24.10.2016

HWZ

«Der Dozent wandelt sich zum Trainer»

Die Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) feiert im Bereich Kommunikation ihren zehnten Bachelor-Lehrgangs-Abschluss und gleichzeitig den Start ihres zehnten Master-Jahrgangs. Anlässlich des Jubiläums erklärt Cyril Meier, Leiter Center for Communications, wie die Zukunft der Marketing-Kommunikation im Digitalzeitalter aussehen könnte.
HWZ: «Der Dozent wandelt sich zum Trainer»
«Learning-Formate wie Webinars oder Mobile Learning stossen schnell an Grenzen», sagt Cyrill Meier (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Meier, wie wurde die Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ zur grössten Ausbildungsstätte für Marketing-Kommunikation in der Schweiz?
Wir mussten und müssen den Leuten handfeste Beweggründe liefern, zu uns zu kommen. Denn wir sind ausschliesslich berufsbegleitend unterwegs und überdies ohne jegliche staatliche Finanzierung. Auf den Punkt gebracht: Die Studierenden sollen bei und mit uns einen maximalen Karriere-Nutzen erzielen und das hinsichtlich Anforderungen auch spüren. 

Wodurch unterscheidet sich Ihr Angebot von den Mitbewerbern?
Unsere Studiengänge, ob Bachelor oder Master, sind inhaltlich wie methodisch kompromisslos auf die Anforderungen des breiten Berufsfeldes Kommunikation ausgerichtet, nicht auf irgendwelche schul-interne Strukturen, Auslastungsvorgaben oder gar überkommene Pflichtstoffe. «Business Communications» heisst unsere Positionierung seit Anbeginn. Wir verflechten Business-Kompetenzen wie Management, Märkte und Gesellschaft mit kommunikativem Grundlagenwissen, Konzeption, Handwerk und operativer Anwendung, einschliesslich der neuesten digitalen Entwicklungen.

Was heisst das?
Typisch HWZ arbeiten wir dabei hochgradig strukturiert und multidisziplinär mit profilierten Profis aus Berufspraxis und Wissenschaft, sofern sie didaktisch und kulturell passen und sich langfristig engagieren. Dazu kommen starke Bildungs- und Verbandspartner wie das MAZ, die Schweizerische Text Akademie, der Verband Leading Swiss Agencies (LSA). 

Wie viele Ihrer Abgänger finden anschliessend einen Beruf in der Wirtschaft?
Eine feste Berufstätigkeit von mindestens 50 Prozent ist an der HWZ generell Bedingung, um überhaupt zum Studium zugelassen zu sein. Somit sorgen sich unsere Absolventinnen – wir haben im Bildungsbereich Kommunikation eine Frauenquote von 70 Prozent! – und Absolventen jeweils eher darum, in ihrem Wunschjob zu landen. Unser periodisches Tracking wie auch persönliche Rückmeldungen zeigen unter den mittlerweile über 900 Bachelor- und 200 Master-Ehemaligen mit wenigen Ausnahmen ein sehr erfreuliches Bild, oft auch schon während des Studiums.

Was stellen Sie fest?
Wir sehen Karrieren in allen Teilbereichen unseres Berufsfeldes und auch international, sei es im Medienbereich, Marketing oder Online Publishing, sei es im Verkauf, in der Werbung oder im Mobile Business; Karrieren auch als Geschäftsleitungsassistenten, HR-Manager, Kommunikationsberater, Category Manager, Firmeninhaber, und so weiter. Manche, wenn auch relativ wenige, sind bald nach ihrem Bachelor-Abschluss in weiterführende Master-Studiengänge verschiedener Studienrichtungen im In- und Ausland eingestiegen. Wir dürfen also feststellen, dass wir mit dem Center for Communications der HWZ einen bedeutenden Beitrag zur Professionalisierung der Kommunikation in der Unternehmensführung leisten können. 

Wie äussert sich der digitale Wandel im Bildungsbereich?
ICT und Online-Kommunikation waren schon in unseren Anfängen 2003 prominente Studien-Inhalte, und die seitherige digitale Durchdringung von Instrumenten, Handwerk, Prozessen und Umfeld im Berufsfeld Kommunikation haben wir laufend im Curriculum aufgenommen. Beispiele dafür sind eine bewertete Video-Produktion, eine ambitiöse Konzeptarbeit in Multichannel Communications sowie die Begleitung von Startups, stets an selbstgewählten Objekten. Solches wird sich zweifellos noch intensivieren.

