«Ich pflege einen modernen Gesprächsstil»

Frank Baumann - Frank Baumann gehört zu den Pionieren des Schweizer Privatradios. Beim damaligen Piratensender Radio 24 startete er vor vier Jahrzehnten seine bewegte Medienkarriere. Jetzt gibt er ein Comeback – und spricht auf einem Podcast über Gesundheitsthemen.

von Matthias Ackeret

Herr Baumann, was ist es eigentlich für ein Gefühl, wieder eine eigene Radiosendung zu haben?
Na ja, das klingt jetzt ein bisschen spektakulärer, als es ist; ich habe ja lediglich einen Podcast. Aber der ist in der Tat geil.

Immerhin ist es einer der meistgehörten Podcasts zum Thema Gesundheit.
Ja, das stimmt. Aber auch wenn er nicht so erfolgreich wäre, ist es ein riesiges Vergnügen, mit all den verschiedenen Fachleuten – und den nicht selten prominenten Persönlichkeiten – über eines der wichtigsten Themen überhaupt zu sprechen.

Wenn man Ihre Karriere anschaut, dann würde man jetzt nicht gerade auf die Idee kommen, dass Sie eine informative Sendung zu einem ernsten Thema moderieren würden. Man kennt Sie als Satiriker, als wortwitzigen Gastgeber von erfolgreichen, nicht selten preisgekrönten TV-Formaten aus dem Unterhaltungsbereich und als Direktor des Arosa Humorfestivals. Wie kam denn die Redaktion des Sanitas Health Forecast ausgerechnet auf Sie?
Ich vermute mal, dass die Summe meiner zweifelhaften Talente den Ausschlag gab.

Die da wären?
Na gut, ich habe schon ein bisschen Erfahrung, was das radiomässige Interviewen von Menschen anbelangt. Immerhin mache ich das ja nicht erst seit gestern, sondern bereits seit der Gründung von Radio 24 – wann war das schon wieder, 1979 oder so? –, das wären dann irgendwie etwas über vierzig Jahre. Da kommen schon einige Hundert Interviews zusammen. Darüber hinaus habe ich eine grosse journalistische Erfahrung, verfüge über ein ziemlich grosses Beziehungsnetz und ein Studio, in dem ich die Gespräche aufzeichnen und postproduzieren kann. Und den Jingle hab ich gerade auch noch selber komponiert.

«Ich hätte mich jetzt eher als Victorinox-Taschenmesser gesehen»

Sie sind also quasi die eierlegende Wollmilchsau des Podcasts.
(Lacht.) So habe ich das noch nie gesehen, ich hätte mich jetzt eher als Victorinox-Taschenmesser gesehen, aber eierlegende Wollmilchsau gefällt mir auch sehr gut.

Die Redaktion machen Sie ja auch weitgehend selber.
Ja. Wobei, es kommen auch sehr spannende Inputs vonseiten der Redaktion des Health Forecast und von Sanitas. So empfahl man mir beispielsweise den Psychologen Matthias Huber, der sich an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Poliklinik Bern mit dem Thema Autismus befasst. Huber ist selber Autist, was das Gespräch natürlich besonders spannend machte. Und wir bringen auch immer wieder Gäste, die wir bereits im jährlich erscheinenden Buch hatten.

Den Sanitas-Health-Forecast-Podcast findet man auf allen gängigen Portalen. Und wenn man das Archiv Ihrer Podcasts durchstöbert, gibt es kaum ein Thema, das Sie noch nicht bearbeitet haben.
(Lacht.) Nein, nein, ich hab ja erst gegen hundert gemacht, da fehlen schon noch einige Themen. Aber tatsächlich hatte ich schon sehr viele äusserst spannende Gäste. Die Palette reicht vom Biohacker über den Kniechirurgen bis hin zu Chris von Rohr. Und von der Ernährungsberaterin über den Kriegschirurgen bis zur Sexologin, vom Neurologen, vom Freundschaftsforscher über den Proktologen bis hin zur Extrembergsteigerin Evelyne Binsack und und und.

Sie haben es erwähnt: Sie kommen aus der «Schule Schawinski». Muss man sich Ihre Gesprächsführung ähnlich aggressiv vorstellen?
Ja klar, ich bin der Pitbull unter den Podcastern (lacht lauthals)! Nein, ich pflege eher einen modernen Gesprächsstil. Ich weiss zwar sehr viel über meine Gäste, höre aber eher gut zu und fasse lediglich dort nach, wo die Hörerschaft Fragen haben könnte. Ich sehe mich als Vermittler und würde mal sagen, dass die Gespräche sehr unaufgeregt, privat und manchmal auch ziemlich lustig sind. Vermutlich ist es genau das, was mein Publikum so mag.

«Inzwischen geht es mir wieder prima»

Man hört auch gut, mit wem Sie privat befreundet sind. Überhaupt bringen Sie sich immer wieder mit persönlichen Bemerkungen ein. Andere Frage: Wie steht es eigentlich um Ihre Gesundheit, Sie waren ja mal ordentlich havariert?
Stimmt. Unmittelbar vor dem ersten Corona-Lockdown wurde ich zweimal innert zehn Tagen am Rücken operiert. L4, L5. Mit dem grossartigen Resultat, dass ich danach mein linkes Bein nicht mehr spüren und bewegen konnte. Das war einigermassen unlustig, um es mal vorsichtig zu formulieren. Mit viel, viel Physiotherapie, Osteopathie und Kraft- und Ausdauertraining konnte ich mich zurückkämpfen. Inzwischen geht es mir wieder prima. Aber ich habe da am linken Zeigefinger so ein Häutchen, das mir Sorgen macht.

Es sieht aber nicht so dramatisch aus, um ehrlich zu sein. Sind Sie Hypochonder?
Nein! Ich bin – im Gegensatz zu Claudio Zuccolini – kein Hypochonder; ich bin Alarmist! Im Gegensatz zum Hypochonder bilden wir Alarmisten uns die Krankheit nicht ein. Wir sehen sie kommen! Und zwar in allen Facetten.

Also Sie rechnen damit, dass sich da eine Nagelbettentzündung entwickeln könnte?
Ha, eine Nagelbettentzündung! Da lacht der Alarmist. Nein, ich denke natürlich weiter. Dieses abstehende Häutchen wird vermutlich nicht nur zu einer Nagelbettentzündung führen, sondern zu einer veritablen Blutvergiftung. In einem ersten Schritt wird man links und rechts an der Fingerwurzel eine enorm schmerzhafte Leitungsanästhesie legen, damit man den Nagel ziehen kann. Aber schon bald wird es zur Blutvergiftung kommen, und man wird den Finger amputieren müssen. Was für mich als Linkshänder natürlich verheerend ist.

Das klingt tatsächlich dramatisch!
Das ist erst der Anfang. So wie ich das einschätze, ist die Wahrscheinlichkeit recht gross, dass ich die Hand verlieren werde. Vermutlich sogar den Unter-, wenn nicht sogar den ganzen Arm. Ja, es ist nicht leicht, als Alarmist zu überleben.



Gemeinsam mit dem Schweizer Lokalradiopiraten Roger Schawinski trotzte Frank Baumann (65) in der Pionierphase von Radio 24 – am Comersee – der Behördenwillkür. Nach einem dreijährigen Intermezzo beim Schweizer Rundfunk SRG in Basel, als Macher der Morgensendung «Agenda», kehrte der gebürtige Zürcher 1983 als Moderator zum inzwischen legalisierten Radio 24 zurück. Als «Anchorman» gelang es ihm, mit unkonventionellen, völlig neuen Unterhaltungsformen die hervorragenden Ratings des Zürcher Lokalsenders mitzubestimmen. Und jetzt macht er den «Health Podcast» zur Gesundheit der Zukunft, was seine Fans freut. Daneben machte sich Baumann als TV-Moderator («Ventil»), Werber und Buchautor einen Namen. Baumann ist passionierter Golfer und wohnt mit seiner Frau Gabriella Baumann-von Arx, Verlegerin von Wörterseh, in Lachen am Obersee.

Das Interview wurde geführt von Veronika Ramseier. Es erschien zuerst in der aktuellen persönlich-Printausgabe.