Nach dem starken Vorjahr pendelt sich der Edi wieder ein: An der Preisverleihung des Edi.26 im Schiffbau Zürich vergab die Jury am Donnerstagabend 14 Edi-Statuetten, nämlich dreimal Gold, viermal Silber, dreimal Bronze und vier Spezial-Edis. Das sind gleich viele wie in der Jubiläumsausgabe 2024. Im Vorjahr waren es mit 22 Auszeichnungen so viele wie seit 2013 nicht mehr.
Von den 36 Filmen auf der Shortlist wurden in diesem Jahr folgende mit einem Edi geehrt:
Gold-Edi für «Around the Americas – The Wall»
(Commercials: Spots ab 16 Sekunden, TV/Kino)
Die Jury begründet ihren Entscheid so: «Der Film verleiht einer altbekannten Mechanik eine überraschend neue Dynamik. Mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen beweist die Marke Mut und klare Haltung. Gleichzeitig gelingt es ihr, ihre Produkte beiläufig und dennoch relevant in Szene zu setzen.»
Produktionsfirma: Plan B Film
Produzenten: Niels Vije, HC Vogel
Auftraggeber: Digitec Galaxus
Regie: Chris Niemeyer
Agentur: Digitec Galaxus
Gold-Edi für «Explodiere nicht.»
(Corporate Communication: Informationsfilme)
Begründung der Jury: «Metaphern sind ein heisses Eisen. Die Metapher in diesem Film funktioniert bis zum letzten Bild. Eine Geschichte aus dem Leben, handwerklich stark erzählt – mit klarer Dramaturgie und perfekt gesetztem Plottwist. Die Botschaft bleibt: im Kopf und im Herzen.»
Produktionsfirma: CZAR Film
Produzenten: Florian Nussbaumer, Nadia Staehelin
Auftraggeber: Kinderschutz Schweiz
Regie: Bart Timmer
Agentur: Neu Creative Agency
Gold-Edi für «Let animals grow old»
(Animation / VFX / AI: KI-generierte Filme)
Begründung der Jury: «Dieser Film hat nicht viel Fleisch am Knochen. Er überrascht ab der ersten Sekunde und besticht durch Liebe zum Detail auf allen Ebenen. Er schafft es, humorvoll Empathie zu erzeugen und zum Nachdenken anzuregen. Fazit: Alles andere als Beilage.»
Produktionsfirma: Stories
Produzenten: Yves Bollag, Michèle Seligmann
Auftraggeber: Hiltl
Regie: Tobias Fueter
Agentur: Ruf Lanz
Am häufigsten auf der Bühne stand Stories. Neben Gold für Hiltl gewann die Produktionsfirma Silber für «Beautiful Autumn» von Schweiz Tourismus unter der Regie von Marc Forster. Ausserdem erhielt Silvan Giger den Spezial-Edi für die Kamera bei «Glaub an dich – Manifest» für die CSS. Im Gegensatz zum Hiltl-Film entstand «Goldau» ganz ohne KI: Roman Kälin erhielt für den Film des Bergsturzmuseums den Spezial-Edi für Visual Effects, laut Jury eine Arbeit «mit spürbarem Herzblut und Eigeninitiative». Weitere Spezial-Edis gingen an India Demirci und Eva Mäder für das Production Design von «Manifest FC St.Gallen 1879» sowie an Chris Niemeyer für das Drehbuch von «Around the Americas – Golf Kick».
Hier die Übersicht aller Gewinner – Gold, Silber, Bronze und Spezial-Edi – mit sämtlichen Detailangaben (Klicken zum Vergrössern):
Alle Gewinnerfilme sind auf edinet.ch publiziert.
«Ohne euch erstrahlt nichts»
Eröffnet wurde die Show mit einem Opener-Film, der das diesjährige Motto «A Spectrum of Brilliance» aufnimmt und Ausschnitte aus den nominierten Filmen zeigt. Inszeniert und visuell gestaltet hat die gesamte Show Vaudeville Studios im Auftrag von Swissfilm Association.
