20.12.2021

Wahlkampf

Private Tweets wirken sich eher negativ aus

Ein Online-Experiment legt nahe, dass sich Wähler von privaten Twitter-Beiträgen von Politikern eher abschrecken lassen. Sie bevorzugen gemäss einer Studie stattdessen Kandidaten, die vor allem politikbezogene Tweets veröffentlichen.
Wahlkampf: Private Tweets wirken sich eher negativ aus
Forschende der Universitäten Basel und Genf untersuchten mit niederländischen Kollegen, welcher Stil – professionell oder privat – auf Twitter mehr Wahlerfolg verspricht. (Bild: Keystone/DPA/Tobias Hase)

Die sozialen Medien erlauben es Politikerinnen und Politikern, der Wählerschaft ihre politischen Positionen darzulegen. Mit privaten Inhalten können sie sich zudem als normale Bürger darstellen, um nahbarer zu wirken. Forschende der Universitäten Basel und Genf untersuchten nun mit niederländischen Kollegen, welcher Stil – professionell oder privat – auf Twitter mehr Wahlerfolg verspricht. Dazu starteten sie ein Online-Experiment mit 4358 Personen aus der Schweiz und Deutschland. 

Die im Fachmagazin Electoral Studies veröffentlichten Ergebnisse deuten darauf hin, dass Politiker, die politikbezogene Botschaften twittern, sehr viel wahrscheinlicher gewählt werden. Ausschliesslich private Tweets kommen hingegen eher schlecht an. «Der Social-Media-Stil eines Volksvertreters kann demnach für eine Wahl durchaus relevant sein», liess sich Mitautorin und Politikwissenschaftlerin Stefanie Bailer von der Universität Basel in einer Mitteilung ihrer Hochschule zitieren.

Starker Effekt

Für die Studie präsentierten die Forschenden den Teilnehmenden den Tweet eines fiktiven Politikers oder einer fiktiven Politikerin. Der Inhalt der Tweets war entweder privater Natur (etwa: «Sonnenschein und ein gutes Buch: mehr braucht es eigentlich nicht, um abzuschalten») oder handelte um politikbezogene Themen zum Gesundheitswesen und zu Renten. Anhand des Tweets und ein paar wenigen Angaben zum Politiker mussten die Teilnehmenden schliesslich entscheiden, ob sie der Person die Stimme geben würden oder nicht. 

Die im Experiment aufgedeckten Effekte können sehr stark sein, so die Forschenden. Für die Schweizer Stichprobe zeigte sich, dass Politiker mit einem politikorientierten Kommunikationsstil sogar Wähler mit einer anderen politischen Gesinnung anziehen können. Anders in Deutschland: Dort scheint dieser Effekt nicht stark genug, um Parteigrenzen zu überwinden.

Demokratisches Potential unter Vorbehalt

«Neben Facebook und Instagram bietet Twitter als soziales Medium neben möglichen populistischen Gefahren auch demokratisches Potenzial», sagte Politikwissenschaftlerin Bailer. Ohne den Filter der traditionellen Medien könnten Politikerinnen und Politiker einfacher, schneller und häufiger mit der Öffentlichkeit kommunizieren.

Allerdings: Dieses demokratische Potenzial könne nur dann ausgeschöpft werden, wenn die Online-Begegnungen recht häufig seien, geben die Forschenden zu bedenken. Und hierfür gebe es Zweifel. Twitter-Nutzer seien jünger und wohlhabender als die Durchschnittsbevölkerung, was die Reichweite der Botschaften von Politikern einschränke. «Um den demokratischen, repräsentativen Wert sozialer Medien wirklich zu beurteilen, sollte dies nicht vergessen werden», schreiben sie. (sda/tim)



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