Frage 1: Sie waren mit Ihrer Agentur bei den Cannes Lions schon einige Male erfolgreich. Lohnt sich ein Cannes-Löwe auch kommerziell?
Frage 2: Welchen Aufwand betreiben Sie für Wettbewerbe?
André Benker, Neue Lgk

1. Wir haben vor zwei Jahren diesen Bronze-Löwen gewonnen und uns darüber, zusammen mit unserem Kunden Post, sehr gefreut. Mehr als das hat er uns jedoch nicht gebracht. Was ja doch schon einiges ist. Es braucht heutzutage mehr, selbst in der Schweiz, als einen Bronze-Löwen, um PR-mässig überdurchschnittlich wahrgenommen zu werden. Ehre und Ruhm gebührt dabei unserem Texter Lukas Schmid.
2. Wir geben für Wettbewerbe so wenig wie möglich aus. Und sind so selbstkritisch wie nur möglich, wenn es um die Auswahl der Einsendungen geht. Wir weigern uns auch, spezielle Award-Arbeiten zu machen.
Löwen: Bei uns auf dem Tisch stehen vier Löwen, ein Bronze-Löwe und drei Silber-Löwen.
Matthias Freuler, Wirz

1. Dass Wirz in der wichtigsten Kategorie Film immer wieder Auszeichnungen (Toyota, Hiltl etc.) und vor zwei Jahren auch den einzigen Film-Löwen für die Schweiz geholt hat, ist schön. Schön für den Kunden, heiss für die Agentur und ein Hammer für die Kreativen. Dass einem aber nach dem Gewinn eines Cannes-Löwen neue Kunden die Bude einrennen würden, ist nicht so.
2. Prima, wenn meine Kollegen aus andern Agenturen die Zeit und die finanziellen Mittel haben, um aus einem Einzelplakat oder einer kleinen Guerilla-Aktion einen fünfminütigen, hoch professionellen Film speziell zur Eingabe in Cannes zu kreieren. Wir von Wirz haben die Haltung, dass man die Zeit lieber in eine gute Anzeige oder in eine gute Ambient-Idee investiert als in einen Werbefilm über die gute Anzeige oder die gute Ambient-Idee.
Löwen: Gold für Milch, fussballspielende Kuh, Bronze für Milch, steppende Kuh, Bronze für Milch, tanzende Kuh, Bronze für Mobiliar, Schadenprotokoll Garage, Bronze für Mobiliar, Schadenprotokoll Fotograf, (alle Kategorie Film).
Alexander Jaggi, Jung von Matt/Limmat

1. Der Gewinn eines Gold-Löwen ist zweifellos ein Image-Gewinn für eine Agentur. Und ein gutes Image zahlt sich am Ende immer aus. Der offensichtliche Return on Investment ist aber schwer in Zahlen zu fassen. Ein Versuch könnte sein, die Einsendekosten der Media Coverage gegenüberzustellen.
2. Sagen wir es mal so: Ein McKinsey-Berater würde in Ohnmacht fallen und sich neben seinen Kollegen auf den Boden legen.
Löwen: Gold mit "Size" für Mini . 1 & 2nd Place Media Agency of the Year.
Daniel Matter, Matter & Gretener

1. Der Gewinn des Cannes-Löwen hat sich kommerziell nicht ausbezahlt. Aber es hat den Beteiligten Freude gemacht.
2. Einen möglichst geringen. Was nicht heisst, dass wir uns nicht mit jedem Auftrag sehr viel Mühe geben. Im Vordergrund steht aber das Resultat, das wir für unsere Kunden erreichen. Und nicht unser Ego.
Löwen: Bronze in der Kategorie "Direct" mit "Stofffetzen" für die Tribis Hundeschule.
Markus Ruf, Ruf Lanz Werbeagentur

