Eine im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace erstellte Studie versuchte den «werbebedingten Mehrkonsum» zu messen. Dieser sei «in der Schweiz für einen hohen Anteil an Treibhausgasemissionen und Umweltbelastung verantwortlich», hält das Forschungsbüro Infras fest. Besonders im Fokus stehen dabei Migros und Coop als die beiden grössten Werbeauftraggeber (persoenlich.com berichtete). Entsprechend gross sei deren Verantwortung, zu einer Reduktion der Emissionen beizutragen, etwa indem sie Werbung für klima- und umweltschädliche Produkte unterbinden, fordert Greenpeace.
Kommunikation für mündige Kundschaft
Migros und Coop betonen in Stellungnahmen zur Greenpeace-Studie ihre vielfältigen Bemühungen um Nachhaltigkeit – gerade auch und besonders in der Werbung. So weist etwa Migros auf die «überproportionalen» Investitionen in das vegane Sortiment, das pflanzliche Alternativen zu tierischen Produkten bietet. Entsprechend passe man auch den Fokus der Kommunikation an. «Wenn wir Fleischwerbung schalten, tun wir dies mit Fokus auf den Mehrwert des Produktes und um Menschen, die sowieso Fleisch kaufen möchten, daran zu erinnern, dass sie ihr qualitativ einwandfreies Schweizer Fleisch in der Migros finden», hält Migros zur kritisierten Fleischwerbung fest. Und: Eine gewisse Mündigkeit darf man Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten schon zutrauen.
Auch Coop verweist auf sein überproportionales, auch kommunikatives, Engagement zugunsten vegetarischer oder veganer Produkte im Vergleich mit dem Fleischsortiment und gemessen an der Gesamtanzahl der Produkte. Seit über 30 Jahren leiste Coop zudem einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit mit dem inzwischen breitesten Sortiment an Bio- und Fairtrade-Produkten im Schweizer Detailhandel. «Entsprechend sehen wir keinen Handlungsbedarf», schreibt Coop in einer Stellungnahme.
Zahlen «nicht nachvollziehbar»
Zu den Ergebnissen der Greenpeace-Studie nehmen die Grossverteiler im Detail keine Stellung. Coop zieht die Ergebnisse insofern in Zweifel, als dass das Unternehmen die von der Studie verwendeten Ausgaben für Supermarktwerbung für «nicht nachvollziehbar» hält. «Die effektiven Werbeausgaben machen einen Bruchteil dieser Zahl aus», schreibt Coop.
Bei aller Kritik an der Greenpeace-Studie weisen sowohl Coop als auch Migros darauf hin, dass sie sich mit der Organisation zum Thema Nachhaltigkeit austauschen. «Greenpeace ist einer von vielen Stakeholdern, mit welchen wir uns regelmässig zu verschiedenen Themen austauschen», bestätigt eine Coop-Sprecherin die Kontakte mit der NGO.