Viel Positives im Schweizer Webmedienmarkt: Die Angebote haben sich professionalisiert und die Nutzerzahlen sind deutlich gestiegen. Mehr als die Hälfte des Schweizer Radio-/Audio- sowie TV-/Video-Konsums findet heute bereits im Internet statt. Auch die Zahlungsbereitschaft der Nutzer sowie das Interesse für Webmedien im Werbemarkt sind gewachsen.
Dies sind zusammengefasst die Ergebnisse aus dem «Webmedienmonitor 2019», der im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) durch Goldmedia erstellt wurde. Klaus Goldhammer, Medienwissenschaftler und Gründer von Goldmedia, stellte erste Ergebnisse aus der Studie am Swiss Radio Day vom Donnerstag vor.
Knapp 600 Webmedien-Angebote in der Schweiz
Das Angebotsspektrum ist mit insgesamt 593 Onlineaudio- und Onlinevideo-Angeboten von 261 Anbietern inhaltlich und sprachlich äusserst vielfältig. Besonders stark vertreten sind klassische Medienmarken: Rund zwei Drittel der 440 Onlineaudio-Angebote stammen von UKW/DAB+-Radiomarken. Im Onlinevideo-Bereich kommt mehr als die Hälfte (56 Prozent) aus dem Fernseh-, Radio- oder Printmarkt.
Gegenüber der Vorgängerstudie 2017 hat sich der Webmedienmarkt weiter professionalisiert: Kleinere «Hobby-Anbieter» sind auf reichweitenstarke Social-Media-Plattformen gewechselt, wie es in einer Mitteilung heisst.
Die Attraktivität für die Werbebranche ist gestiegen und entsprechend positiv sind die Prognosen der Anbieter: Sie rechnen für den Onlineaudio-Bereich bis 2021 mit einem jährlichen Werbewachstum von 18 Prozent, bei Onlinevideo sogar um 49 Prozent.
Nutzung und Zahlungsbereitschaft gestiegen
Bereits 56 Prozent der TV-/Video-Nutzung sowie 54 Prozent der Radio-/Audio-Nutzung finden in der Schweiz heute im Internet statt. «Vor allem die Jungen wechseln zunehmend ins Internet», so Goldhammer am Swiss Radio Day. Die beliebtesten Angebote der Onlineaudio-Nutzer sind Simulcast-Streams der UKW-Sender sowie Musikstreaming-Dienste. Im Video-Segment sind vor allem Live-TV-Programme der TV-Sender sowie kostenlose Videoportale populär.
Parallel wächst aber auch die Zahlungsbereitschaft für Medieninhalte im Internet. «Das hat mich ehrlich gesagt überrascht, weil die Zahlen doch sehr hoch sind», so Goldhammer. Schon mehr als ein Drittel der Schweizer Onliner nutzt (zumindest gelegentlich) kostenpflichtige Onlineaudio-Angebote, bei den 16- bis 29-Jährigen sind es bereits knapp die Hälfte (48 Prozent). Noch stärker ist dieser Trend im Onlinevideo-Segment. Hier nutzen mehr als die Hälfte und bei den 16- bis 29-Jährigen sogar bereits zwei Drittel der Befragten kostenpflichtige Onlinevideo-Plattformen.
Viel Potenzial für Wachstum
Die Wachstumsprognosen der Webmedien-Branche sind überwiegend positiv. Befragt nach den künftigen Markttreibern, nennen die Audio-Anbieter vor allem Audio-Streaming im Auto und In-Car-Entertainment-Systeme. Auch bei Smart Speakern, der Personalisierung der Angebote und Podcasts sehen sie viel Entwicklungspotenzial für die Branche.
Als wichtigste Zukunftsthemen im Schweizer Onlinevideo-Markt gelten innovative Formate, Interaktivität der Inhalte, aber auch 5G und Influencer-Marketing.
Die Studie zum Schweizer Onlineaudio- und Onlinevideo-Markt basiert auf einer umfangreichen Befragung von Webmedien-Anbietern und -Nutzern im Juni und Juli 2019. (pd/cbe)
Die Studie «Webmedienmonitor 2019» kann hier kostenlos bezogen werden.