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Richard Wolff und sein Entscheid

Pierre Rothschild

Es gibt keine Regeln, ob man in Pressemeldungen der Polizei die Nationaltät der Täter nennt, oder nicht. Das ist auch in der Schweiz nicht einheitlich geregelt. Und für alle Leser, die nicht in Zürich wohnen: an der Limmat wird jetzt heiss diskutiert, ob der Entscheid des Zürcher Polizeivorstandes Richard Wolff richtig ist, die Nationalität nur noch bei Nachfrage bekannt zu geben. Sie ist nicht automatisch in der Medienmitteilung, wird aber Journalisten sofort mitgeteilt.

Viel Sympathie hat sich der kluge Politiker in Zürich nicht eingehandelt – und das ist erschreckend. Die SVP wurde laut, denn sie will ja ihre Feindbilder so plakativ wie möglich sehen. Und auch die Reaktionen der TeleZüri-Zuschauer waren erschreckend und Markus Gilli führte das Gespräch mit dem sachlich antwortenden Polizeichef mit sehr hohem Blutdruck.

Was Richard Wolff entschieden hat, wird in Schweizer Kantonen teilweise so gehandhabt, weltweit auch in vielen Ländern. Die Tat hat, so sieht er es, mit der Nationalität nichts zu tun. Und, ich darf es schreiben, es kommt eine weitere Dimension hinzu. Richard Wolff kommt aus einer Familie, die unter dem NS-Regime gelitten hat. Wie meine auch! Wir sind im Innern sehr empfindlich, wenn wir uns an «den Juden», an «die jüdische Firma» erinnern, die dann noch in der «jüdischen Weltverschwörung» gipfelte und den «Protokollen der Weisen von Zion».

Das Feingefühl, Nationalitäten und Religionen nicht an den Pranger stellen, ist für alle, die verfolgt waren wie das jüdischen Volk, im Tun und Denken wesentlich. Das Boot war im Zweiten Weltkrieg voll in der Schweiz, das wird immer nachklingen. Wo beginnt die Information, wo beginnt Hass gegen das Fremde ? Wir Juden wollten nie als Juden genannt werden, wo es keinen Sinn machte! Nicht wenige mussten sogar ihre Namen ändern, um hier in Ruhe zu zu leben.

Aus Galewski wurde Galli und Familien, die Josselowitsch hiessen, kürzten den Namen ab, er sollte so neutraler werden. Viel wichtiger ist die Diskussion darüber, dass die Polizei noch viel aktiver sein muss, um Straftaten zu verhindern. Dass es aus der Bevölkerung viel früher Hinweise auf fragwürdige Situationen geben muss. Das alles hat mit der Nationalität nichts zu tun. Sondern mit uns allen, die hier leben.

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