Hollywoodstar Sean Penn gerät verstärkt unter Druck nach seinem Geheimtreffen mit dem mächtigsten Drogenboss der Welt, dem Mexikaner Joaquín Guzmán ("El Chapo"). Der Monate nach einem spektakulären Gefängnisausbruch am Freitag gefasste Chef des Sinaloa-Kartells hat während seiner Flucht Penn ein Interview gegeben. Dieses wurde am Samstagabend (Ortszeit) vom Magazin "Rolling Stone" online veröffentlicht.
Das Interview löste eine Kontroverse aus. Mehrere mexikanische Parlamentarier forderten die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto auf, von den USA die Herausgabe der von Penn erhaltenenen Video- und Tonbandaufzeichnungen mit den Aussagen Guzmáns zu beantragen, berichtete die Zeitung "Milenio". Es sei notwendig, zu erfahren, was genau der Drogenboss Penn und der mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo gesagt habe.
Del Castillo hatte den Kontakt für das Interview hergestellt. Die beiden Schauspieler seien auch Ziel von Ermittlungen der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa ein Mitarbeiter dieser Behörde. Es sei noch unklar, ob sie mit dem Treffen nicht gegen das Gesetz verstossen hätten, erklärte der Funktionär.
Kritik auch in den USA
In den USA reagierte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio ablehnend auf das Interview. "Ich finde es grotesk", sagte der Senator aus Florida dem Sender ABC News. Ein Topmitarbeiter von US-Präsident Barack Obama zeigte sich von den Äusserungen angewidert. "Ich war angeekelt von seiner Prahlerei (...) über eine Epidemie, die unser Land erfasst hat", sagte der Stabschef des Weissen Hauses, Denis McDonough, am Sonntag dem Sender ABC mit Blick auf die vielen Heroinsüchtigen in den USA. Zugleich bezeichnete er die erneute Festnahme Guzmáns als eine "sehr gute Nachricht".
Marine-Infanteristen hatten den Chef des Sinaloa-Kartells am Freitag in der Stadt Los Mochis im Westen Mexikos gefasst. Bei dem Einsatz kamen fünf mutmassliche Bandenmitglieder ums Leben, sechs weitere wurden festgenommen.
Auslieferung vorantreiben
Mexikos Generalstaatsanwaltschaft will ihn nun an die USA ausliefern. Am Sonntag besuchten zwei Beamte von Interpol Mexiko das Gefängnis nahe der Hauptstadt Mexiko-Stadt, in dem Guzmán seit seiner Wiederergreifung einsitzt, um zwei Haftbefehle zu vollstrecken. Damit wurde das Auslieferungsverfahren offiziell eröffnet. Als nächstes muss ein Richter über die Ausweisung Guzmáns entscheiden.
Die Entscheidung wird dann an das Aussenministerium weitergeleitet, das grünes Licht für die Ausweisung muss. Guzmán habe aber die Möglichkeit, Einspruch gegen die Entscheidung des Ministeriums einzulegen, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. Bislang weigerten sich die mexikanischen Regierungen, "El Chapo" an die USA auszuliefern, wo er wegen Drogendelikten und Mordes angeklagt werden soll. (sda/dpa/afp)

