Frau Robyn, was haben Kunst und Autos miteinander zu tun?
Nun, einerseits stehen schöne Autos für gutes, zeitloses Design. Und mit ihrer permanenten Präsenz prägen sie unseren Alltag wie kaum ein anderes Objekt. Andererseits ist es sehr spannend zu sehen, was entsteht, wenn sich Künstler mit dem Thema Automobil auseinandersetzen.
Was entsteht dabei?
Das war für uns die interessante Frage, als wir vor acht Jahren die erste Volvo Art Session* durchführten. In den Anfängen verwandelten Street Artists im öffentlichen Raum einen weissen Volvo vor weisser Leinwand immer wieder neu und kreierten so vergängliche Kunstwerke.
Was für Vorteile bringt der Marke Volvo die Verknüpfung mit der Kunst?
Mit unserem Event wollen wir eine Plattform kreieren, wo Kunst auf Innovation und spannende Diskussionen zu aktuellen Themen trifft. Eines der bedeutenden Themen unserer Zeit ist der stetige technologische Fortschritt und die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens.
Wie nehmen Sie diese Themen in der Ausstellung auf?
Der technologische Fortschritt und die Digitalisierung haben wir im letzten Jahr erstmals aufgegriffen – und wir führen es in dieser Ausgabe weiter. Die teilnehmenden Künstler spielen dabei eine wichtige Rolle, denn sie schaffen es ohne grosse Worte, Statements zum Hier und Jetzt zu machen und Denkanstösse auszulösen.
Sehen Sie die Volvo Art Session als eine Art «offenen Kundenanlass»?
Ja, es ist ein offener, bestimmt kein elitärer Anlass. Zwar führen wir einen Eröffnungsabend mit geladenen Gästen durch, aber der Folgetag, der Freitag, 7. September, ist ein öffentlicher Publikumstag. Unser Zielpublikum sind Vordenker, Meinungsbildner, Kreative, Kunstinteressierte und selbstverständlich auch Volvo-Kunden.
«Was uns interessiert, ist nicht die Technologie als solche.»
«Human meets Digital»: Wie spüren Sie das diesjährige Leitmotiv bei Ihrer täglichen Arbeit?
Wenn wir einen Moment innehalten, so spüren wir «Human meets Digital» mittlerweile fast in jedem Lebensbereich. Beim Gebrauch des Smartphones, beim Umgang mit sozialen Medien, beim online Ferienbuchen oder beim halbautonomen Autofahren, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Sie haben gesagt, Volvo befasse sich stets mit der Beziehung von Technologie und Mensch, der Mensch stehe aber im Zentrum. Das tönt realitätsfremd in Zeiten der Digitalisierung.
Nein, im Gegenteil. Ich gebe Ihnen ein konkretes Beispiel. In diesen Tagen hat Volvo einen neuen Concept Car vorgestellt, den 360c. Dieses Konzept ist eine Vision davon, wie ein Auto im Innenraum aussehen könnte, wenn Autos völlig autonom fahren. Nun sind wir nicht der einzige Autohersteller, der solch ein Konzept zeigt. Aber was uns interessiert, ist nicht die Technologie als solche.
Sondern?
Uns interessiert wie unser Leben aussehen wird in einer Welt mit vollautonomen Fahrzeugen. Wie werden wir in Zukunft arbeiten, reisen und entspannen? Wie werden wir mit anderen Menschen interagieren und wie werden wir die neu gewonnene Zeit nutzen? Die wichtige Frage ist also, wie wir als Gesellschaft die zunehmende Digitalisierung beeinflussen wollen. Wir bei Volvo sind fest davon überzeugt, dass neue Technologien nur dann Sinn machen, wenn sie den Menschen an erste Stelle setzen und wenn sie unser Leben letztlich besser und einfacher machen.
«Sophia the Robot zu buchen kostet ähnlich viel wie eine bekannte menschliche Persönlichkeit.»
Wie weit ist die Technologie des autonomen Fahrens bei Volvo fortgeschritten?
Heute fahren unsere Fahrzeuge bereits halbautonom. Das heisst, sie können auf der Autobahn selbstständig die Spur und den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen halten. Ganz wichtig jedoch ist, dass der Fahrer noch immer verantwortlich ist. Das vollautonome Fahrzeug, also der Moment, in dem das Fahrzeug die Verantwortung für das Fahren übernimmt, ist noch ein paar Jahre entfernt.
Sie haben Sophia the Robot eingeladen. Wieso ist die Wahl auf sie gefallen?
Weil sie die aktuelle technologische Entwicklung und damit verbundene Fragen für uns Menschen so passend verkörpert. Sophia ist ein sogenannter Social Robot. Schon heute ist sie intelligent, sie kann Gespräche führen, Gesichtsausdrücke wiedergeben und sie könnte in Zukunft wohl menschliche Arbeiten übernehmen. Wollen wir das? Respektive wie und in welchen Bereichen möchten wir das? Und welche Rolle spielen wir Menschen bei einer solchen Entwicklung? Es sind spannende und wichtige Fragen.
Inwiefern war es schwierig, Sophia zu gewinnen?
Es war gar nicht einmal so schwierig. Mal abgesehen von der Zeitdifferenz, um mit den Schöpfern von Sophia in den USA zu telefonieren und zu verhandeln. (lacht)
Wie hoch ist Sophias Honorar?
Sophia zu buchen kostet ähnlich viel wie eine bekannte menschliche Persönlichkeit. Und sie reist natürlich nur in Begleitung.
Stellen Sie sich ein Tête-à-Tête mit Sophia vor. Welche Frage würde Sie brennend interessieren?
Ich werde Sophia im Rahmen der Volvo Art Session in Kürze tatsächlich persönlich treffen. Ich werde sie fragen, was sie denkt, wo sie uns Menschen in Zukunft am besten unterstützen könnte und wo sie im Vergleich zu uns ihre Limitationen sieht.
*Am 6. und 7. September lud Volvo Schweiz im Zürcher Schiffbau zur Volvo Art Session, einer Plattform für Innovation, Kunst und Design. Unter dem diesjährigen Motto «Human meets Digital – Shaping New Realities» setzte sich die Volvo Art Session mit der Beziehung zwischen Mensch und Technologie auseinander (persoenlich.com berichtete).
Das Interview mit Natalie Robyn wurde einige Tage vor der Veranstaltung geführt und publiziert.