05.08.2021

Nach Netzstörungen

Swisscom-Chef will nicht zurücktreten

Die Swisscom hat wegen der Netzstörungen der letzten Zeit keine Kunden verloren. Juristische Klagen von Kunden gegen die Swisscom habe es auch keine gegeben, erklärte Konzernchef Urs Schaeppi am Donnerstag in einer Medienkonferenz.
Nach Netzstörungen: Swisscom-Chef will nicht zurücktreten
«Wir sind mit betroffenen Kunden in Kontakt. Die Kernpriorität muss sein, die Gesamtsysteme mit den Kunden weiter zu optimieren», sagte Urs Schaeppi. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Der Netzausfall und die Störungen der Notfallnummern vom 9. Juli hätten CEO Urs Schaeppi und die Swisscom erschüttert. «Das entspricht nicht unseren eigenen Anspruch.» Ein solcher Vorfall sei inakzeptabel, sagte Schaeppi.

Auslöser sei ein Update einer Software auf einer Sprachtelefonieplattform für Geschäftskunden gewesen, also auf einem System, das auf den ersten Blick mit Notfallsystemen nichts zu tun habe. Dieses habe eine Kettenreaktion in einem entfernten Teil des Systems ausgelöst. «Das wäre, wie wenn eine Strassensperrung in der Innenstadt von Bern eine Kolonne in St. Gallen verursacht», sagte Schaeppi. Der Dominoeffekt habe die Notrufsysteme gestört.

Die Swisscom habe eine detaillierte Aufbereitung der Panne eingeleitet und Sofortmassnahmen bei den Netzen umgesetzt. Zudem sei ein Audit mit Experten aufgegleist worden. Und eine interne Arbeitsgruppe befasse sich mit der Störung.

Kein strukturelles Problem

Langfristig denke man über strukturellen Änderungen der Netzarchitektur nach, die das Gesamtsystem stabiler machen könnten. «Ausserdem verbessern wir die Fehlererkennung», erklärte Schaeppi.

«Auf anderen Seite müssen wir das gesamte Notrufsystem optimieren» das ein komplexes System sei. Darin seien andere Telekom- und IT-Anbieter involviert und über 50 Notruforganisationen.

Die Swisscom habe aber kein strukturelles Problem. «Wir leben in einer Welt, die sich extrem schnell verändert. Es gibt wohl keine Infrastruktur in der Schweiz, die derart vielen Veränderungen ausgesetzt ist wie die der Swisscom», sagte Schaeppi.

Die Datenvolumina würden stark wachsen. Es sei eine riesige Herausforderung, dieses Wachstum auf den Netzen zu verarbeiten.

Die Technologien hätten zudem kurze Lebenszyklen. Es gebe deshalb viele Veränderungen im Netz. «Jede Veränderung hat das Risiko, dass etwas schief läuft», sagte Schaeppi. Die Swisscom führe über 4000 Wartungsarbeiten pro Woche aus. «Wir müssen besser werden bei den Wartungsarbeiten und noch mehr Qualitätssicherungen einbauen.» Die Störungen hätten nichts mit den Lieferanten zu tun.

Rücktritt zurückgewiesen

Generell sei aber die Qualität der Swisscom-Produkte gestiegen, sagte Schaeppi. Nach den Störungen im vergangenen Jahr hätten nun alle Kantone Umleitsysteme von Notrufen auf Mobilfunknummern. Das habe im letzten Jahr erst in wenigen Kantonen funktioniert.

Einen Rücktritt als Folge der Störungen lehnte Schaeppi ab: «Mir gefällt meine Arbeit.»

Im ersten Semester habe die Swisscom eine sehr solide und gute Performance am Markt gezeigt. Im Gesamtjahr sei man auf Kurs, das Einsparungsziel von über 100 Millionen Franken zu erreichen. (awp/sda/lol)



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Kommentare

  • Beat Niederhauser, 05.08.2021 17:47 Uhr
    Nachdem man alle Telefone auf Ip Telefonie über das Internet umgestellt hat fehlt das eigene Stromnetz. Man hat damit viele Swisscom Batterieräume und Geld gespart...aber damit auch die Zuverlässigkeit des Netzes nicht wirklich verbessert. Bei einem grossen Blackout gehen keine Telefone mehr....
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