25.10.2026

Comm.Focus

«Wir haben nicht einfach ein Kanalproblem»

Am Donnerstag findet zum ersten Mal das «Comm.Focus Behördenkommunikation» im Zürcher Kongresshaus statt. Prominente Keynotes stehen auf dem Programm. Initiator Daniel Camenisch erklärt im Interview, wie sich der Event von anderen Anlässen unterscheidet und warum eigene Infokanäle für Behörden fundamental sind.
Comm.Focus: «Wir haben nicht einfach ein Kanalproblem»
«Unser Anspruch ist, Forschung, Einordnung und Praxis zusammenzubringen», so Daniel Camenisch, Initiator des «Comm.Focus Behördenkommunikation». (Bild: zVg)

Herr Camenisch, Sie veranstalten zum ersten Mal das Forum «Comm.Focus Behördenkommunikation». Was brachte Sie auf die Idee, dieses Forum zu organisieren?
Die Idee entstand aus unserer täglichen Arbeit als Sparringpartner für Kommunikation in Behörden und öffentlichen Institutionen. Wir erleben, wie sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändern: Die Öffentlichkeit fragmentiert sich, Informationsgewohnheiten wandeln sich und die Erwartungen an Transparenz und Dialog steigen. Dazu kommen Desinformation, Polarisierung und künstliche Intelligenz. Uns fehlte eine Plattform, die diese Entwicklungen aus Sicht der Behördenkommunikation beleuchtet und Wissenschaft, Praxis, Politik und Gesellschaft zusammenbringt.

Sie haben wichtige Partner im Rücken, darunter die Verbände der Schweizer Städte und Gemeinden, die ZHAW oder das Fög. Auch persönlich ist dabei. Wieviel Überzeugungsarbeit brauchte es, um sie an Bord zu holen?
Wir wurden mit offenen Türen empfangen. Die Herausforderungen werden von unseren Partnern ähnlich wahrgenommen. Entscheidend war deshalb weniger die Überzeugungsarbeit als die Frage, welchen Beitrag jeder leisten kann. Gerade die unterschiedlichen Perspektiven aus Verwaltung, Wissenschaft, Medien und Kommunikationspraxis machen den Comm.Focus wertvoll.

Der Anlass findet im Zürcher Kongresshaus statt. Roger de Weck und Michael Hermann werden Keynotes halten. Ein hochkarätiges Programm. Wie viele Teilnehmende erwarten Sie?
Wir erwarten rund 150 Teilnehmende. Wichtiger als die Grösse ist uns, die richtigen Menschen zusammenzubringen. Das Programm mit Roger de Weck, Michael Hermann, Mark Eisenegger und weiteren Persönlichkeiten beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven eine zentrale Frage: Wie kann staatliche Kommunikation unter veränderten Bedingungen weiterhin Menschen erreichen und Orientierung schaffen?

Welche Themen sind aus Ihrer Sicht aktuell für die Fachleute der Behördenkommunikation am dringlichsten?
Die zentrale Frage lautet: Wie erreicht staatliche Kommunikation die Bevölkerung noch? Wir haben nicht einfach ein Kanalproblem, sondern erleben eine Fragmentierung der Öffentlichkeit. Menschen informieren sich über unterschiedliche Plattformen, klassische Medien oder zunehmend KI. Gleichzeitig nehmen Polarisierung und Desinformation zu. Umso wichtiger werden Reichweite, Verständlichkeit, Glaubwürdigkeit und Dialog. Neue Kanäle allein lösen dieses Problem nicht.

Früher waren Unternehmen, Organisationen und Behörden auf journalistische Berichterstattung angewiesen. Heute können sie direkt via eigene digitale Kanäle kommunizieren. Eigentlich ein Vorteil für die PR-Leute, nicht?
Natürlich. Noch nie konnten Organisationen ihre Zielgruppen so direkt und schnell erreichen. Aber ein eigener Kanal bedeutet noch keine Aufmerksamkeit, und Reichweite noch keine Glaubwürdigkeit. Zudem fehlt bei der Direktkommunikation teilweise die unabhängige journalistische Einordnung. Professionelle Kommunikation braucht deshalb beides: eigene Kanäle und unabhängige Medien.

