23.05.2018

Hans Peter Riegel

«Beuys ist der deutsche Jahrhundertkünstler»

Der Zürcher Autor und Filmer Hans Peter Riegel hat soeben eine Neuauflage von «Beuys: Die Biographie» herausgegeben. Darin beschuldigt er den Künstler Joseph Beuys, ein grosses Idol der Linken, den Alt-Nazis sehr nahe gestanden zu sein. Seither tobt im deutschen Feuilleton eine erbitterte Schlacht.
Hans Peter Riegel: «Beuys ist der deutsche Jahrhundertkünstler»
Verfasser der Beuys-Biografie: Hans Peter Riegel. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Riegel, Sie haben die soeben die zweite, erweiterte Auflage Ihrer Beuys-Biografie auf den Markt gebracht, die in Deutschland für sehr viel Furore sorgt. Was ist neu darin, dass sich alle so aufregen? 
Es sind jetzt drei Bände mit insgesamt 1032 Seiten. Darin vertiefe ich vor allem die Informationen zur politischen Vita von Beuys, zu dessen Kontakte in rechte Kreise, zu dessen intensiven Verbindungen zu anthroposophischen Sektierern. Wie Rudi Dutschke, die Ikone der deutscher 68er, über Beuys in rechte Kreise gelangte oder wie Beuys für Dalai Lama Weltpolitik machen wollte. Was ziemlich in die Hosen ging. Dann regen sich halt manche auf. Ein paar Beuys-Anhänger, die sich schützend vor ihr Idol werfen. Die Reaktionen in den Feuilletons sind in übrigens sehr positiv. 

War es vorher nicht schon bekannt, dass Joseph Beuys eine grosse Nähe zu den Nazis hatte?
Nein, das hat man allenfalls vermutet. Ich war der erste und habe das 2013 in der ersten Ausgabe meines Buchs dokumentarisch belegt.

Wie sind auf die neuen Dokumente gestossen?
Es sind vor allem staatliche Archive, deren Sperrfristen jetzt abgelaufen sind. Das hatte ich mir bei den Recherchen zur ersten Ausgabe vorgemerkt und habe mich vor zwei Jahren wieder an die Arbeit begeben.

«Man pöbelt auf Stammtischniveau gegen mich»

Für Sie ist auch ein «Skandal», dass der Beuys-Film den deutschen Filmpreis bekam. Der bekannte Künstler und Jurist Klaus Staeck schrieb in der «Süddeutschen Zeitung»: «Nein. Beuys war nicht der rechtslastige Filz- und Fettkünstler, zu dem ihn sein Biograf in der Rolle des Meisterdetektivs postum durch immer neue, obskure Fundsachen stempeln will.» Was antworten Sie darauf?
Ach Gott Staeck. Was soll man da sagen? Wenn so ein Mann auf Stammtischniveau gegen mich pöbelt ohne ein einziges wasserfestes Argument zu haben. Staeck will halt mit Klauen und Zähnen an einem Bild festhalten, was inzwischen widerlegt ist. Auch weil er sich wohl den eigenen Irrtum nicht eingestehen mag. Das ist eigentlich nur traurig. Und Andres Veiel, der versucht jetzt seinen hagiographischen Anbetungsfilm zu rechtfertigen. Dabei plappert er die falschen Aussagen von Straeck nach, weil er offenkundig kein wirklich vertieftes Wissen über Beuys’ Biographie und schon gar nicht über dessen Werk hat. Er sieht die Dinge, wie er es sehen will. Das ist völlig ok. Nur begibt er sich in der Verteidigung seines Idols und damit seines Films auf eine Ebene, wo es gegen mich persönlich wird. Veiel sollte sich über seine Lola freuen und still sein. Wenn man die Feuilletons liest, ist er drauf und dran seinen Ruf zu riskieren. 

Ich hörte, dass sie inzwischen juristisch gegen die Herren vorgehen.
Die Meinung von Staeck und Veiel oder der anderen Beuys Apologeten ist mir gleichgültig, weil ihre Interessen offensichtlich sind und was sie sagen ohne Relevanz ist. Wenn jemand allerdings definitiv falsche sowie rufschädigende Aussagen über meine Arbeit und mich verbreitet, gehe ich hiergegen vor. Staeck und Veiel sind davon in Kenntnis. Der Podcast eines Rundfunk-Interviews von Veiel musst bereits gelöscht werden.  

«Leider sind Umfang und Bedeutung der Feuilletons hierzulande gesunken»

Wie reagiert das engere Umfeld von Joseph Beuys auf Ihr Buch?
Wenn sie die Familie oder enge Verbündete meinen: Die schweigen. Ich glaube mittlerweile es würde ihnen gut tun, sich zu öffnen. Es wäre zu wünschen, wenn zu Beispiel der neue Hüter des künstlerischen Nachlasses, der österreichische Galerist Thaddaeus Ropac da eine neue Offenheit hinein bringen würde. Das wäre letztlich gut für das Werk.

Mittlerweile beschäftigt die Debatte das ganze deutsche Feuilleton. Woran liegt es, dass Beuys die Deutschen immer noch so fasziniert?
Beuys ist der deutsche Jahrhundertkünstler. Er ist nicht nur künstlerisch, sondern auch gesellschaftlich eine historische Figur. Ein Idol für viele. Jeder hat eine Meinung zu Beuys. 

Sie selber sind Schweizer und leben in Zürich. Wie sind die Reaktionen hier?
Das Buch war ja schon am Rande in NZZ Thema. «Tages-Anzeiger», «Bund» und «Basler Zeitung» haben mein Interview mit der SZ übernommen. Aber es ist halt schon wie immer. Man tut sich schwer damit, sich vielleicht auch ein wenig zu freuen, wenn ein Schweizer Autor im grossen Kanton Erfolg hat. Und leider sind Umfang und Bedeutung der Feuilletons hierzulande gesunken, so dass manches keinen Platz findet.


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Hans Peter Riegel ist ein ehemaliger Spitzenwerber, Autor, Konzeptkünstler und Filmemacher. Er schrieb je eine Biografie über die deutschen Künstler Joseph Beuys und Jörg Immendorff. Riegel lebt in Zürich.



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