28.03.2017

Podiumsdiskussion

«Das Bedürfnis nach gutem Journalismus wieder neu wecken»

Werbegelder wandern zu den Internetgiganten wie Google und Facebook. Sollen Schweizer Medienhäuser dem mit Kooperationen begegnen oder ist gar mehr Konkurrenz gefragt? Die wichtigsten Aussagen von Roger de Weck, Pietro Supino, Alexander Duphorn und Mark Eisenegger.
Podiumsdiskussion: «Das Bedürfnis nach gutem Journalismus wieder neu wecken»
Diskutierten über die Lage der Schweizer Medien (v.l.): Alexander Duphorn (CEO Goldbach Media), Pietro Supino (unter anderem Tamedia-Verwaltungsratspräsident), Moderator Christof Moser (Project R), Roger de Weck (SRG-Generaldirektor) und Mark Eisenegger (Präsident Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft). (Bild: Tim Frei)
von Tim Frei

Sind Google und Facebook die grossen Konkurrenten für Schweizer Medienhäuser? Oder ist es die SRG? Wie ist die Werbeplattform Admeira zu werten? Gibt es in der Schweiz bereits zu viel Kooperation im Medienbereich? Das Podium im Zürcher Mascotte vom Montag stand unter dem Motto «Schweizer Medien: Kooperation versus Konkurrenz». persoenlich.com mit den wichtigsten Aussagen der Gäste:

Roger de Weck, SRG-Generaldirektor

«Dass die Mehrheit der Werbung zu den globalen Playern Google und Facebook fliesst, wird die Schweizer Medienlandschaft verändern. Das Problem liegt nun darin, dass diese Unternehmen die Gelder nicht in den Journalismus reinvestieren. Eine weitere Herausforderung für Schweizer Medien sehe ich in der Gratismentalität. Wollen wir diese Probleme lösen, braucht es Kooperationen wie beispielsweise Admeira. Auch die Tamedia wäre dabei willkommen, aber sie will leider nicht. Den Vorwurf, dass wir die Privaten im Internet konkurrenzieren, weise ich klar zurück. Schliesslich sind wir im Vergleich zu den Onlineportalen von Blick oder 20 Minuten ein mittlerer Player, was die Reichweite betrifft.»

Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident Tamedia, Präsident Verband Schweizer Medien

«Nebst dem Strukturwandel in der Medienbranche und den ausländischen Werbefenstern werden die Schweizer Medienhäuser durch eine starke SRG, die durch die Gebührengelder einen grossen Wettbewerbsvorteil hat, herausgefordert. Der Konflikt beginnt dort, wo die SRG auf Kommerzialisierung setzt, was nicht ihre Aufgabe ist. Daher sollten ihr im Digitalen Grenzen auferlegt werden. Wir sind nicht gegen eine starke SRG, sie sollte sich aber auf ihre audiovisuellen Inhalte konzentrieren. Bezüglich der Admeira fordern wir eine Branchenlösung, zu der alle Medien unter den gleichen Bedingungen Zugang haben. Dies würde den Markt nicht verzerren und stattdessen für eine reiche Medienkultur sorgen. Wir sollten uns in Zukunft mehr mit unseren Nutzern auseinandersetzen, um deren Bedürfnissen besser gerecht zu werden.»

Alexander Duphorn, CEO Goldbach Media

«Der Transfer der Werbegelder zu Google und Facebook aber auch zum Fernsehen ist grundsätzlich positiv zu werten, da dieser zu mehr Medienvielfalt führt. Im Zuge dieser Entwicklung ist die SRG allerdings immer stärker geworden. Sie sollte nicht noch weiterwachsen. Admeira sehe ich aus zwei Gründen kritisch: Einerseits konkurrenziert sie Mediaagenturen und andere Player. Andererseits vermarktet sie ausländische Werbefenster, die von der SRG oft als grosse Gefahr für den hiesigen Medienmarkt eingestuft werden.»

Prof. Dr. Mark Eisenegger, Präsident Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft

«Die These, die SRG würde die Privaten im Internet wegdrängen, ist empirisch nicht haltbar. Wir sollten uns von dieser Debatte lösen und uns der zentralen Herausforderung, dass dem Informationsjournalismus die Finanzierungsbasis wegbricht, widmen. Auch die abnehmende Bereitschaft für gute Medieninhalte zu zahlen, sollte angegangen werden. Wir müssen das Bedürfnis der Bürger nach gutem Journalismus wieder neu wecken. Das haben wir in den letzten Jahren massiv vernachlässigt. In den Schulen wird alles Mögliche gelehrt. Doch zur Zeitungslektüre oder zur Debatte über die spannenden Themen kommt es selten. Wir müssen deshalb wieder einen Markt für Informationsmedien schaffen, da diese den Status von früher verloren haben.»

«20 Minuten» kein Boulevard?

Für Gelächter im Publikum sorgte derweil die Aussage von Supino, «20 Minuten» sei kein Boulevardmedium. «Dieses Medium nimmt für sich nicht in Anspruch, Vertiefung zu bieten. Aber es leistet einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag», so der VSM-Präsident weiter. De Weck nahm diese Steilvorlage dankend an und meinte: «Wenn 20 Minuten nicht Boulevard ist, dann ist das SRG-Angebot NZZ-like.»


Die Podiumsdiskussion ist Teil der Event-Reihe «publi.kum+», die von Mediapoint in Zusammenarbeit mit dem Fachverein Publizistik der Universität Zürich organisiert wird.

 

 



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Kommentare

  • Irène Dietschi, 30.03.2017 08:25 Uhr
    Vielleicht würde es den Organisatorinnen und Organisatoren gut anstehen, diese Events nicht als reine Männerrunden zu konzipieren?

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