26.09.2017

Screen-up

Mehr «Aus der Region» im TV-Programm

Beim grossen Schweizer TV-Tag vom Dienstag in Zürich platzt weder Ruedi Matter noch Dominik Kaiser der Kragen. Stattdessen rühren sie die Werbetrommel für die eigenen Sender und sagen, wo die Reise hingehen soll: Richtung Eigenproduktionen.
Screen-up: Mehr «Aus der Region» im TV-Programm
Diskutierten über die TV-Zukunft (v.l.): Ruedi Matter, Matthias Ackeret, Dominik Kaiser, Bernd Reichart und Katja Hofem.
von Edith Hollenstein

Am Dienstag traf sich die Branche zur traditionellen Screen-up, dem jährlichen grossen Tag des Schweizer TVs. Das Ziel: TV als Mediengattung ins beste Licht rücken.

Vor den Screenings, dem ausgiebigen Sichten desjenigen, was die Sender künftig alles an Neuem zu bieten haben, luden die Organisatoren Admeira und Goldbach rund 170 Marketingentscheider zum Mittagessen.

Admeira-Chef trifft die Branche

Am sogenannten Captains Lunch hat der neue Admeira-Chef Bertrand Jungo seinen ersten öffentlichen Auftritt. «Ich bin ein Neuling in der Branche. Trotzdem kenne ich die Bedürfnisse der Kunden, denn ich bin ja ein ehemaliger Werbeauftraggeber», sagt Jungo. Der Ex-Manor-Chef verabschiedet sich jedoch nach nicht einmal fünf Minuten wieder von der Bühne, mit dem Versprechen, die Erwartungen zu erfüllen, ja sogar übertreffen zu werden.

An seiner Stelle nehmen auf der Bühne Katja Hofem (Geschäftsleitung ProSiebenSat.1 TV Deutschland), Bernd Reichart (Geschäftsführung Vox), Dominik Kaiser (Geschäftsführer 3+) und Ruedi Matter (Direktor SRF) Platz.

Gute Quoten, gute Umsätze

Im Gegensatz zur wichtigsten Veranstaltung der Verleger-Branche vor zwei Wochen in Luzern gibt es in der Maaghalle Zürich keinen Eklat. Weder Ruedi Matter noch Dominik Kaiser platzt der Kragen. Statt sich gegenseitig zu provozieren, rühren beide die Werbetrommel für die eigenen Sender. «Für uns ist das aktuelle Jahr ein gutes Jahr, das meine ich bezüglich Programm und auch bezüglich der Umsätze», sagt Kaiser. Und Matter spricht nicht von den Umsätzen, weil seine Programme «ja von Admeira vermarktet werden», sondern von Quoten: Bei durchschnittlich 30 Prozent Marktanteil liege SRF im laufenden Jahr. Auch bei der Frage von Moderator Matthias Ackeret («persönlich»-Verleger), inwiefern sich diese Quoten in Umsätzen niederschlugen, konnte Matter nicht antworten. Er verwies auf Admeira.

«Aus der Region» im Trend

Einig sind sich Kaiser und Matter in einem: Eigenproduktionen. Sendungen mit dem Label «Aus der Region» sollen ins Programm. «Wir setzen noch mehr eigenen Content, mehr tolle, spannende, packende Schweizer Inhalte», sagt Kaiser. Dem pflichten Hofem und Reichart bei. Ruedi Matter führt aus: «Wir haben kaum mehr amerikanische Serien im Programm, sondern der Löwenanteil kommt aus Europa».

Laut dem obersten SRF-Chef laufen fiktionale Eigenproduktionen besonders gut, so zum Beispiel der Doku-Zweiteiler «Gotthard» oder die Krimiserie «Bestatter». Letzteren konnte SRF dem amerikanischen Streaming-Anbieter Netflix verkaufen. Dort ist die Serie mit Mike Müller in der Hauptrolle mittlerweile in mehreren Sprachen erhältlich. Für die nächsten Monate kündigt Matter zwei neue «vielversprechende» Eigenproduktionen an: «Private Banking» (Matter: «eine neue Serie mit grosser visueller Qualität») und «Seitentriebe». «Mit dieser Serie wollen wir ein Publikum um 40 Jahre ansprechen», so Matter.

Dominik Kaiser seinerseits konkretisiert «Eigenproduktionen» in der Miss-Schweiz-Wahl, die sein Sender lancieren werde. «Das werden wir ganz gross anrühren». Zudem werde 3+ einen eigenen Schweizer Krimi produzieren, in welchem ein Secondo aus der Stadt und eine auf dem Land lebende Schweizerin verschiedene Kriminalfälle lösen.

17 Prozent nutzen SRF zeitversetzt

Dann diskutiert die Runde über Catch-up-TV, ein aus Branchensicht nach wie vor ungelöstes Problem. Wenn die Leute Sendungen zeitversetzt oder über eine zweite oder dritte Distributionsplattform anschauen, verliert der ursprüngliche Produzent des Inhalts die Kontrolle darüber, ob und welche Werbung der Nutzer vor dem Beitrag sieht. 17 Prozent der Nutzung der SRF-Sendungen erfolge zeitversetzt, sagte Matter: «in der Tendenz steigend».

Zum Schluss blickt die Runde Richtung USA. Vom grossen Konkurrenten Netflix sind die vier Chefs vor allem in punkto Empfehlungsmarketing beeindruckt. Netflix könne die Nutzerdaten extrem gut auswerten und für die Kundenbindung verwenden. Dieser Player stehe in einem globalen Markt und in viel weniger reglementiertem Umfeld. Auch in der Schweiz müssten die Bedingungen liberaler werden, forderte Kaiser.

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