Titel "Werber des Jahres", den Sie im letzten Jahr gewonnen haben?

Es tönt jetzt vielleicht floskelhaft, aber ich meine das wirklich so: Wenn ein Kunde mit unseren Kommunikationslösungen erfolgreich und zufrieden ist, reicht mir diese Bestätigung. Einer Agentur kann etwas "Fame" aber nie schaden. Und den bekommt man unter anderem auch, wenn man Preise gewinnt. Es ist also eine doppelte Freude, wenn eine erfolgreiche Kampagne auch ausgezeichnet wird. Ich finde deshalb den Effie einen super Preis. In ihm sind die beiden entscheidenden Komponenten der Effektivität und Kreativität enthalten.

Seit kurzem sind Sie Mutter eines Mädchens. Wird es Ihnen nie zuviel?

Ich bin schon gefordert. Es sind zwei Fulltime-Jobs: Ich bin Vollblutwerberin und gleichzeitig habe ich nun eine wunderbare Tochter, die mich auf Draht hält.

Haben Sie Unterstützung?

Ja klar. Ich habe eine super Tagesmutter und viel familiäre Unterstützung. Ich habe die Kleine auch schon in die Agentur mitgenommen, dies soll aber nicht zur Regel werden. Ich möchte zuhause ein gutes Mami und in der Agentur eine gute Agenturchefin sein.

Was möchten Sie Ihrer Tochter unbedingt mit auf den Weg geben?

Sie soll lernen, sich selbst zu sein und ihren eigenen Charakter leben zu dürfen. Natürlich versuche ich, gewisse Grundwerte mitzugeben. Am Ende ist jedoch das Wichtigste, dass sie, was auch immer sie einmal tut, glücklich ist und als positiver Mensch durchs Leben geht.

Wie waren Sie selbst als Kind?

Meine Mutter stellt jetzt logischerweise Vergleiche an (lacht). Wenn ich mich manchmal beklage, dass meine Tochter wahnsinnig aktiv sei, erstaunt sie dies jeweils nicht sehr.

Sie waren ja auch mal im nationalen Schwimmkader. Wie toben Sie sich heute aus?

Im Moment liegt Sport zeitlich nicht mehr drin. Schon gar nicht in der Intensität von früher. Heute bewege ich mich gerne, um mal den Kopf auszulüften.

Was tun Sie dann, wenn Sie einmal nicht arbeiten?

Das ist im Moment leider wirklich selten der Fall. Aber es werden sicher auch wieder andere Zeiten kommen. Ich nehme Tag für Tag. Mein Kind entwickelt sich weiter, die Agentur entwickelt sich weiter und ich entwickle mich weiter. So ergeben sich täglich neue Herausforderungen, die es anzunehmen gilt. Und wenn sich die Umstände ändern, suche ich eine neue Lösung.

Leben Sie auch sonst in den Tag hinein oder planen Sie gerne?

Nein, ich lebe auch sonst mehr im Moment. Ich denke, es ist sehr wichtig, offen zu sein und nicht mit Scheuklappen durchs Leben zu gehen. Wenn man zu stur auf einem Gleis in eine Richtung fährt, verpasst man Chancen.

Sie haben also auch Ihre Karriere nicht geplant?

Nein, ganz und gar nicht. Es gibt im Leben Glücksmomente, in denen man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und die Weichen gestellt werden. So bin ich zufällig zur Werbung und zur Contexta gekommen. Damals hätte ich niemals gedacht, dass ich in 16 Jahren immer noch bei derselben Agentur sein würde – als Agenturchefin. Sicher habe ich viel gearbeitet für meine Karriere, doch es braucht immer auch eine Portion Glück.

Haben Sie sich die Frage "Familie" oder "Karriere" je gestellt?

Nein. Ich glaube, wenn man alles hundert Mal durchdenkt, kommt man zum Schluss, dass man nie alles unter einen Hut bringen kann. Aber es geht ja. Bei mir hat sich alles einfach ergeben. Ich war nie eine Frau, die sagt, sie wolle nie Kinder haben, aber ich habe mich auch nie darauf fixiert – in der Weise, dass ich zum Beispiel unbedingt mit 30 mein erstes Kind haben wollte.

Wenn Sie zurückblicken: Sind Sie stolz?

Ich habe sicher Freude, wenn ich auf meinen Weg zurückschaue. Aber ein Plan steckte wie gesagt nicht dahinter. Es würde mir auch schwer fallen, heute zu beschreiben, wo ich in 10 Jahren sein werde. Im Moment bin ich sehr glücklich mit dem, was ich habe und mache. Aber man weiss ja nie, ich bin erst 37. Ein Schritt nach dem anderen.

Interview: Corinne Bauer



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