06.10.2021

SRF

«10vor10»-Beitrag ist wieder online

Das Medienhaus erklärt in einer Stellungnahme, weshalb der Bericht über die Pandora Papers vorübergehend vom Netz genommen wurde, nun aber anonymisiert wieder verfügbar ist. SRF betont zudem, dass es zu keiner Zeit eine juristische Intervention gegeben habe.
SRF: «10vor10»-Beitrag ist wieder online
Seit der Anonymisierung einer Person ist der «10vor10»-Beitrag wieder online verfügbar. (Bild: Screenshot SRF-Sendung)

Ein am Montagabend ausgestrahlter «10vor10»-Beitrag über die Pandora Papers war am Dienstag plötzlich nicht mehr zu finden in der Mediathek von SRF. Man konnte erfahren, dass der Bericht aufgrund «rechtlicher Gründe» gelöscht wurde. Diese unklare Kommunikation löste Kritik in den sozialen Medien aus. Zum Beispiel die Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan wollte auf Twitter wissen, um welche rechtlichen Gründe es sich handle.

Die Antwort von Tristan Brenn, Chefredaktor TV SRF, liess nicht lange auf sich warten. Auf Twitter schrieb er am Dienstagabend: «Berechtigte Frage. Es geht tatsächlich um Persönlichkeitsrechte. Der Beitrag wurde vom Netz genommen und wird nun in Bezug auf eine Person anonymisiert. (...) Wir entschuldigen uns für die Verwirrung.»

Am Mittwochnachmittag erklärte das SRF sein Vorgehen, eine Anonymisierung in der Onlineversion des Beitrags vorzunehmen. In einer Stellungnahme heisst es, «SRF hat dies aus publizistischen und persönlichkeitsrechtlichen Gründen entschieden». Mittlerweile ist der Beitrag wieder in der Mediathek verfügbar.

Für den «10vor10»-Beitrag sei auch ein vom NDR geführtes Interview mit einer Offshore-Managerin verwendet worden, das vom Sender ohne Anonymisierung zur Verwendung freigegeben wurde. Im Nachgang zur TV-Ausstrahlung habe sich der NDR bei SRF gemeldet und auf eine mögliche Problematik betreffend Erkennbarkeit der Person hingewiesen, da sich diese Offshore-Managerin nun eine Anonymisierung wünsche. «Es gab aber zu keiner Zeit eine juristische Intervention bei SRF», heisst es in der Stellungnahme.

Entscheid nach Hinweis des NDR gefällt

Nach dem Hinweis des NDR habe sich SRF entschieden, in Abwägung der eigenen publizistischen Leitlinien, eine nachträgliche Anonymisierung zu prüfen. «Schliesslich wurde der publizistische Entscheid gefällt, den Beitrag vorübergehend online zu entfernen und dann anonymisiert wieder bereitzustellen. Diese Bearbeitung ist aufwendig und brauchte eine gewisse Zeit», schreibt SRF.

Der Inhalt des vom NDR geführten Interviews ist gemäss SRF nicht das Problem gewesen, «sondern die Namensnennung der völlig unbekannten Betroffenen, obwohl ihr juristisch möglicherweise kein Vergehen angelastet werden kann.»

Das Internet vergesse nicht, eine Person könne durch eine Namensnennung in einem unrühmlichen Zusammenhang auffindbar bleiben. «Es ist zwar die Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten aufzudecken, aber als Medienhaus trägt SRF auch Verantwortung für den Schutz der Privatsphäre von Protagonistinnen und Protagonisten», heisst es in der Stellungnahme weiter. (pd/tim)


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