1. Die Agenturen, welche relevante Auszeichnungen gewinnen, sind ein Magnet für die besten Kreativen. Und sie ziehen auch eher jene Kunden an, welche die Leute nicht mit Werbung unterhalb der geistigen Gürtellinie penetrieren wollen. Trotzdem: Wer den schnellen kommerziellen Erfolg sucht, muss nicht bei einem Festival einsenden, sondern selber eines gründen. Bei Einsendegebühren von 600 Euro pro Film wie in Cannes stelle ich mir das Leben als Veranstalter ziemlich Marquard-mässig vor.
2. Ein Kollege hat mal gesagt, dass er für die Award-Aufbereitung seiner Kampagnen mehr Zeit verwende als für das eigentliche Erfinden. Das ist eine bizarre Entwicklung. Neuerdings wird ja empfohlen, dass man nicht mehr einfach Präsentationsboards mit englischer Erklärung einreicht, sondern gleich einen dreiminütigen Einsende-Movie drehen soll, um die Aufmerksamkeit der Jury zu gewinnen. Am besten mit Robert de Niro als Off-Stimme. Dafür fehlen uns sowohl die zeitlichen wie die finanziellen Mittel. Und ehrlich gesagt auch die Lust. Wir hoffen deshalb, dass in Cannes weiterhin die Idee zählt. Und nicht der Klimbim drumherum.
Löwen: Bisher 7 Löwen gewonnen, zuletzt gab's 2006 Gold für die TV-Spots "Stevie Wonder und "Andrea Bocelli" fürs Blindenwohnheim Mühlehalde.
Martin Spillmann, SFLB

1. Ausser vielen Gratulationen, viel Schultergeklopfe und einem kiloschweren bronzenen, hauchdünn versilberten -- oder vergoldeten -- Löwen, den man in Cannes mit sich herumtragen und um den man permanent Angst haben muss, gibt's weiter nicht viel Nennenswertes.
2. Der Aufwand hält sich insofern in Grenzen, da wir nur Arbeiten abliefern, die mit der Absicht entwickelt wurden, eine Aufgabe unserer Kunden aufgrund eines realen Briefings zu lösen und nicht mit der Absicht, einen Award zu gewinnen. Trotzdem ist der zeitliche und finanzielle Aufwand für die Einreichung der Arbeiten hoch. Rechtfertigen lässt sich dieser Aufwand nur insofern, als dies eigentlich die Eigenwerbungskampagne der Agentur ist. Es wäre ja komisch, wenn ausgerechnet Werbeagenturen keine Werbung für sich selbst machen würden, obwohl sie dies allen anderen Unternehmen wärmstes empfehlen.
Löwen: Gold mit TV-Spot "Borders" für Médecins sans Frontières (2001), Silber mit TV-Spot "Fliege" für Hakle (1996), Bronze mit TV-Spot "Shoppinglist" für Citterio, Bronze mit "WM-Spot" für Schweiz Tourismus in der Kategorie Promotion.
Pius Walker, walker Werbeagentur

1. Es gibt weltweit keine Agentur, welche laufend Cannes-Löwen gewinnt, kommerziell aber nicht erfolgreich ist. Das liegt jedoch nicht an den Löwen, welche diese Agentur gewinnt, sondern an der Qualität ihrer Kampagnen.
2. Ich glaube, dass gute Agenturen ihren Aufwand primär in die Qualität ihrer Auftragsarbeiten stecken. Wenn diese später einen relevanten Kreativpreis gewinnen, freut das natürlich umso mehr. Etwas hilflos und kurzsichtig scheint mir hingegen die Strategie, Kreativpreise mit riesigem Aufwand durch Eigenproduktionen und Fakes zu erreichen. Was sagt es über die Qualität einer Agentur aus, wenn diese beweist, dass sie gut mogeln kann?
Löwen: 2 Mal Gold und 1 Mal Silber für Amnesty International in den Kategorien Outdoor & Media (2007). 3. Platz bei Media Agency of the Year 2007.

