Thomas Wildberger kritisiert die Migros-Pläne

MGB - Der Werber befürchtet, dass die DNA des Unternehmens verwässert werden könnte, sollte in den Migros-Filialen künftig Alkohol verkauft werden. Dass die Genossenschaften über diesen Schritt abstimmen können, wertet Thomas Wildberger in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger derweil als «cleveren Schachzug».

Zwar sind noch Hürden zu überspringen: Indem aber eine deutliche Mehrheit der Delegiertenversammlung des Migros-Genossenschaftsbunds (MGB) einer entsprechenden Statutenänderung zugestimmt hat, wurde der Weg zum Alkohol-Verkauf in den Migros-Filialen freigemacht (persoenlich.com berichtete). Werber Thomas Wildberger würde es schade finden, wenn es tatsächlich dazu kommen würde. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger sagt er: «Eine der Grundideen der Migros war, keinen Alkohol und keinen Tabak zu verkaufen. Wenn das nun aufgeweicht wird, besteht die Gefahr, die DNA des Unternehmens zu verwässern.» Wildberger geht gar so weit, dass der orange Riese mit diesem Schritt einen «strategischen Vorteil leichtfertig verschenken würde» – und dies ohne «wirkliche Dringlichkeit».   

Der Verzicht auf den Alkohol-Verkauf sei eines der «wichtigsten Unterscheidungskriterien» zu den Mitbewerbern. Auch wenn die Migros dieses Alleinstellungsmerkmal aufgeben sollte – Wildberger rechnet gegenüber dem TA nicht damit, dass die Reputation des Detailhändlers darunter leiden würde. «Die Migros hat ihr hervorragendes Image über viele Jahre aufgebaut. ‹Gefährlich› ist dieser Schritt nicht, sie wird deswegen keinen Schaden davontragen. Doch es ist bedauerlich, wenn nun mehr und mehr unklar ist, für welche Unterschiede die Migros genau steht.» 

Claim «Die Migros gehört den Leuten» lanciert

Wildberger, der mit dem Migros-Gründer Gottlieb Duttwiler blutsverwandt ist, wertet es als «cleveren Schachzug», dass die Genossenschafterinnen und Genossenschafter über einen künftigen Alkohol-Verkauf abstimmen dürfen. «Als demokratisches Land sind wir solche Abstimmungen gewohnt, und wir akzeptieren das Ergebnis ­– egal wie es ausfällt. Das wird in dem Fall nicht anders sein», lässt er sich im Tages-Anzeiger zitieren.

Als Kreativchef und Geschäftsleiter der verantwortlichen Agentur hat Wildberger Ende 2017 den Claim «Die Migros gehört den Leuten» lanciert (persoenlich.com berichtete). Nun dürften tatsächlich die «Leute» entscheiden. Wildberger ist überzeugt, dass dies marketingtechnisch inszeniert werde. Doch er sagt gegenüber der Zeitung: «Aus marketingstrategischer Sicht finde ich es allerdings falsch, diesen fantastischen, jahrzehntealten Grundsatz aufzugeben. Die Positionierung ‹Täglich besser leben›, Menschen also ‹etwas Gutes tun›, entsprach einer visionären Idee, die sogar international kopiert wurde.» (tim)