Und sonst?
Auf methodischer Ebene ist die Lage weniger klar, bestehen doch Befunde, wonach eLearning-Formate wie Webinars oder «Mobile Learning» schnell an Grenzen stossen; wir praktizieren deshalb seit langem ein je nach Fach differenziertes Blended Learning. Der Rollenwandel vom Dozenten zum Trainer scheint mir indessen unaufhaltsam.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Studierenden mehr von den digitalen Entwicklungen verstehen als ihre Dozenten?
Die fitten Jungen gegen die verkalkten Alten – das halte ich für ein Zerrbild, auch hinsichtlich Digitalkompetenz. Schon allein deshalb, weil es ja auch den unbeweglichen 25-Jährigen und den neugierig-techaffinen 60-Jährigen gibt. Doch selbstverständlich ist an der HWZ die Fach- und Vermittlungskompetenz der Dozenten ein zentrales Thema, das wir genau verfolgen und managen.

Gleichzeitig ist es an einer berufsbegleitenden Hochschule wie der HWZ an der Tagesordnung und macht ja gerade den Reiz unseres Hauses aus, dass Studierende aus ihrem beruflichen Umfeld eine bestimmte Expertise oder ein spezifisches Kontextwissen einbringen. Entscheidend für den angestrebten Lern-Erfolg ist erfahrungsgemäss eh nicht ein jederzeitiges Besserwissen, sondern ein ganzes Bündel von sozialen, kognitiven und psychologischen Faktoren zwischen Studierenden und Dozierenden.

Welche neuen Angebote bieten Sie in Zukunft an?
Offensichtlich besteht im Bereich Unternehmens- und Marketingkommunikation weiterhin hoher Aus- und Weiterbildungsbedarf. Ein Grund dafür ist der fortschreitende Bedeutungs- und Komplexitätsanstieg der Kommunikation. Aus dem einstigen «führen heisst auch kommunizieren» ist ein umfassendes «Business benötigt professionelle Kommunikation» geworden. Daraus folgt, dass nicht einfach neue Studienangebote prioritär sind, sondern dass Kommunikations-Know-how noch konsequenter in unsere allgemeinen Business-Studiengänge einfliesst. Und dass unsere Fachstudiengänge in Business Communications ihrerseits die Management-Kompetenzen entwickeln und daneben Entwicklungen wie Konvergenz und technologischen Wandel weiterhin so gut abdecken, dass sie ihre Funktion als Karrieregrundlage und -sprungbretter halten können.

Konkreter?
Selbstverständlich denken wir gerade auch im Kreise unseres prominent besetzten Fachberats über gänzlich neue Formate, Segmente und Themen nach, wobei ich bevorzugt nach dem Motto «zersch lifere, dänn lafere» verfahre. Hier nur soviel: In einer kürzlichen Diskussion mit einem führenden Branchenkopf war die immer evidentere Digital-Knowhow-Lücke der Babyboomer-Generation in unserer Branche ein Thema. Mal schauen, was uns dazu einfällt.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen im Schweizer Bildungsmarkt?
Ich stelle fest, dass in unserem Lande kaum Lücken im Bildungsangebot bestehen, gerade auch im Fachbereich Kommunikation. Der Markt, obwohl von unnötig vielen staatlichen Akteuren geprägt, ist dynamisch und kompetitiv. Dies die gute Nachricht.

Und die schlechte?
Ich höre von Weiterbildungsinteressierten zu oft die Kritik, wie unübersichtlich, ja verwirrlich diese Bildungslandschaft doch sei. Da sind Initiativen wie sveb.ch, eggheads.ch oder neu Education Digital von Digital Switzerland sehr willkommen und hoffentlich erfolgreich. Die grösste Bildungsherausforderung bildet aber zweifellos die Verbreitung und Vertiefung der Digitalkompetenz im Lande, wie dies Experten, Politik und Medien schon seit einiger Zeit anmahnen und wofür die Bildungskapazitäten eigentlich bereit stünden. Bloss bleibt die Nachfrage seitens Wirtschaft, Verwaltung und Publikum erstaunlich flau. Ob's einfach helvetische Gelassenheit ist – oder sträfliche Überheblichkeit?

 



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