17.08.2026

Nach der Arbeit

«Beide Tätigkeiten haben viel miteinander zu tun»

Unter der Woche entwickelt Marco Meroni, Managing Director der Agentur June, Stories, die Marken medienwirksam inszenieren. Am Wochenende legt er die Hände in den Ton und modelliert Köpfe. Dabei denke er meistens an den Job, wie er in der vorletzten Folge der Sommerserie verrät.
Nach der Arbeit: «Beide Tätigkeiten haben viel miteinander zu tun»
«Während ich modelliere, denke ich meist nicht über Nasen oder Ohren nach, sondern über Inszenierungsmöglichkeiten von Markenbotschaften», so Marco Meroni, Managing Director von June. (Bilder: zVg)

Marco Meroni, wann und wie sind Sie zu Ihrem Hobby gekommen?
2017 durfte ich die Kampagne Woodvetia für das Bundesamt für Umwelt mitgestalten. Im Mittelpunkt standen 20 Holzstatuen von wichtigen Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte und Gegenwart. Geschaffen wurden diese vom fantastischen Künstler Inigo Gheyselinck, zuerst aus Ton und erst dann aus Schweizer Holz. Das hat mich fasziniert und so wollte ich herausfinden, wie sich seine künstlerische Arbeit in meinen eigenen Händen anfühlt. 

Was hat Sie so gepackt, dass Sie dabei geblieben sind?
Die Arbeit mit Ton zwingt mich zur Langsamkeit und das bringt Ruhe in mein sonst ziemlich hektisches Leben. Während ich modelliere, denke ich in einem anderen Modus über Kundenbriefings nach und das öffnet oft neue Wege.

Wie viel Raum nimmt das Hobby in Ihrem Leben ein – zeitlich, aber auch gedanklich?
Unterschiedlich. Im Sommer verbringe ich die meisten Wochenenden modellierend. Im Winter mach ich kleinere Sachen am Stubentisch, weil mein Atelier in einem alten Schweinestall untergebracht ist. Und da ist es so saukalt und feucht, dass ich mir jedes Mal einen Hexenschuss hole, wenn ich es trotzdem versuche.

Wie haben Ihre Arbeitskollegen reagiert, als Sie zum ersten Mal von Ihrem Hobby erzählt haben?
Das ist ehrlich gesagt gar nicht so ein Thema. In Agenturen machen ja alle irgendwas Kreatives nebenbei.

Wie gestaltet sich die Vereinbarkeit zwischen Job und Hobby?
Ich entwickle bei June publikums- und medienwirksame Storys und Stunts für Brands, da bleibt unter der Woche keine Zeit für anderes. An den Wochenenden versuche ich so konsequent wie möglich ein paar Stunden an Tonköpfen zu arbeiten. Nicht zuletzt, weil die plastische Arbeit Prozesse des kreativen Storytellings anders strukturiert.

Was finden Sie in Ihrem Hobby, was Ihnen der Beruf nicht gibt?
Die zwei Tätigkeiten haben sehr viel miteinander zu tun. Im Kern versuche ich ja, eine Idee in eine Form zu bringen, die sich dann selbst erzählt. In der Agentur meistens über den Weg von inszenierten Botschaften und Brand-Stunts, im Atelier in Form von in Ton gekneteten Gesichtern.

Gibt es etwas – eine Fähigkeit, eine Haltung, eine Denkweise –, das Sie aus Ihrem Hobby in den Beruf mitbringen? Und umgekehrt?
Eher ein Workflow. In der Agentur wie im Atelier steht am Anfang eines Prozesses immer eine Intuition, eine Erfahrung oder eine Beobachtung. Das versuche ich dann in eine erzählerische oder plastische Gestalt zu übersetzen. Der Weg hin zum Endresultat wird dann mit der Zeit immer sachlicher und analytischer.

Haben Sie schon damit geliebäugelt, Ihr Hobby zum Beruf zu machen?
Nein, weil ich die Arbeit mit Ton als wesentlichen Teil meines Agentur-Jobs verstehe und umgekehrt. Modellieren hilft mir, für meine Kundinnen und Kunden die spannenderen Geschichten und Kampagnen zu entwickeln. Während ich modelliere, denke ich meist ja nicht über Nasen oder Ohren nach, sondern über Inszenierungsmöglichkeiten von Markenbotschaften. Allerdings in einem anderen Modus und Rhythmus. Das öffnet Perspektiven.

Wenn sich nun jemand von Ihrem Hobby inspiriert fühlt: Haben Sie Tipps für einen problemlosen Einstieg?
Keine Ahnung. Ich bin damals bei Woodvetia einfach in den Dorfbach gestiegen, hab mir da einen Klumpen Lehm rausgekratzt und hab versucht, daraus einen Kopf zu modellieren. True Story. 

Welches nächste grosse Ziel oder Projekt haben Sie sich für Ihr Hobby gesetzt?
Einen Ofen für meinen Schweinestall.



In der Sommerserie «Nach der Arbeit» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die neben dem Beruf einer besonderen Leidenschaft nachgehen. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.


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