Die Migros muss bei ihrem Online-Laden Amigos über die Bücher. Denn, wie die «SonntagsZeitung» schreibt, kommt die Ausgleichskasse des Kantons Zürich zum Schluss, dass die Lieferanten, die im Auftrag der Migros für 7.90 Franken eine Tasche voller Einkäufe nach Hause liefern, Angestellte und nicht Selbstständige sind.
Die Ausgleichskasse widerspricht damit der Migros, die von einem Arbeitsverhältnis mit mehreren Tausend solcher Lieferanten nichts wissen wollte und die davon sprach, die Bezahlung sei ein «Taschengeld».
Die Experten der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich haben dagegen einem Amigos-Lieferanten in einem Schreiben, das der «SonntagsZeitung» vorliegt, mitgeteilt: «Die Kuriertätigkeit für Amigos qualifizieren wir als unselbstständig.» Die Einschätzung der Behörde ist klar: «Jemand, der selbstständig ist, tätigt erhebliche Investitionen und stellt Rechnungen im eigenen Namen und auf eigenes Risiko.» Selbstständige bestimmten ihren Preis selbst, seien von einer Arbeitsorganisation unabhängig und müssten Kunden selbst akquirieren.
All das trifft auf die Amigos nicht zu. Die Lieferanten sind demnach Angestellte des Detailhändlers. Er muss ihnen wie allen Mitarbeitern AHV-Beiträge bezahlen und sie gegen Unfälle versichern. Diese Abgaben fallen bis fünf Jahre zurück an. Für zu spät einbezahlte Beträge kommen fünf Prozent Verzugszins hinzu.
Uber des Detailhandels
«Die Migros hat versucht, das Modell Uber im Detailhandel einzuführen. Damit ist sie gescheitert», sagt Philipp Zimmermann von der Gewerkschaft Unia gegenüber der Zeitung. Die Detailhändlerin müsse ihre Lieferanten ordentlich anstellen.
Migros glaubt an das Konzept des Lieferdiensts, welches im April zum besten Webprojekt des Jahres gekürt wurde, muss damit aber über die Bücher. «Amigos wird Bestandteil des neuen Lebensmittel-Onlineprojekts sein, dass gerade aufgebaut wird», sagt Sprecher Patrick Stöpper gegenüber der SoZ. Man werde nach der laufenden Pilotphase aufgrund der Erfahrungen Änderungen vornehmen. Dazu gehören laut Stöpper auch die arbeitsrechtliche Situation der Bringer. (pd/wid)