01.06.2016

Kunst

Unangepasste Mexikanerinnen in Bern

Wie es klingt, wenn eine Säge einen menschlichen Schädel durchtrennt.
Kunst: Unangepasste Mexikanerinnen in Bern

35 Werke zeitgenössischer mexikanischer Künstlerinnen präsentiert das Kunstmuseum Bern in einer neuen Ausstellung. Die Werke stammen von der renommierten Daros Latinamerica Collection und zeigen für Mexiko typische Themen wie Gewalt und Machismo aus Frauenperspektive. Zu entdecken ist etwa das Video «La Piñata» von Teresa Serrano (*1936), in dem diese ein in Mexiko populäres Element von Feierlichkeiten aufnimmt und pervertiert.

Statt dass aus einem an der Decke festgemachten Gefäss nach dem Zerschlagen Süssigkeiten hervorquellen, malträtiert ein Schauspieler mit einem Stock die Papierfigur einer Frau. Diese ist gekleidet wie eine der vielen Fabrikarbeiterinnen, welche in den letzten Jahren in der nordmexikanischen Stadt Ciudad Juarez entführt, vergewaltigt und bestialisch ermordet worden sind.

Auch mit herausgeputzten Autos als Symbol des Machismo, mit fehlendem Grün in der Megacity Mexiko-Stadt und mit Aberglauben beschäftigen sich die Fotos, Installationen und Videos. Und wer noch nie das Geräusch gehört hat, wenn eine Säge den Schädel eines Menschen durchtrennt, kann das in der Berner Ausstellung tun.

Es sei das erste Mal, dass die mehr als tausend Werke umfassende Daros Lateinamerika-Sammlung explizit auf zeitgenössische Kunst von Frauen abgesucht worden sei: Das sagte Kuratorin Valentina Locatelli bei der Präsentation der Schau am Mittwoch vor den Medien in Bern.

Diese heisst «Without Restraint. Werke mexikanischer Künstlerinnen aus der Daros Latinamerica Collection» und zeigt laut Locatelli, dass sich diese Künstlerinnen gerade nicht beschränken lassen. Die Schau wird am Freitag dieser Woche fürs Publikum eröffnet und dauert bis zum 23. Oktober. (sda/lcv)


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