22.07.2021

Pegasus-Affäre

Frankreich startet Untersuchungen

Nebst Staatschef Emmanuel Macron könnten 30 französische Journalisten und Verleger abgehört worden sein.
Pegasus-Affäre: Frankreich startet Untersuchungen
Nimmt die Enthüllungen zur Überwachungssoftware Pegasus «sehr ernst»: der französische Staatschef Emmanuel Macron. (Bild: Keystone/EPA/Christian Hartmann)

Nach Medien-Enthüllungen zur Überwachungssoftware Pegasus untersucht Frankreich nun die Vorwürfe. Staatschef Emmanuel Macron leitete am Donnerstag ein Sondertreffen des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung, wie Kreise des Präsidentenpalastes bestätigten. «Der Staatspräsident nimmt das Thema sehr ernst und verfolgt die Fortschritte der Untersuchung genau», hiess es.

Macron und mehrere Regierungsmitglieder waren nach Informationen der Tageszeitung Le Monde 2019 mögliche Ziele der Überwachungssoftware Pegasus des israelischen Anbieters NSO. Eine von Macrons Mobilfunknummern stehe auf einer Liste eines marokkanischen Sicherheitsdienstes für eine mögliche Ausspähung.

Falls sich die Sachverhalte als richtig erweisen sollten, seien «sie natürlich sehr schwerwiegend», hiess es weiter aus den Kreisen. Es gebe aber bisher keine Gewissheit, deshalb sei Vorsicht angebracht. Élyséekreise hatten bereits nach der Veröffentlichung mitgeteilt, die Medieninformationen bedeuteten nicht, dass Macrons Handy tatsächlich ausgespäht wurde. Marokko dementierte jegliche Beteiligung an der Überwachung von Personen des öffentlichen Lebens.

Pegasus nutzt Sicherheitslücken in Smartphone-Software, um weitreichenden Zugriff auf Daten zu erlangen. Regierungssprecher Gabriel Attal sagte im Radiosender France Inter, die Mobiltelefone des Staatschefs würden regelmässig ausgewechselt.

Die Nummern der französischen Staatsspitze gehören zu einem Datensatz mit mehr als 50'000 Telefonnummern, die ein internationales Journalistenkonsortium gemeinsam mit den Organisationen Forbidden Stories und Amnesty International auswertete, so Le Monde. Die Nummern sollen den Berichten zufolge offenbar von Kunden von NSO als potenzielle Ausspähziele ausgewählt worden sein. NSO hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und einzelne Details aus den Berichten bestritten. An dem Journalistenkonsortium sind auch die Süddeutsche Zeitung, NDR, WDR und die Zeit beteiligt (persoenlich.com berichtete).

Nach einem weiteren Bericht von Le Monde fanden sich auf der Liste auch rund 30 Journalisten und Chefs von Medienunternehmen in Frankreich. Nach einer Anzeige von zwei Journalisten und der Verlagsgesellschaft der Online-Plattform Mediapart hatte die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. (sda/dpa/cbe)



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