TV-Kritik

Tops und Flops im SRF-Sommerprogramm

Das SRF-Sommerprogramm geht in die zweite Woche. Vier Sendungen habe ich mir in den letzten sieben Tagen angeschaut. Auf zwei der siebenteiligen Reihen kann und werde ich getrost verzichten. Die Gewinner zuerst:

**** «Üse Buurehof»
Sechs geistig behinderte Menschen zwischen 13 und 50 Jahren arbeiten und leben einen Sommer lang auf dem Erlebnishauernhof Weiernheim beim luzernischen Triengen. Dominique, Niklaus und Remo sind den Zuschauern schon seit Jahren bekannt. Die drei Protagonisten waren bereits in den Sommerreihen «Üsi Badi» (2010) und «Üse Zoo» (2013) mit von der Partie. Der 50-jährige Remo wurde damals zu einem Publikumsliebling. Und er gibt erneut als «Chef» den Ton an. «Üse Buurehof» bei der herzlichen, neunköpfigen Gastgeberfamilie Tony und Anita Kaufmann ist eine berührend-echte Sendung. Gerne werde ich wieder reinschauen.

**** «Donnschtig-Jass»
Volle Dorfplätze in sieben Gemeinden und Kantonen, fröhliche Menschen, Jass, Spass und Musik – der «Samschtig-Jass» ist seit Jahrzehnten ein sicherer Wert im TV-Sommerprogramm. Roman Kilchsperger moderiert erhaben und mit ansteckender Begeisterung. Matthias Hüppi war prominenter Gast in der ersten Sendung. Der Sportmoderator und Hobbymusiker brachte seine Band mit – und versuchte sich als Wassersportler. Hüppi mag ich einfach. Kilchspergers Buddy Reto Scherrer (moderiert ab Ende August den «Samschtig-Jass») könnte gleich zu Beginn jeder Sendung eine Eselsmütze aufsetzen. Die Produzenten der Sendung machen ihn zum Löli. Er macht den Löli. Und macht sich zum Löli. In den Warm-ups ist es dem Vernehmen nach noch krasser. Wäre der Ostschweizer kleiner und leichter, würde er prima in den rechten Arm von Kliby passen. Und dieser könnte auf seine Bauchrednerkunst verzichten. An Scherrers Stelle würde ich an kühleren Tagen mal gründlich über die Bücher gehen.

*** «Geboren am...»
Die Serie erzählt Geschichten von je drei Menschen, die am gleichen Tag geboren wurden. In der ersten Folge wurde unter anderem über Ereignisse aus dem Leben von Mike Müller berichtet. Dieser schilderte sehr ernsthaft, ja griesgrämig. Kä Luscht. Je nach Zeit und Wonne werde ich mir noch zwei (hoffentlich munterere) Folgen ansehen: Jene mit Maria Walliser und Hausi Leutenegger.

** «Fiirabig»
In jeder Folge werden drei Personen von der Arbeit in den Feierabend begleitet. Der Auftakt war so langweilig wie Rotkäppchen ohne Wolf. Auf diese Reihe werde ich gerne verzichten. Wir wissen: Das Schweizer Fernsehen hat Kohle satt und viel Personal. Doch: Von den obigen Sommerreihen hat der Sender nur gerade den «Donnschtig-Jass» selber produziert. «Üse Buurehof» und «Geboren am...» stellte «B&B Endemol Shine» her. Einwandfrei. «Fiirabig» ist von Mediafisch. Das Sahlenweidli (2004) lässt grüssen: Am Freitag startet überdies die Serie «Dahinden vor 500 Jahren». Danke, ohne mich.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Dieter Widmer, 11.07.2017 09:18 Uhr
    Ich habe gar nichts gegen Ostschweizer. Aber diesen Reto Scherrer ertrage ich schon im Radio nicht, geschweige wenn ich ihn dazu noch anschauen muss. Sein überhastetes Reden mag ich einfach nicht. Ich werde umschalten.
  • Thomas Aebi, 17.07.2017 11:46 Uhr
    Dass der SRF - Direktor de Weck mit diesen und den alten Serien "Bonanza" und ähnlichem Schmarren sein eigenes Fernsehprogramm wieder und wieder uns vorsetzen kann, darf und muss, ist doch eine Körperverletzung = =:-) an uns! Wir sind das Publikum und wir bezahlen die Radio und Fernsehgebühren mehrheitlich! So zum Beispiel würde ich eher sagen und wünschen dass man doch die alten, bekannten, geliebten Schweizer Produktionen mit den bekannten Schauspielern, sowie auch schon mit den verstorbenen Schauspielern wieder einmal ins Programm ( Hinter den sieben Geleisen, Polizist Wäckerli, Ueli der Knecht, Ueli der Pächter, Gilberte de Courgenay, Hotel, und ähnlichen Schweizer Filmen sowie Unterhaltungssendungen)! Die sieben Kummerbuben, aufnehmen könnte, dürfte, sollte und müsste! Wie wäre dass, dass man etwas mehr von anderen Sportübertragungen ins Programm nimmt, wo auch die Schweizer Sportler mehr gewinnen und auch das verdienen zu gewinnen ( EF 1 ( Sauber gewinnt ja schon lange nicht mehr, im = F 1) / Behinderten-Sportanlässe / Pferdesportanlässe = Military, Pferderennen, Spingen / ! An Fussball - Live - Spielen sollten die Fans 1 : 1 in die Stadions schauen gehen können und dürfen! So verdienen die Fussball-Club`s mehr und das SRF braucht weniger Geld von uns Zuscahauern! Die nationalen Skirenn-Übertragungen sollen weiterhin von SRF gemacht und übertragen werden können! Und in: "Die Badi" war es "noch interessant" und Zuschauerfreundlich diese Dokumentation anschauen zu können und zu dürfen! Doch die Sendungen: "Üse Zoo" und Üse Buurehof" werde ich mir nicht ansehen und antun, um jedesmal mitzuerleben wie mehrheitlich "Remo" sich selbst als "Chef" aufspielt und sich bemitleidet keine Freundin zu haben, und sich aufdringlich seine Anbandelsprüche bei vielen Frauen zu platzieren! Es gibt auch andere Personen in dieser Personengruppe die auch mehr Anteilnahme und Mittelpunkt stehen! Es dürften wirklich auch mal andere Behinderte Menschen zum Zug kommen um solche Ferien als Bereicherung und Abwechslung in deren Leben haben dürfen und müssen! Wieso wird und lässt man in politischen Sendungen und anderen Diskusionsssendungen alle Personen untereinander und miteinander gleichzeitig reinquatschen und diskutieren? Hat sich das SRF - Fernsehen mal überhaupt gefragt und sich darüber Gedanken gemacht? Kann ja zum Glück immer noch auf andere Sender wechseln!
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