08.01.2021

Twitter

Konto von Donald Trump dauerhaft gesperrt

Der Kurznachrichtendienst gibt als Grund das «Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt» an. Der abgewählte US-Präsident hatte auf seinem Twitter-Account mehr als 88 Millionen Follower. Er erhob schwere Vorwürfe.
Twitter: Konto von Donald Trump dauerhaft gesperrt
Noch-US-Präsident Donald Trump muss nun ohne Twitter auskommen. (Bild: Keystone/DPA/Christophe Gateau)

Vor einem drohenden Amtsenthebungsverfahren wegen «Anstiftung zum Aufruhr» hat der abgewählte US-Präsident Donald Trump mit einer Twitter-Sperre seine wichtigste Kommunikationsplattform verloren. Der Kurznachrichtendienst teilte am Freitagabend (Ortszeit) mit, Trumps Konto @realDonaldTrump werde dauerhaft gesperrt. Grund sei das «Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt» nach dem Sturm des Kapitols in Washington durch Trump-Anhänger. Kritiker werfen dem Republikaner vor, seine Unterstützer angestachelt zu haben. Die Demokraten im Repräsentantenhaus treiben deswegen die Vorbereitungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren voran.

Trumps Amtszeit endet am 20. Januar mit der Vereidigung des Demokraten Joe Biden. Twitter ist Trumps mit Abstand bedeutendste Kommunikationsplattform gewesen. Über seinen Account @realDonaldTrump hatte er sich teils dutzendfach am Tag direkt an seine mehr als 88 Millionen Follower gewandt. Die Tweets auf dem Konto waren am Freitagabend nicht mehr zugänglich. Twitter führte zur Begründung der neuen Sperre zwei Trump-Tweets vom Freitag an, die in der Kombination aus Sicht des Unternehmens gegen die Richtlinie zum Verbot der Gewaltverherrlichung verstiessen.

Vorwürfe gegen Twitter

Trump erhob schwere Vorwürfe gegen Twitter. In einer über Journalisten im Weissen Haus verbreiteten Mitteilung Trumps hiess es: «Twitter-Mitarbeiter haben sich mit den Demokraten und der radikalen Linken bei der Entfernung meines Kontos von ihrer Plattform abgesprochen, um mich zum Schweigen zu bringen – und Euch, die 75 Millionen grossartigen Patrioten, die mich gewählt haben.» Belege für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Trump kündigte an, man sei mit mehreren anderen Webseiten in Verhandlung und ziehe auch den Aufbau einer eigenen Plattform in Betracht.

Nach der Sperrung seines privaten Twitterkontos verbreitete Trump seine Erklärung auch über das offizielle Twitterkonto des Präsidenten @POTUS (@President Of The United States) und über das Konto seines Teams @TeamTrump. Twitter löschte jedoch die Tweets bei @POTUS und sperrte @TeamTrump ganz.

Trump könnte künftig auf andere Kanäle ausweichen. Plattformen wie Parler, Gab oder auch der in Deutschland bekannte Messengerdienst Telegram gelten als weitgehend unreglementierte Kommunikationskanäle. Sie beschreiben sich in der Regel selbst als unvoreingenommene Unterstützer der Redefreiheit. Sie positionieren sich als Alternative zu Facebook, Twitter oder Instagram, welche mittlerweile nach eigenen Regeln gegen Hassrede, Aufstachelung zur Gewalt, Nacktbildern oder Falschinformationen vorgehen. Dissidenten nutzen alternative Medien, um staatlicher Zensur zu entkommen. Allerdings werden über sie auch extremistische, antisemitische oder frauenfeindliche Äusserungen und Gewaltaufrufe verbreitet. Teilweise schützen dabei Verschlüsselungen nicht nur vor Zensur, sondern auch vor Strafverfolgung.

Auch bei Facebook gesperrt

Nach den Ausschreitungen am Kapitol am Mittwoch hatte Twitter den Account @realDonaldTrump bereits für zwölf Stunden gesperrt, weil Tweets des Präsidenten «wiederholt und schwerwiegend» gegen die Richtlinien der Plattform verstossen hatten. Der Kurznachrichtendienst hatte Trump mit einer dauerhaften Sperre gedroht, sollte er weiterhin gegen die Twitter-Regeln verstossen.

Facebook hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, Trump bis auf Weiteres zu sperren. Trumps Konten bei dem Online-Netzwerk und auch bei der Fotoplattform Instagram sollten für mindestens zwei Wochen beziehungsweise bis zur Amtsübergabe an Nachfolger Joe Biden blockiert bleiben, wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Donnerstag ankündigte. Zunächst hatte Facebook Trump für 24 Stunden gesperrt (persoenlich.com berichtete).

Vor allem Twitter beschränkte sich bei Trump bisher auf Warnhinweise, weil der Dienst die Beiträge des Präsidenten als geschichtliche Dokumente betrachtet. Twitter und Facebook hatten in den vergangenen Monaten zahlreiche Beiträge Trumps mit Warnungen vor falschen Informationen versehen und teils deren Verbreitung eingeschränkt. (sda/dpa/cbe)



Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Kommentarfunktion wurde geschlossen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Zum Seitenanfang20210413

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.