23.06.2026

Aussenwerbung

Plakatkritiker legen Konzept für Stadt Zürich vor

Alle Aussenwerbeflächen, die keine Einnahmen für die öffentliche Hand generieren, sollen verschwinden, findet die IG Plakat Raum Gesellschaft. Für den öffentlichen Grund hat ihr Konzept auch Vorschläge.
Aussenwerbung: Plakatkritiker legen Konzept für Stadt Zürich vor
Die bekannten Lindt-Werbetafeln am Central werden im Konzept der IG Plakat Raum Gesellschaft verschont. (Bild: persoenlich.com/spo)

Der Zürcher Stadtrat steckt mitten in der Entwicklung einer Verordnung zur Reduktion von Aussenwerbung. Den Auftrag dazu hatte ihm der Gemeinderat vor etwas mehr als einem Jahr erteilt. Im März 2025 hatte das Stadtparlament eine Motion zur starken Einschränkung von Aussenwerbung mit einer sehr knappen Mehrheit angenommen (persoenlich.com berichtete). Bis März 2027 hat der Stadtrat Zeit, um die neue Verordnung dem Parlament vorzulegen.

Die Interessengruppe (IG) Plakat Raum Gesellschaft, die sich schon länger für eine Reduktion von Aussenwerbung einsetzt, hat dem Stadtrat kürzlich ein Konzept für die Umsetzung der Motion vorgelegt, wie ihr Präsident Christian Hänggi persoenlich.com mitteilte. Das Dokument hat die IG auf ihrer Webseite publiziert.

Einer der markantesten Vorschläge des Textes ist ein Verbot von Aussenwerbung auf Privatgrund, die vom öffentlichen Grund einsehbar ist. Damit würden laut Konzept 5400 Werbeflächen aus der Stadt verschwinden. Auch Fremdwerbung in Schaufenstern soll verboten werden. Wie von der Motion vorgesehen, würden auch die Werbescreens auf öffentlichem Grund verbannt werden.

Auf öffentlichem Grund sieht das Konzept auch eine Halbierung der Werbestellen im Format F200 vor. Bei den ÖV-Umsteigeorten dürfte es nur noch eine hinterleuchtete Plakatstelle in F200 pro Haltestelle und Fahrtrichtung geben. Was die IG Plakat Raum Gesellschaft auch nicht mehr sehen will, sind Tramvollbemalungen und Werbung auf Tramfenstern. Hingegen wären Hängekartons im Bus und Tram weiterhin erlaubt. 

Mehr Werbung kann sich die Interessengruppe hingegen auf Baustellenwänden vorstellen. Diese sollen dereguliert werden, damit das Lokalgewerbe, KMU und Kultur sie für ihre Werbung nutzen können. Historische Reklameanlagen wie die Lindt-Tafeln am Central sollten auch beibehalten werden. Ebenfalls Gnade finden die Telefonkabinen, die als Werbeträger dienen.

Die Stadt hält sich bedeckt

Inwiefern das Konzept der IG Plakat Raum Gesellschaft in die Verordnung des Stadtrats einfliessen wird, ist offen. Das Amt für Städtebau bestätigt auf Anfrage den Empfang des Dokuments. Es sei üblich, dass Konzepte, Stellungnahmen und Studien von externen Interessengruppen und Experten gesichtet werden. «Ob und in welcher Form solche Beiträge in die weitere Arbeit einfliessen, hängt von verschiedenen Rahmenbedingungen ab. Dazu gehören neben der fachlichen Bewertung insbesondere auch rechtliche und praktische Fragen der Umsetzung», betont die Kommunikationsstelle. Nähere Auskunft zum Stand der Arbeiten gibt das Amt nicht, da es sich um ein laufendes Geschäft handle.

Wie das Konzept erahnen lässt, könnten die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) bei den Werbeeinträgen Verluste erleiden. Wie hoch die Einnahmen durch Vollbemalungen sind, wollten die VBZ auf Anfrage nicht sagen. Die VBZ hatten 2024 24,85 Millionen Franken an Werbeerträgen einkassiert bei 601,35 Millionen betrieblichem Ertrag.

Ebenfalls stark betroffen wäre die Werbebranche. Diese hat sich in der Gruppe Pro Plakat zusammengeschlossen, um gegen die drohenden Verbote in Zürich und anderen Städten zu kämpfen. Auf Anfrage möchte sich die Allianz zum Konzept nicht äussern. «Pro Plakat hat keine Kenntnis vom Konzept der IG Plakat Raum Gesellschaft. Die Ausarbeitung und Umsetzung der Motion liegt aktuell beim Stadtrat und diesen Prozess gilt es zu respektieren», schreibt Kommunikationsverantwortliche Michelle Sameli.


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