12.09.2013

Swisscom

Geschwindigkeiten auf Festnetz sollen sich massiv erhöhen

Dieses Jahr werden 1,75 Milliarden Franken investiert.

Im Geschwindigkeitsrennen zwischen der Swisscom und den Kabelnetzbetreibern tritt der "Blaue Riese" kräftig aufs Gas: Auf dem Kupfernetz soll das Tempo verdoppelt werden, auf den Glasfaseranschlüssen in den Haushalten gar verzehnfacht.

Jene 700'000 Kunden, die bereits einen Glasfaseranschluss in der Wohnung haben, könnten bereits ab Ende Jahr mit einem Spitzentempo von 1 Gigabit pro Sekunde durchs Internet sausen, sagte Swisscom-Interimschef Urs Schaeppi am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Das ist zehnmal mehr als heute. So schnell sei kein anderer Anbieter in der Schweiz. Damit will die Swisscom der Konkurrenz durch die TV-Kabelnetzbetreiber Paroli bieten. So macht sich zum Beispiel UPC Cablecom, die bereits jetzt Geschwindigkeiten von bis zu 150 Megabit pro Sekunde anbietet, seit langem in der Werbung über die langsamen Swisscom-Anschlüsse lustig.

In über 50 Städten und Gemeinden legt die Swisscom - teils gemeinsam mit den E-Werken und Kabelnetzanbietern - Glasfasern bis zum Endkunden. Bis Ende 2015 sollen eine Million Wohnungen und Geschäfte durchgehend an die ultraschnellen Leitungen angeschlossen sein.

Schub auf dem Kupfernetz
Auch ins traditionelle Kupfernetz, das der Flaschenhals der Swisscom ist, soll mehr Schub kommen. "Das Kupfernetz ist noch lange nicht am Ende", sagte Schaeppi. Dank einer neuen Software in den Quartierverteilkästen werde die Geschwindigkeit ab Anfang nächsten Jahres verdoppelt. Damit seien Übertragungsraten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich.

Heute liegen sie bei maximal 50 Megabit pro Sekunde. Das ist allerdings die theoretische Höchstgeschwindigkeit, die bei weitem nicht alle Anschlüsse hergeben. Denn je länger die Kupferleitung von der Ortszentrale oder vom Quartierverteilkasten bis zum Endkunden ist, desto geringer ist die Geschwindigkeit, die der Nutzer erhält.

Zudem stören sich die Kupferleitungen gegenseitig. Je mehr Kabel in einem Strang zusammengefasst sind, desto grösser sind die Störungen, die das Tempo bremsen. Gewisse Anschlüsse leisten nicht einmal 10 Megabit pro Sekunde. Mit neuer Software und Hardware in den Quartierverteilkästen könne man nun diese Störungen, das so genannte Übersprechen der Kabel, eliminieren, erklärte Schaeppi. Dadurch liessen sich die heutigen Geschwindigkeiten verdoppeln.

Glasfaser näher an Häuser ziehen
Gleichzeitig will die Swisscom ausserhalb der Ballungsgebiete die Leitungslänge zwischen Kunde und Verteilknotenpunkt kürzen, um auf dem Kupfernetz schneller zu werden. Dazu will die Swisscom die Glasfaserleitungen und die entsprechende elektronische Ausrüstung bis in die Verteilschächte der einzelnen Strassen legen, statt wie bisher nur in die Quartierkästen. Dadurch nimmt die Länge des Kupferkabels von maximal 750 Meter auf rund 200 bis 250 Meter ab. Bei grösseren Wohnblöcken legt die Swisscom die Glasfaserleitungen gleich bis in den Keller.

Bis Ende 2015 sollen mehr als 1,3 Millionen Haushalte über das Kupfernetz Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erhalten. Danach soll der neue technische Standard "G.fast" (sprich: Dschi-dot-fast) sogar ein Spitzentempo von 500 Megabit pro Sekunde ermöglichen.

Im Jahr 2020 sollen in über 80 Prozent der 4,7 Millionen Wohnungen und Geschäfte in der Schweiz Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr möglich sein. Insgesamt will der "Blaue Riese" heuer 1,75 Milliarden Franken in die Infrastruktur investieren. Davon gehe der grösste Teil ins Festnetz, sagte Schaeppi. (sda)


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