Baptiste Planche, «Unsere kleine Botschaft» könnte man als Kreuzung zwischen dem Film «Ernstfall in Havanna» und der Serie «The Office» beschreiben. Beide Produktionen stammen aus den 2000er-Jahren. Sind Sie nostalgisch?
Gute Filme und Serien sind selten Kreuzungen – eher autochthone Wildpflanzen mit eigenem Charakter. Auch «Unsere kleine Botschaft» ist kein Hybrid, sondern eher eine eigenwillige Pflanze, die irgendwo zwischen Satire, Diplomatie und Bürokratie ihre tropischen Blüten treibt. Ich denke übrigens, dass viele Menschen – genau wie ich selbst – gerne nostalgisch sind. Das zeigt auch die Tatsache, dass «The Office» auch heute noch fleissig gestreamt wird.
Es handelt sich um die erste SRF-Sitcom seit 20 Jahren. Warum hat man so lange gewartet?
Wir haben nicht proaktiv nach einer neuen Sitcom gesucht, sondern im Rahmen einer offenen Ausschreibung nach «neuen Serien». Marco Edmonds hat die Idee zu «Unsere kleine Botschaft» eingegeben, die uns begeistert hat. Die Sitcom hat sich als das richtige Format und Genre für diese Geschichte mit ihren schrulligen und zugleich liebenswerten Figuren angefühlt. So wurde es eine Sitcom.
Inzwischen sind Zuschauerinnen und Zuschauer an aufwendige Produktionen gewöhnt, wie «Wilder», «Tschugger» oder «Davos 1917». Sind Sitcoms nicht etwas aus der Zeit gefallen?
2025 ist kein schlechtes Jahr für gute Unterhaltung mit einem zünftigen Schuss Humor und «Feel Good»-Effekt, das können wir doch alle gut gebrauchen. Für eine Sitcom ist «Unsere kleine Botschaft» zudem hochwertig produziert und begeisterte an der Premiere am Zurich Film Festival im Oktober Jung und Alt.
«Aktuell trägt auch die Fiktion zu den Sparmassnahmen bei und wir produzieren weniger»
Hat die Wahl des Formats auch etwas mit dem Spardruck bei SRF zu tun?
Nein. Entscheidend war, dass uns die Geschichte, das Kreativ-Team und die Umsetzung von «Unsere kleine Botschaft» begeistert haben. Wir sind überzeugt, mit dieser Sitcom dem Publikum eine Freude bereiten zu können.
Sie begleiten seit 2018 die Herstellung von Filmen und Serien für SRF, seit 2022 sind Sie Leiter Fiktion. Was sind die konkreten Folgen der Sparmassnahmen für die Produktion von Fiktion?
Die SRG setzt seit 2020 vermehrt auf die Kraft von Schweizer Serien und belegt ihre Sendeplätze seither mit mehr Eigen- beziehungsweise Koproduktionen. Dank dieser Ausrichtung können wir bei SRF kontinuierlich drei bis vier Streaming- und TV-Serien jährlich produzieren. Damit stärken wir die Branche und wir haben dem Schweizer Serienschaffen zu einem Professionalisierungs- und Internationalisierungsschub verholfen. Aktuell trägt auch die Fiktion zu den Sparmassnahmen bei und wir produzieren weniger. Wie viel es in Zukunft noch sein kann, ist zurzeit offen.
Parallel zu den Sparmassnahmen tobt auch die Diskussion, ob Unterhaltung ein Teil des Service public sein soll. Hat diese Debatte einen Einfluss auf die Auswahl der Konzepte, die umgesetzt werden sollen?
Status quo stehen unter anderem folgende Aufträge explizit in der Konzession der SRG. Erstens: Beitrag zur Unterhaltung, zweitens ein hoher Anteil an vielfältigen und innovativen Eigenproduktionen, die einen Beitrag zur schweizerischen Identität leisten, und drittens eine enge Zusammenarbeit mit dem schweizerischen Filmschaffen. Mit den von SRF produzierten und koproduzierten Filmen und Serien entsprechen wir diesen Aufträgen. Manchmal steht die Unterhaltung mehr im Vordergrund, manchmal weniger – aber Filme und Serien ohne Unterhaltungsanspruch will kein Mensch sehen. Und ohne die Mitfinanzierung durch Medienabgaben würde es in der Schweiz keine oder kaum noch Serien geben. Die SRG finanziert diese grossmehrheitlich, denn eine Förderung des Bundes gibt es dafür nicht und der Schweizer Markt erlaubt es schlichtweg nicht, die notwendigen Investitionen durch ausreichende Gewinnaussichten kommerziell zu finanzieren.
«Marco Edmonds wusste schon recht genau, was er erzählen wollte – inspiriert durch seine Zeit als Mitarbeiter in einer Schweizer Botschaft»
Die Serie wurde aus einem Pitch mit über 200 Eingaben ausgewählt. Welche Elemente haben das Konzept von Marco Edmonds hervorstechen lassen?
Marco wusste schon recht genau, was er erzählen wollte – inspiriert durch seine Zeit als Mitarbeiter in einer Schweizer Botschaft. Sein witziger Blick auf die Diplomatie schien uns reizvoll, die Idee war klar schweizerisch und durch das Setting einer Bürogemeinschaft sahen wir ein breites Identifikationspotenzial darin. Im Writers Room haben wir dann – zusammen mit Marco und den Head-Autoren Pascal Glatz und Christian Wehrlin – noch einige Schippen draufgelegt. In der Realisierung haben ausserdem das Regie-Duo Johannes Bachmann und Johannes Schröder sowie der Showrunner Mauro Müller und Produzent Björn Hering zusammen mit dem ganzen Team einen tollen Job gemacht.
Aus dem gleichen Pitch derselben Ausschreibung ist auch die Serie «Mindblow» entstanden. Werden noch weitere Konzepte umgesetzt? Oder ist die Zeit reif für eine neue Ausschreibung?
Auf die Ausschreibung hatten wir 222 Eingaben erhalten, wovon es zehn in eine Endauswahl geschafft haben. Davon haben dann vier Ideen den Zuschlag für eine Weiterentwicklung erhalten. Zwei haben es leider nicht zur Realisierung geschafft, weil sie im Stoffentwicklungsprozess nicht bis zuletzt zu überzeugen vermochten. Wir haben auch aktuell einige weitere Stoffe in Entwicklung, meist auf Basis von spontanen Eingaben von Autor:innen oder Produzent:innen. Eine Ausschreibung planen wir deshalb zurzeit nicht.
Gibt es eine Entlohnung für eine Pitch-Teilnahme? Falls nicht, warum?
Die Verlierer:innen aus der Endrunde erhalten üblicherweise eine Aufwandsentschädigung für den Pitch, die Gewinner:innen einen Entwicklungsvertrag.
Wird das Team der kleinen Botschaft für eine zweite Staffel zurückkehren?
Ich hoffe es sehr.
«Unsere kleine Botschaft» läuft ab Freitag, 31. Oktober, auf SRF 1 und auf Play SRF.