«Brillant – das ist das Wort, das wir brauchen, um etwas zu beschreiben, das fast unübertrefflich ist», sagte Derya Tuna, Vorstandsvorsitzende von Swissfilm Association, in ihrer Begrüssung. Brillanz entstehe aber erst durch ein Spektrum an verschiedenen Farben, im Film durch das Zusammenspiel von Produktion, Regie, Kamera, Licht, Schnitt, Sound und vielem mehr. Auch die Technologie sei schon immer ein wichtiger Teil davon gewesen, und KI stelle gerade alles nochmals auf den Kopf. «Ganz allein schafft aber auch KI keine Brillanz.» Einen besonderen Dank richtete Tuna an die Auftraggeber: «Ihr seid Teil der Brillanz! Ohne euch erstrahlt nichts!»
Weisses Licht aus allen Farben
Auch Nadine Adler Spiegel, Co-Leiterin der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (BAK), griff in ihrer Grussbotschaft das Motto auf: «Ein Spektrum entsteht, wenn man Licht in seine Farben zerlegt. Umgekehrt bedeutet das: Führt man alle Farben wieder zusammen, entsteht weisses Licht. Keine Farbe schafft das allein.»
Mit einem Augenzwinkern blickte die BAK-Vertreterin auf ihren Auftritt im Vorjahr zurück. Damals habe sie sich gewünscht, etwas von der Energie des Edi würde auch auf andere filmpolitische Anlässe überspringen. «Und tatsächlich: Am Schweizer Filmpreis war die Stimmung dieses Jahr bestens. Ob das an meinem Aufruf lag, wage ich nicht zu behaupten. Aber wer weiss …»
Adler Spiegel betonte erneut den Stellenwert des Auftragsfilms: «Ihnen bleiben oft nur Sekunden, um ein Publikum zu gewinnen.» Was kurz erscheine, sei keineswegs einfach. «Das ist eine eigene Kunstform. Ich sage das nicht zum ersten Mal. Ich sage es, weil es stimmt.» Das sei ihr als Vertreterin der Filmförderung nicht gleichgültig: Viele der Ausgezeichneten stünden bald wieder am Set eines Spiel- oder Dokumentarfilms und trügen auch das Schweizer Kino mit. «Wer ihre Arbeit stärkt, stärkt beides.»
«Hat David Hockney seinen eigenen Pool gesäubert?»
Durch den Abend der 27. Edi-Ausgabe führte Jane Mumford. Die Stimmung im Saal reiche laut der Komikerin «von leicht nervös bis extrem aufgeregt, von ziemlich gut gelaunt bis schon sehr angetrunken». «Brilliance» bedeute nicht nur Strahlkraft, sondern auch Genialität, so Mumford. Doch Genialität brauche ein Team: «Die Umsetzung zur Tat hat meines Wissens kein Genie alleine geschafft. Oder hat David Hockney seinen eigenen Pool gesäubert?», fragte sie mit Blick auf die berühmten Pool-Bilder des britischen Malers.
Musikalisch begleitet wurde der Anlass von der schweizerisch-kanadischen Musikerin Camilla Sparksss.
-
Schauplatz der Edi-Verleihung auch in diesem Jahr: der Schiffbau in Zürich. -
Der Edi ist eine Art Klassentreffen der audiovisuellen Branche. -
Der Welcome-Apéro war heiss begehrt … -
… und wurde in diesem Jahr von der schweizerisch-kanadischen Musikerin Camilla Sparksss live begleitet. -
Kabarettistin Jane Mumford moderierte souverän durch den Abend. -
Begrüsste die Gäste und überreichte die Edis: Derya Tuna. -
Insgesamt drei Gold-Edis wurden vergeben. -
Gold in der Kategorie Spots für «Around the Americas – The Wall» von Galaxus: Moderatorin Jane Mumford im Gespräch mit dem Team von Plan B Film. -
Mit dem KI-generierten Film «Let animals grow old» für Hiltl holte das Team von Stories Gold. -
Für «Explodiere nicht» von Kinderschutz Schweiz durfte das Team von CZAR Film mit Regisseur Bart Timmer Gold entgegennehmen. -
Begehrte Trophäe: Die Edi-Statuette wurde in diesem Jahr 14 Mal vergeben.
Edi ist die offizielle Qualitätsauszeichnung für Auftragsproduktionen von Werbe-, Industrie- und Unternehmensfilmen. Der Wettbewerb steht unter dem Patronat des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI). Mit dem Edi sensibilisieren Innendepartement und Swissfilm Association für das schweizerische Auftragsfilmschaffen.