Herr Kaczynski, die Schweizer Agenturen und Auftraggeber können beim BCM-Kongress in Hamburg ein Rekordergebnis vermelden (persoenlich.com berichtete). Woran liegt das?
Der wichtigste Grund für das gute Abschneiden der Schweizer Agenturen ist sicher in der Qualität der Arbeiten zu suchen. Schon in den Jury-Beratungen konnte man feststellen, dass wir da auf höchstem europäischen Level mitspielen. Ein weiterer Grund mag daran liegen, dass wir im Schweizer Ableger des Content Marketing Forum gezielt das Know-how unserer Mitglieder in Bezug auf Wettbewerbs-Einreichungen aufgebaut und verbessert haben. Das ist übrigens ein Projekt, welches wir auch im laufenden Jahr wieder aufnehmen wollen. Dass sich das nun auch im Ranking spiegelt, freut mich extrem.
Sie waren selber in Hamburg. Was sind momentan die Trends im Content Marketing?
Wenn ich mir anschaue, was ich in Hamburg gesehen habe, und auch generell wahrnehme, geht der Trend eindeutig in Richtung crossmediale und orchestrierte Kommunikation, die auf einer ausgefeilten Strategie basiert. Im Vordergrund steht dabei, dass wir die Zielgruppen aus den unterschiedlichen Generationen über die Kommunikations- und Marketingkanäle erreichen, über die sie Informationen konsumieren. Ein weiterer Trend in diesem Zusammenhang ist sicher die zunehmende Individualisierung und damit verbunden die Personalisierung der Kommunikations- und Marketingkanäle – sei es die digitalen oder analogen. Bewegtbild ist ebenfalls ein Thema, das nach wie vor sehr angesagt ist. Also, tolles Storytelling kombiniert mit Bild- und Tonwelten, die emotional mitreissen. Grundsätzlich gilt hier, wie bei allen anderen qualitativ hochstehenden Aktivitäten, dass gute Filme ein entsprechend hohes Budget benötigen. Sonst gehen sie im Rauschen unter.
«Content Marketing ist zunehmend wichtiger und komplexer geworden»
Haben sich die Ansprüche der Auftraggeber in den letzten Jahren verändert?
Das haben sie in der Tat. Content Marketing ist in den letzten Jahren zunehmend wichtiger und komplexer geworden. Die zunehmende Anzahl der Kanäle muss gemanagt, sprich orchestriert werden, die Unternehmen brauchen dazu eine griffige Strategie, die Erfolgsmessung muss integriert funktionieren, neue Technologien, wie AI oder AR, sinnvoll eingebaut werden, und, und, und. Dazu, und das ist die Antwort auf ihre Frage, brauchen die Unternehmen die Unterstützung und Expertise von Spezialisten.
Welchen Stellenwert hat eine solche Auszeichnung für eine Agentur?
Einen sehr hohen. Einerseits nach innen: Für die Kolleginnen und Kollegen in den Agenturen ist das eine Anerkennung für die grossartige Arbeit, die sie Tag für Tag leisten. Anderseits nach aussen. Es ist eine Bestätigung für den Auftraggeber, dass er mit dem Projekt und dem Agenturpartner richtig liegt. Zudem schafft so ein Preis Visibilität bei potenziellen neuen Kunden.
Sie selber gehören selber zu den Goldgewinnern mit ihrer Agentur Swisscontent. Erzählen Sie mehr über ihr prämiertes Projekt …
Unseren Goldpreis haben wir in der Kategorie «Multichannel Internal» für die «Mission Nemo» gewonnen. Auftraggeber ist die Comet Group aus Flamatt. Comet ist eine Firma die erkannt hat, dass Change-Projekte, in diesem Fall die digitale Transformation des Unternehmens, nur dann funktionieren können, wenn man die Mitarbeitenden von Anfang an mit einbezieht. Und das wiederum funktioniert einzig über breit angelegte, crossmediale und orchestrierte interne Kommunikation. Mit der «Mission Nemo» durften und dürfen wir dies unterstützen.
Waren Sie überrascht?
Natürlich ist man bei einem Projekt, in das so viel Herzblut geflossen ist, immer überzeugt, dass es gewinnen muss. Ich bin aber schon so lange im Geschäft, dass ich auch weiss, dass die Konkurrenz auch gute Arbeiten liefert. In diesem Sinne kann man also sagen, dass wir überrascht waren. Noch mehr als das, sind wir aber stolz und total happy.
Daniel Kaczynski ist Vorsitzender des Content Marketing Forum (Schweiz) und CEO und Inhaber von Swisscontent.