Am Freitag hat "The Social Network" von David Fincher ("Fight Club") das 48. New York Film Festival eröffnet. Im Film wird der Facebook- Gründer Mark Zuckerberg als unsympathisch und skrupellos dargestellt. Anderen Grössen des Computer-Zeitalters wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Apple- Chef Steve Jobs oder den Gründern von Google blieb bislang ein Film über ihren Aufstieg erspart. Zuckerberg dagegen bekommt bereits mit 26 Jahren ein böses Denkmal gesetzt.
Zum Auftakt sieht der Zuschauer einen sozial ungelenken Studenten, der seine Freundin auf unausstehliche Art zutextet. Erica (Rooney Mara) macht daraufhin Schluss, nicht ohne Mark (Jesse Eisenberg) etwas mitzugeben: Er werde eines Tages reich sein und Erfolg haben; dass Mädchen ihn nicht mögen, werde er darauf zurückführen, dass er ein Streber sei. Die Wahrheit sei jedoch, dass sie ihn nicht mögen, weil er ein Arschloch sei.
Zuckerberg behauptet, mit Facebook habe er die Welt zu einem offeneren Ort machen wollen. Der Film lege stattdessen nahe, er habe das Netzwerk eingerichtet, um leichter Frauen kennenzulernen. Finchers Werk werde er sich nicht angucken, sagt Zuckerberg. Dass er sich davon unter Druck gesetzt fühlt, ist dennoch unbestreitbar: Es dürfte kein Zufall sein, dass Zuckerberg rechtzeitig zur New Yorker Filmpremiere medienwirksam eine 100-Millionen-Dollar-Spende für Schulen in den USA bekanntgibt.
Der Werbespruch des Films lautet "Du kannst keine 500 Millionen Freunde haben, ohne dir ein paar Feinde zu machen". Er spielt auf die halbe Milliarde Menschen an, die Facebook inzwischen nutzen und die zerbrochenen Freundschaften zu früheren Weggefährten. Einige zerrten ihn sogar vor Gericht, weil sie sich von ihm ausgenützt fühlten. Genau diese Geschichten verwebt der Film sehr spannend. Regisseur Fincher, bekanntgeworden mit dem Thriller "Sieben" und gefeiert für "Der seltsame Fall des Benjamin Button", springt zwischen der Facebook-Gründungszeit und den späteren Prozessen hin und her.
Die Welt gewinnbringend verändern
Am Anfang der Filmgeschichte steht die Motivation eines egomanischen Nerds: Im Herbst 2003 möchte der 19-jährige Mark kein Aussenseiter mehr sein und es unbedingt in die Studenten-Vereinigungen schaffen. Um sich beliebt zu machen, entwickelt er ein Web-Portal für seine Mitstudenten. "Ich rede davon, sämtliche sozialen Erlebnisse im College online zu stellen." Die Idee dahinter: "Die Leute wollen ins Internet und wissen, was ihre Freunde machen. Also baue ich 'ne Website, die das anbietet."
Der Erfolg überrollt Zuckerberg und seinen Kumpel Saverin (Andrew Garfield). Ein erbitterter Machtkampf bahnt sich an. Schnell wächst Facebook über die Campus-Grenzen hinaus. Sean Parker, der einstige Mitgründer der Musiktauschbörse Napster - gespielt von Popsänger Justin Timberlake - taucht als Mentor auf. Längst geht es nicht mehr nur um eine Kommunikationsrevolution an der Hochschule, sondern auch um viel Geld. Timberlake alias Parker sagt: "Eine Million Dollar ist nicht cool. Weisst du, was cool ist? Eine Milliarde!"
Die Milliarde hätte Zuckerberg längst haben können. Er schlug jedoch mehrere Angebote aus, Facebook zu verkaufen. Der irgendwann anstehende Börsengang dürfte ihn dafür zum Multimilliardär machen. (sda)

