"Ich komme mit viel Liebe, Begeisterung und Stolz"

ZFF - Anatole Taubman ist am diesjährigen Zurich Film Festival (ZFF) gleich doppelt vertreten. Er wird in "Der Kreis" zu sehen sein und Weltpremiere feiern mit seinem neuen Film "Northmen - A Viking Saga". Der erfolgreiche Schweizer Schauspieler schlüpfte für diese beiden Filme in zwei völlig unterschiedliche Rollen: Er spielt einen Homosexuellen und einen Karpaten. Welche Rolle ihm besser entsprach und was er dem ZFF zum 10. Geburtstag schenkt, erklärt Taubman im Interview mit persoenlich.com.

Herr Taubman, das ZFF feiert dieses Jahr das 10. Jubiläum. Welches Geschenk bringen Sie den Organisatoren mit?
Ich bringe ihnen eine Riesenportion Hochachtung, Bewunderung und Verehrung mit, für das, was sie in den letzten zehn Jahren geleistet haben. Und natürlich komme ich mit viel Liebe, Begeisterung und Stolz, dass ich 2014 wieder Teil dieser Erfolgsgeschichte sein kann.

Besitzen Sie neben dem Schweizer Pass auch den deutschen und den britischen? Wo fühlen Sie sich zu Hause und wie nehmen Sie die Resonanz auf das ZFF im Ausland wahr?
Ich besitze nur einen englischen Pass. Den Schweizer Pass werde ich eines Tages beantragen, dafür muss ich aber in die Schweiz ziehen. Dies wird jedoch nicht passieren, solange meine Töchter in Berlin zur Schule gehen. Heimat ist für mich die Schweiz, Berlin ist mein Zuhause. Und wegen der Resonanz: Berlin beispielsweise ist gepflastert mit Plakaten des Zurich Film Festival.

Das ZFF ist in den letzten Jahren massiv gewachsen. Was bedeutet das für die Schweizer Filmbranche und die Schauspieler?
Aufmerksamkeit und Wahrnehmung.

Im Film "Northmen - A Viking Saga", der am ZFF Weltpremiere feiert, spielen Sie einen Karpaten. In "Der Kreis", der momentan im Kino läuft, einen Homosexuellen. Welche Rolle entsprach Ihnen besser? 
Zwei komplett unterschiedliche Filme, zwei komplett unterschiedliche Rollen. Ich liebte es, beide Rollen zu bewohnen und freue mich, dass beide Projekte aus der Schweiz heraus entstanden sind. Das ist für mich quasi "dr Föifer und sWeggli"… phantastisch!

"Der Kreis" ist im Rennen um einen Oscar als bester ausländischer Film und hat an der Berlinale bereits zwei Auszeichnungen erhalten. Wie schätzen Sie die Chancen an den Academy Awards ein?
Eine sehr schwierige Frage. Ich bin leider kein Hellseher, aber bereits ein Platz auf der Shortlist (Dezimierung der internationalen Filmeinreichungen auf ca. 12 Filme), wäre ein riesiger Erfolg. Das Thema ist auf jeden Fall in aller Munde und somit wird der Film auch bei den Academy Members die notwendige Aufmerksamkeit bekommen.

Sie spielten schon in einigen internationalen Filmen mit. Gibt es Unterschiede in der Arbeit mit ausländischen Regisseuren und derjenigen mit Schweizern?
Die Arbeit für mich als Schauspieler bleibt immer die gleiche. Natürlich unterscheiden sich die einzelnen Länder und Regisseure durch ihre Mentalität und Kultur, aber das ist ja auch gerade das Geschenk für mich, mit so unterschiedlichen Menschen in so verschiedenen Produktionen zu arbeiten.

In welchen Rollen werden wir Sie 2015 sehen?
Als Montcourt spiele ich eine der Hauptrollen in der hochdotierten neuen Fernseh-Serie "Versailles" (Details vgl. persoenlich.com; Anm. d. Red.), die nächstes Jahr weltweit zu sehen ist. Und im Frühling komme ich als Buchhalter der russischen Mafia ins Kino im Film "Transporter Legacy", in welchem übrigens Ed Skrein – der meinen jüngeren Bruder in Northmen spielt und auch am ZFF anwesend sein wird – die Hauptrolle von Jason Statham übernommen hat. 

Fragen: Marco Lüthi, Bilder: zVg. 


Das Zurich Film Festival (ZFF) feiert heuer das 10. Jubiläum. Seit der ersten Austragung 2005 ist es massiv gewachsen: In diesem Jahr werden über 140 Filme aus 29 Ländern vorgeführt, 2005 waren es gerade mal um die 20. Am Donnerstag geht es los. 17 Weltpremieren sind zu sehen, darunter auch "Northmen - A Viking Saga", eine Koproduktion aus der Schweiz, Deutschland und Südafrika.

Anatole Taubman verkörpert darin einen Karpaten und wird im Rahmen der Weltpremiere auch am ZFF anzutreffen sein. In "Der Kreis", soeben von der Schweiz als bester ausländischer Film an die Academy Awards geschickt (persoenlich.com berichtete), verkörpert er einen Homosexuellen. 

Der 44-Jährige setzt sich aber auch neben dem Set für die Schweizer Filmbranche ein. Am Freitag ist er im Freien Gymnasium Zürich (FGZ) zu Gast. Er wird dort vor den Schülern über die Schauspielerei und seine Karriere sprechen - frühere FGZ-Gäste waren unter anderem Moritz Bleibtreu und Maximilian Schell. (ml)