Bundesrat Moritz Leuenberger hat am Donnerstagabend das 6. Zurich Film Festival eröffnet. Unter Anwesenheit von Schweizer Prominenz aus Kultur, Wirtschaft und Politik erlebte danach Michael Steiners lang erwarteter Spielfilm "Sennentuntschi" seine Welturaufführung. Bundesrat Leuenberger gestand in seiner Ansprache, er habe etwas gezögert, die Einladung ans Festival anzunehmen, zumal Ehrengäste hier "zuweilen im falschen Film" landeten. Da er aber als abtretendes Regierungsmitglied demnächst sowieso unter Hausarrest stehe, habe er sich getraut, zu kommen, scherzte er in Anspielung auf Roman Polanski.
Ein weiterer Anreiz für ihn als Umweltminister stelle zudem der Grüne Teppich dar, der am Zürcher Festival heuer erstmals statt des Roten ausgerollt wird. Die Organisatoren wollen damit ihrer Verpflichtung zu Klima-freundlichem Handeln "sichtbaren Ausdruck verleihen", wie sie am Donnerstag mitteilten. Den Grünen Teppich beschritten unter anderen Alt-Bundesrat Christoph Blocher, die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch, der designierte Lufthansa- Vorsitzende Christoph Franz und Unternehmer wie Jürg Marquard und Thomas Schmidheiny.
Aus dem nahen Opernhaus kam dessen Direktor Alexander Pereira herüber ins Kino Corso. Die Filmszene wurde beispielsweise von Melanie Winiger, Stefan Gubser, Beat Schlatter, Samir, Bettina Oberli und Andrea Staka vertreten. Dazu kam natürlich die Crew von Michael Steiners Eröffnungsfilm "Sennentuntschi".
Der im Vorfeld als "Skandalfilm" verschriene Streifen erwies sich bei seiner Welturaufführung als raffiniert gesponnener Gesellschaftskrimi, der zwar seinen Anfang im Mythischen nimmt - eben der Sage vom "Sennentuntschi" - die Handlung aber schliesslich auf verblüffende Weise stringent im Wirklichen auflöst. Vordergründig geht es um drei notgeile Alpsennen, die eine selbstgemachte Puppe missbrauchen, bis diese lebendig wird und ihren Peinigern buchstäblich das Fell über die Ohren zieht. Obwohl Sex und Gewalt in dieser uralten Berglegende tragende Rollen spielen, werden entsprechende Szenen im Film relativ dezent inszeniert.
Während den elf Festivaltagen bis zum 3. Oktober sind in Zürich insgesamt rund 70 Kinofilme sowie zahlreiche Kurzfilme als Premieren zu sehen. Den Schwerpunkt bilden drei Wettbewerbe mit neuen Filmen junger Talente aus aller Welt, mit einem Fokus auf dem deutschsprachigen Kino. Die Retrospektive ist dem in den USA lebenden tschechischen Regisseur Milos Forman gewidmet. Er erhält den diesjährigen Tribute des Festivals für sein Lebenswerk. Der Golden Icon zum Abschluss des Festivals geht an den Schauspieler Michael Douglas; Danny DeVito nimmt den Preis für seinen erkrankten Freund entgegen. (sda)