«Behörden müssen dort kommunizieren, wo sich die Bevölkerung informiert»

Behördenkommunikation ist ein Spezialfall, denn Behörden haben als staatlich, von Steuerzahlenden finanzierten Institutionen, eine Informationspflicht. Geht das auf Instagram und TikTok?
Auch, aber nicht ausschliesslich. Behörden müssen dort kommunizieren, wo sich die Bevölkerung informiert. Ihre Informationspflicht darf aber nicht davon abhängen, ob jemand eine bestimmte Plattform nutzt. Eigene, verlässliche Informationskanäle bleiben deshalb das Fundament. Social Media ergänzt diese als Distributions- und Dialogkanal. Entscheidend ist, welche Information welche Bevölkerungsgruppe erreicht.

Immer mehr Menschen nutzen KI als Suchmaschine oder um sich zu informieren. Müssen Behörden auch GEO (Generative Engine Optimization) beherrschen?
Ja, zumindest lohnt es sich, zu verstehen, wie KI-Systeme Informationen finden und verarbeiten. GEO bedeutet aber nicht, primär für Maschinen zu schreiben. Klare Strukturen, verständliche Sprache, aktuelle Inhalte und verlässliche Quellen werden noch wichtiger. Für die Behördenkommunikation stellt sich damit zunehmend die Frage, wie Informationen auch in KI-vermittelten Informationsräumen auffindbar, korrekt zuordenbar und verlässlich bleiben.

«Algorithmen, Geschäftsmodelle und Rahmenbedingungen können sich jederzeit ändern»

Ist das nicht problematisch, wenn sich staatliche Behörden auf grosse ausländische Tech-Plattformen für ihre Kommunikation verlassen?
Durchaus. Die kommunikative Erreichbarkeit sollte nicht von einzelnen Plattformbetreibern abhängen. Algorithmen, Geschäftsmodelle und Rahmenbedingungen können sich jederzeit ändern. Hinzu kommen Datenschutz und Datenhoheit. Deshalb braucht es kommunikative Souveränität: eigene Informationskanäle als Fundament, ergänzt durch externe Plattformen. Problematisch wird es dort, wo aus Ergänzung Abhängigkeit wird. 

Zurück zu Ihnen. Sie haben vor knapp einem Jahr die Commsummit AG gegründet, die den Comm.Focus, aber auch einen Kommunikationskongress organisiert. Was macht Ihre Events anders als diejenigen die bereits existieren?
Wir wollen nicht einfach weitere Kongresse organisieren, sondern Räume schaffen, in denen die Zukunft der Kommunikation diskutiert wird. Der Comm.Focus konzentriert sich auf spezifische Fachthemen, der Comm.Summit 2027 in Davos verbindet Kommunikation mit Medien, Wissenschaft, Technologie, Politik und Gesellschaft. Unser Anspruch ist, Forschung, Einordnung und Praxis zusammenzubringen. Nicht nur zeigen, was heute funktioniert, sondern diskutieren, was morgen relevant wird. 

Wie finanziert sich die Commsummit?
Wir sind privatwirtschaftlich organisiert und tragen damit auch die unternehmerische Verantwortung und das finanzielle Risiko. Das schafft die Grundlage für eine langfristige Planung und nachhaltige Entwicklung unserer Formate. Unsere Veranstaltungen finanzieren sich über Teilnahmegebühren, Partnerschaften und Eigenleistungen.

Sie haben Ihre Büros in Landquart. Wäre es nicht einfacher, von Zürich oder Bern aus das nötige Netzwerk aufzubauen?
Vielleicht wären die Wege zu einzelnen Partnern kürzer. Aber Netzwerke entstehen nicht über die Postleitzahl. Wir arbeiten seit Jahren schweizweit mit Unternehmen, Behörden und Organisationen zusammen. Unser Standort bietet auch Vorteile: Eine gewisse Distanz zu den Zentren ermöglicht manchmal einen unabhängigeren Blick. Und Graubünden hat Erfahrung darin, Menschen aus der ganzen Schweiz zusammenzubringen. 

Was wäre für Sie nach der Premiere des Comm.Focus Behördenkommunikation ein Erfolg, und unter welchen Bedingungen gibt es eine zweite Ausgabe?
Erfolgreich ist der Anlass, wenn die Teilnehmenden mit neuen Erkenntnissen, konkreten Ansätzen und wertvollen Kontakten nach Hause gehen. Idealerweise setzt sich der Austausch danach fort. Eine zweite Ausgabe ist naheliegend, wenn die Fachcommunity diesen Bedarf bestätigt und neue relevante Fragestellungen vorhanden sind. Denn ein Comm.Focus braucht einen inhaltlichen Grund, nicht einfach einen Termin im Kalender.


Das gesamte Programm des Comm.Focus Behördenkommunikation finden Sie hier.


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