03.09.2013

Microsoft

Übernimmt Handygeschäft von Nokia

Megadeal um 5,4 Milliarden Euro.
Microsoft: Übernimmt Handygeschäft von Nokia

Lange wurde darüber spekuliert, jetzt wird es wahr: Microsoft kauft den Grossteil von Nokia. Damit vermählen sich zwei Grosskonzerne, die einst in ihrer Sparte den Ton angaben, in den letzten Jahren aber den Anschluss an die neuesten technologischen Entwicklungen verpassten. Zwar wird Nokia weltweit immer noch als Nummer zwei gehandelt. Gemäss dem Marktforscher Gartner ist der finnische Konzern nach Samsung der zweitgrösste Handyhersteller der Welt mit einem Marktanteil von 14 Prozent. Doch, im Geschäft mit den immer wichtigeren und vor allem lukrativen Smartphones spielen sie praktisch keine Rolle.

Die mit viel Werbung gestarteten neuen Lumia-Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone kamen bei der Kundschaft nicht so gut an wie erhofft. Gleichzeitig kollabierte die bisherige Stütze des Geschäfts: der Verkauf von günstigen Handys.

Microsoft seinerseits leidet ebenfalls unter der starken Smartphone- und Tablet-Konkurrenz und steht deswegen vor einem Umbau. Erst kürzlich hatte Vorstandschef Steve Ballmer seinen Rückzug für die nächsten zwölf Monate angekündigt, um Platz für eine langfristige Neuausrichtung zu machen.

In seiner 13-jährigen Amtszeit geriet der einst unangefochtene Branchenprimus in eine schwere Krise. Konkurrenten wie der iPhone- und iPad-Hersteller Apple setzten dem Konzern mit neuen Geräten zu, alternative Betriebssysteme wie Googles Android machten sich auf Smartphones und Tablet-PCs breit. Deren Triumphzug konnte Microsoft ebenso wie Nokia bislang wenig entgegensetzen.

Gartner zufolge lief zuletzt gerade einmal auf 3,3 Prozent aller neuverkauften Smartphone der Windows-Ableger, während sich der Marktanteil der Google-Software Android auf 79 Prozent beläuft. "Es ist ein kühner Schritt in die Zukunft - ein Gewinn für die Mitarbeiter, die Aktionäre und die Kunden beider Unternehmen" erklärte Ballmer. Microsoft stärke seine Handy-Aktivitäten erheblich.

Elop wird als neuer Microsoft-Chef gehandelt
Microsoft zahle 3,79 Milliarden Euro für das Geschäft mit Geräten und Diensten und gebe weitere 1,65 Milliarden Euro für Patentlizenzen aus, hiess es am Dienstag. Ausserdem werde Microsoft auf Nokias Kartendienste zurückgreifen. Der Deal soll Anfang 2014 abgeschlossen werden. Rund 32'000 Mitarbeiter sollen zu Microsoft wechseln. Die Wettbewerbsbehörden müssen aber noch zustimmen.

Unter Börsianern sorgte der Schachzug des scheidenden Ballmer für gute Stimmung. "Das ist ein gewaltiges, aber notwendiges Wagnis für Microsoft. Nach Jahren der Fehlschläge mit Windows Mobile schwenkt der Konzern jetzt um und übernimmt die Kontrolle über die Software und die Hardware", sagte Analyst Geoff Blaber von CCS Insight.

"Falls es Zweifel gab, dass ein neuer Microsoft-Chef die Strategie von Geräten und Diensten zurücknehmen könnte, sind die nun zerstreut. Diese Aktion wird das Geschäft von Microsoft dauerhaft verändern." Am Aktienmarkt profitierten vor allem die Titel der Finnen. Die Nokia-Papiere kletterten an der Börse in Helsinki bis 10.30 Uhr um 38 Prozent.

Den Aktienkurs beflügelt haben dürfte auch die Spekulation um Nokia-Chef Stephen Elop. Er soll gemäss Insidern den Chefposten von Steve Ballmer erben.

Herber Schlag für finnische Wirtschaft
Bei den Stammkunden von Microsoft dürfte der Coup indes nicht gut ankommen. Computerhersteller wie Acer störten sich zuletzt daran, dass der US-Softwarekonzern mit eigenen Tablets wie dem "Surface" im angestammten Geschäft der Hardware-Ausrüster wildert, die traditionell grosse Mengen an Windows-Lizenzen für ihre Rechner kauften.

"Microsoft sollte mit seinen strategischen Partnern zusammenarbeiten, nicht gegen sie", zürnte Acers Europachef Oliver Ahrens jüngst im Reuters-Gespräch.

Für die finnische Wirtschaft ist der Verkauf ein herber Prestigeverlust. Mit dem Deal wird sich der Nokia-Umsatz in etwa halbieren. Vom einstigen Vorzeigekonzern bleibt nunmehr das schwankungsanfällige Geschäft mit Netztechnik und die kleine Navigationssparte "Here". (sda)

Titelbild: Keystone


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen