Die internationale Messe für Buch und Presse Genf feiert vom 29. April bis zum 3. Mai im Palexpo ihre 25. Ausgabe. Armenien und das Bundesamt für Kultur (BAK) sind Ehrengäste, die Sonderausstellung ist der "Kunst des Freimaurertums" gewidmet. Als Neuheiten gibt es ein Internet-Labor für "Neues Lesen" und das Festival "Le Temps de le dire". Letzteres wird vom neuen Messedirektor Patrick Ferla moderiert und umfasst Diskussionen, Begegnungen und Gespräche sowie öffentliche Lesungen durch Autoren und Schauspieler.
Das Labor "Neues Lesen" (www.lectureslab.ch) hat Leser, Verleger und Erfinder schon vor der Messe eingeladen, nach dem Vorbild sozialer Netzwerke Ideen auf der Plattform zu deponieren. Der beste Vorschlag wird im Rahmen des Buchsalons mit 5'000 Franken honoriert. Unter den bisher eingegangenen Einfällen gibt es beispielsweise das olfaktorische Buch: Es wird mit verschieden parfümierter Tinte bedruckt, deren Duft durch Reiben freigesetzt wird - beispielsweise Blut und Verwesung im Krimi oder Fisch und Algen bei Strandszenen.
Mehrere Wettbewerbsbeiträge denken die Möglichkeiten des EBooks kreativ weiter. So sollen EBooks etwa auf Tablets und Smartphones eine Zusatzfunktion haben, um andere Leser oder den Autor zu kontaktieren. Oder - für Lese-Anfänger oder Analphabeten - bei Berührung eines Worts oder Buchstabens den zugehörigen Laut oder eine Illustration einblenden. Mit solchen Vorschlägen haben die Wettbewerbsteilnehmer genau den Schwerpunkt von Ehrengast BAK getroffen: Dieses will bei seinem Auftritt vor allem den Zugang zur Kultur thematisieren - Illetrismus einerseits als dessen Erschwerung, digitale Kultur als Erleichterung.
Die grosse Ausstellung ist der Kunst der Freimaurer gewidmet. Zu sehen sind über 300 Bilder, Skulpturen, Alltagsgegenstände, Manuskripte und rituelles Zubehör. Ziel ist laut Veranstalter, die Riten und Gebräuche der zu Unrecht als Sekte angesehenen Geheimgesellschaft zu erklären. Die Exponate sind Leihgaben von französischen Freimaurermuseen und von Schweizer Logen. Die Genfer Buchmesse, die sich selber als "das wichtigste kulturelle Treffen in der Schweiz" bezeichnet, rechnet mit etwa 100'000 Besuchern. Seit der Gründung der Buchmesse in Basel 2003 ist das Interesse von Deutschschweizer Verlagen und Besuchern am Genfer Buchsalon stark gesunken. In den 1990er Jahren hatten jeweils bis zu 100 Deutschschweizer Verlage im Palexpo ausgestellt. (sda)

