25.10.2021

Hassrede und Fake News

Facebook tat zu wenig

Facebook-Mitarbeitende haben das weltgrösste soziale Netzwerk jahrelang gewarnt, angesichts des rasanten Wachstums zu wenig gegen Hassrede und Falschinformationen zu tun. Das geht aus internen Dokumenten hervor, aus denen mehrere Medien am Montag zitierten.
Hassrede und Fake News: Facebook tat zu wenig
Der Konzern sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, in mehreren Fällen Profite über das Wohl der Nutzer gestellt zu haben. (Bild: zVg)

Den Dokumenten zufolge wusste der US-Konzern, der mehr als 2,8 Milliarden Nutzer weltweit zählt, dass er zu wenig Mitarbeitende mit Sprachkenntnissen und Informationen über lokale Veranstaltungen beispielsweise in Schwellenländern eingestellt hatte. Das sei vor allem in von Gewaltausbrüchen besonders stark bedrohten Ländern wie Myanmar und Äthiopien gefährlich, warnte demnach ein Mitarbeiter intern.

Aktuell ist Facebook in mehr als 190 Ländern aktiv und Inhalte werden in mehr als 160 Sprachen veröffentlicht. Mehr als 90 Prozent der monatlich aktiven Nutzer leben ausserhalb der USA und Kanada.

Zudem geht aus den Dokumenten hervor, dass dem Konzern bewusst war, dass die Systeme zur Überwachung der Inhalte nicht ihren Aufgaben gerecht wurden und es für Nutzer verhältnismässig kompliziert war, umstrittene Posts zu melden, die möglicherweise gegen die Regeln verstiessen.

In den Berichten geht es unter anderem darum, dass Facebook nach der US-Präsidentenwahl die Massnahmen gegen Falschinformationen schnell gelockert und dadurch Donald Trump und seinen Anhängern Raum für Behauptungen über Wahlfälschung gelassen habe. Am 6. Januar stürmten die Anhänger des abgewählten Präsidenten den US-Kongress in Washington.

Facebook beschäftigt Menschenrechtler

Eine Facebook-Sprecherin sagte der Washington Post, die nun veröffentlichten Berichte gingen auf ausgewählte Dokumente ohne jeglichen Kontext zurück. Das Online-Netzwerk wies erneut den Kern-Vorwurf zurück, dass es Profit über das Wohl der Nutzer stelle.

«Ja, wir sind ein Unternehmen und wir machen Gewinne, aber die Idee, dass wir dies auf Kosten der Sicherheit und des Wohlergehens der Nutzer erzielen, missversteht, wo unsere geschäftlichen Interessen liegen», sagte ein Sprecher. Die Wahrheit sei, dass man 13 Milliarden Dollar investiert habe und 40'000 Personen beschäftige, um für die Sicherheit der Nutzer zu sorgen.

Eine Firmensprecherin teilte mit, Facebook beschäftige Muttersprachler, die Inhalte in mehr als 70 Sprachen weltweit prüften, und zudem auch Menschenrechtsexperten.

Ein Kongressmitarbeiter machte einem internationalen Konsortium von Journalistinnen und Journalisten geschwärzte Versionen von Enthüllungen zugänglich. Diese hatte vor drei Wochen die frühere Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen an den amerikanischen Kongress und die US-Börsenaufsicht (SEC) übergeben (persoenlich.com berichtete). Auch die Nachrichtenagentur Reuters nahm Einsicht in Dokumente und führte Gespräche mit fünf früheren Facebook-Angestellten.

Mehr Transparenz gefordert

Haugen forderte von dem weltgrössten Internetnetzwerk mehr Transparenz und sprach sich für eine Regulierung des am Markt rund eine Billion Dollar teuren US-Technologiekonzerns aus. In London wiederholte sie vor einem Ausschuss des britischen Parlaments am Montag ihre Vorwürfe gegen Facebook und Konzernchef Mark Zuckerberg, Profite über das Wohl der Nutzer gestellt zu haben.

Der Algorithmus, den Facebook nutze, sei «gefährlich», sagte sie. So würden Beiträge mit vielen Likes und Kommentare prominent angezeigt, aber gefährliche Inhalte dabei nicht aussortiert. Lediglich drei Prozent von Hassrede und Gewalt würden von der Plattform entdeckt.

Haugen hatte bereits massive Kritik an Facebook mit dem Vorwurf ausgelöst, dass der Konzern sich zu wenig um das Wohlergehen von Teenagern bei der Fotoplattform Instagram sorge.

In der Schweiz konnten laut eigenen Angaben das Recherchedesk von Tamedia und «Das Magazin» die sogenannten Facebook Files studieren. Auswertungen spezifisch zur Schweiz seien nicht dabei, hiess es. Doch in einer Studie zu Ängsten von Teenagern im Umgang mit Instagram tauchte demnach auch ein Studienteilnehmer mit einem Post aus Basel auf. (sda/reu/dpa/lol)


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