06.09.2016

Media Use Index 2016

Jeder dritte Online-Leser kommt über Social Media oder Push

Die Frontseite von Onlineplattformen verliert immer mehr an Relevanz. Diese und weitere Entwicklungen zum Mediennutzungsverhalten präsentiert der MUI-Bericht. Sechs Ergebnisse und sechs Grafiken dazu.

Das Surfen per Tablet hat die Nutzung von Tageszeitungen eingeholt. Die 14- bis 19-Jährigen nutzen Snapchat und Instagram inzwischen mehr als Facebook. Das Smartphone wird mehr als Messenger statt als Telefon verwendet. Und wichtige News erfahren bereits 31 Prozent der Befragten zuerst via Push-Nachrichten oder über Social Media. Zu diesen und noch weitere Schlüssen kommt der Media Use Index (MUI), welche die Y&R Group Switzerland bereits zum achten Mal durchgeführt hat. Ein Überblick über sechs wichtige Ergebnisse daraus.

1. Internetnutzung per Tablet holt Tageszeitungen ein

Die Internetnutzung per Smartphone konnte im vergangenen Jahr noch einmal zulegen und nähert sich mit 86 Prozent der Internetnutzung per Computer (88 Prozent) an. Radio, Gratiszeitungen und Tageszeitungen stagnieren in der Nutzung.

Laut dem Media Use Index 2016 hat die Internetnutzung per Tablet den Gebrauch von Tageszeitungen eingeholt. Trotzdem fliessen in der Schweiz laut Zahlen von Media Focus noch immer 42 Prozent der Werbegelder in Printmedien und nur 11 Prozent in Onlinekanäle. 

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2. 96 Prozent der Digital Natives nutzen über ihr Smartphone das Internet

Mit einem erneuten Anstieg von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist das Surfen unterwegs für die 14- bis 29-Jährigen nicht mehr aus ihrem Alltag weg zu denken. Aber auch die Digital Immigrants holen weiter auf. Der Anstieg beträgt 13 Prozent, wobei nun 88 Prozent mit dem Smartphone surfen. Der Anteil der mobilen Silver Surfer mit dem Smartphone steigt mit 23 Prozent am stärksten an. In diesem Segment nutzen nun 70 Prozent das Internet per Smartphone.

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3. Smartphone wird zum Messenger und Shopping-Tool

Die meistgenutzte Funktion auf dem Smartphone ist das Schreiben und Lesen von Messages. Bei den Digital Natives findet sich Telefonieren nicht einmal mehr unter den Top 5 der wöchentlichen Aktivitäten auf dem Smartphone.

Das Smartphone wird über alle Generationen hinweg immer mehr auch als Transaktionsmedium genutzt. So geben 66 Prozent an, dass sie das Smartphone schon mal zum Online-Shoppen verwendet haben. Dies ist ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Digital Natives sind auch in dieser Kategorie führend. 79 Prozent shoppen bereits fallweise mit dem Smartphone, 53 Prozent sogar auf monatlicher Basis. Auch Mobile Banking und Mobile Payment erfreuen sich über alle Generationen hinweg steigender Beliebtheit. Mittlerweile haben schon 53 Prozent (+ 12 Prozent) Bankgeschäfte über ihr Smartphone getätigt und 38 Prozent (+16 Prozent) haben bereits ihr Mobile verwendet, um an der Kasse zu bezahlen oder Geld zu übermitteln (P2P).

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4. Snapchat und Instagram überholen Facebook

Social Networks wurden den Digital Natives sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Entsprechend wichtig erachten sie die verschiedenen Social Media Plattformen, welche gegenüber 2015 weiter an Relevanz gewinnen. Dabei nimmt WhatsApp auch dieses Jahr die Spitzenposition ein; 84 Prozent bewerten Whatsapp als wichtig oder sehr wichtig. Facebook, Instagram und Snapchat wachsen deutlich dynamischer als letztes Jahr. Twitter hingegen kann im Gegensatz dazu nicht mithalten und stagniert bei lediglich 16 Prozent.

Das Wachstum von Snapchat in der Schweiz setzt sich auch dieses Jahr eindrücklich fort. Das Teilen und Konsumieren von Momentaufnahmen gehört inzwischen zum Alltag der Digital Natives. Bei den 14- bis 19-Jährigen liegt die Nutzung von Snapchat mit 74 Prozent (+27 Prozent) gleichauf mit Instagram und damit sogar erstmals über dem von Facebook (67 Prozent). Doch auch die restlichen Digital Natives nutzen immer mehr zumindest ab und zu Snapchat. Durchschnittlich verwenden 46 Prozent der Digital Natives Snapchat, was einem Anstieg von 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

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5. News-Medien verlieren ihre Titelseite

Über alle Generationen hinweg gelangen bereits 31 Prozent via Social Media oder Push-Benachrichtigungen auf direktem Wege zu wichtigen News und den dazugehörigen Artikeln. Das bedeutet, dass die meistgesehene Seite jedes Online-News-Mediums – die Website – an Relevanz verliert.

Bei den Digital Natives ist diese Entwicklung am weitesten fortgeschritten. Bereits 46 Prozent geben an, von wichtigen News eher über Social Media oder Push-Benachrichtigungen, statt über das eigentliche Newsportal zu erfahren. Im Kampf um Aufmerksamkeit der Leser tun sich für die News-Medien folglich zwei neue Schlachtfelder auf.

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6. Streaming überholt klassisches Fernsehen

Schlechte Nachrichten für die klassische Fernsehwerbung: Bei den Digital Natives hat das Streaming mit 63 Prozent den klassischen Live TV Konsum (47 Prozent) klar verdrängt. Gleichzeit gewinnt aber das zeitversetzte Fernsehschauen in dieser Altersklasse an Beliebtheit. Das Konsumverhalten der Digital Immigrants blieb gegenüber dem vergangenen Jahr fast in allen Bereichen konstant. Nur das Bedürfnis TV-Inhalte zu downloaden nimmt, wie auch bei den Silver Surfern, ab. Dies lässt sich vermutlich auf die verbesserten Streaming-Möglichkeiten zurückführen.

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Die Studie Media Use Index untersucht das Mediennutzungs- und Informationsverhalten der Schweizer Bevölkerung. Für den Quervergleich unterteilt die Studie die Online-Bevölkerung in drei Generationen: Digital Natives (14-29 Jahre), Digital Immigrants (30-54 Jahre) und Silver Surfer (55-69 Jahre). Die Studie wurde 2009 erstmals durch die Y&R Group Switzerland durchgeführt. 2016 erscheint nun die achte Auflage der Studie. Hierfür wurden 2000 Personen zwischen 14 und 69 Jahren aus der Deutsch- und Westschweiz online zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ gemäss den offiziellen Strukturdaten der Schweiz. (pd/wid)



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Kommentare

  • Johannes F. Reichert, 07.09.2016 16:10 Uhr
    Ohne Legende und Beschriftung machen noch so schöne Grafiken keinen Sinn!
  • Sandro Prezzi, 08.09.2016 09:29 Uhr
    Tja das ist das Resultat einer Online Befragung - über die Online-Nutzung. Nicht mehr als eine Tendenz und klar zu Gunsten von Online tendierende Ergebnisse. Kein Wunder: in Online Befragungen antworten "Online-Heavy-User" - die selten- bis garnicht User geben dazu keine Antworten. Also etwas kritischere Sicht wäre angebracht und wenn schon Online - dann Nutzungsstudie (quantitative Messung). Ist eine Studie, die von Y&R bezahlt wird und vom New Business Direktor geleitet wird.

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